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Endlich gibt es die Pille danach ohne Rezept!

Eine wunderbare Liebesnacht liegt hinter ihr. Alles stimmte, ein heißer Typ, aufregender Sex. Etwas zu viel Wein vielleicht, aber es war ja auch Samstagabend. Und dann die berühmte Verhütungspanne. Pille vergessen, Kondom gerissen, gar nichts benutzt, etwas in der Art. Große Augen, Panik, Mist, sie will auf keinen Fall schwanger werden. Was tun? Gottseidank gibt es die Pille danach. Bislang gab es die allerdings nur auf Rezept beim Gynäkologen und in unserer kleinen Geschichte ist ja gerade Wochenende. Bei der Pille danach ist der Zeitfaktor ganz entscheidend, je eher sie eingenommen wird, desto sicherer ist die Wirkung. Offiziell sind dafür je nach Präparat drei bis fünf Tage Zeit. Je mehr Zeit jedoch zwischen ungeschütztem Sex und der Einnahme liegt, desto unsicherer ist die Wirkung. Das weiß unsere Freundin und deshalb sitzt sie direkt am Sonntagmorgen zerknittert und vom Wein gezeichnet sage und schreibe drei Stunden in der gynäkologischen Abteilung des nächsten Krankenhauses. Denn nur hier bekommt sie am Sonntag ein Rezept. Und sie hat noch Glück, dass sie in der Großstadt wohnt und überhaupt ein Krankenhaus mit Gynäkologie in der Nähe hat.

Sie wartet ungeduldig darauf, dass sie an die Reihe kommt. Das Gespräch dauert zwei Minuten und dann endlich hält sie das Rezept in der Hand. Damit ist die Sache allerdings noch nicht zu Ende, denn jetzt geht es noch auf zur nächsten Notfallapotheke. Der Typ hat sich übrigens längst verkrümelt, schließlich sei das jetzt ja ihre Sache. Hätte sie nun bis zum Montag gewartet, wären zum einen die Erfolgschancen bereits gesunken und zum anderen wissen wir Frauen ja aus Erfahrung, wie lange man ohne Termin in so einem Wartezimmer sitzt. Vor der Arbeit ist es also schlecht und bis nach der Arbeit vergeht wieder kostbare Zeit. Ich frage mich, wie viele Frauen bei dieser ganzen Mühsal einfach nur darauf gehofft haben, der Krug möge an ihnen vorbei gezogen sein. In meiner Apotheke um die Ecke jedenfalls wurden im Jahr 2014 ganze sechs Packungen verkauft. Und die gehört immerhin zum Einzugsgebiet des Altonaer Krankenhauses und ist damit die nächste Anlaufstation für Notfälle dieser Art.

Das Für und Wider der Rezeptlosigkeit

Jetzt kommt endlich die gute Nachricht: Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Seit dem 15. März 2015 gibt es die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke. Juhu! Warum habe ich dann überhaupt so ausführlich meine kleine Geschichte erzählt? Weil die Meinungen über die Rezeptfreiheit weit auseinander gehen. Und weil man sich die bisherige Situation eben auch einmal ganz praktisch ansehen muss. Für mich ist das eine gute Entscheidung, die längst überfällig war. Die umständlichen Arzt- oder Krankenhausbesuche in einer Notfallsituation, in der wirklich jede Stunde zählt, entfallen. Kritiker wie die katholische Kirche jedoch befürchten, dass gerade junge Frauen jetzt verantwortungsloser mit der Verhütung umgehen. Was aus meiner Sicht Quatsch ist, denn noch nie waren gerade junge Menschen so verantwortungsbewusst in Sachen Verhütung wie heute.

Man befürchtet auch, dass Apotheken nicht ausreichend beraten. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob sich Gynäkologen denn wirklich immer die Zeit für eine ausführliche Beratung nehmen. Da wird kurz abgeglichen, letzte Regel, wann war der Eisprung und hier ist das Rezept, bitteschön. Und beileibe nicht jede Frau hat ihren Zyklus auf dem Schirm. Ich habe es auch schon erlebt, dass ein Arzt per Ultraschall nach einem Ei im Eileiter fahndete. Keins da, also sei die Pille danach nicht angesagt. Spermien überleben aber unter Umständen bis zu 7 Tage in der Scheide. Was, wenn sich das Ei am nächsten Tag erst auf den Weg macht? Immerhin besteht die Wirkung der Pille danach ja gerade darin, den Eisprung zu unterdrücken oder zu verzögern und damit eine Schwangerschaft zu verhindern. Erst wenn sich ein Ei bereits auf dem Weg befindet, macht die Einnahme keinen Sinn mehr.

Wasser auf der Mühle der Gegner ist sicherlich auch die Meldung, dass in einer Münchner Apotheke die Pille danach bereits am ersten Tag der Rezeptfreiheit ausverkauft worden sei. Das hört sich ja auch erst einmal sensationell an, es handelt sich dabei aber dann doch nur um 15 Packungen. In einer Metropole. Und es war ein Sonntag…. Ich bezweifle stark, dass die Pille danach als reguläres Verhütungsmittel missbraucht werden wird. Denn wer schon einmal in den Genuss gekommen ist, hat eine weitere ungute Erfahrung gemacht: Die hohe Dosierung führt zu Übelkeit, Unterleibsschmerzen, Erbrechen, Kopfschmerzen. Ein Vergnügen ist das nun wirklich nicht, da spreche ich aus Erfahrung. Das macht keine Frau gern. Wer aber ohnehin wenig auf sich achtet und sich unbewusst häufiger Gefahrensituationen im sexuellen Bereich aussetzt, hat hier immerhin im Nachhinein die Möglichkeit, sich besser vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen.

Die wichtigsten Informationen zusammengefasst:

  • Die Apotheken sind zur Beratung verpflichtet und sollen das Präparat nur an die betroffene Frau herausgeben, nicht an Familienmitglieder oder Freunde.
  • Mädchen unter 14 Jahren brauchen das Einverständnis ihrer Eltern und ihnen wird ein anschließender Arztbesuch dringendst empfohlen.
  • Die Kosten werden bis zum vollendeten 20. Lebensjahr bei Vorlage eines Rezeptes wie bisher von den Kassen übernommen. Ohne Rezept liegen die Kosten zwischen 18 und 35 Euro.
  • Je nach Präparat hat frau drei bis fünf Tage Zeit, die Pille danach Je mehr Zeit vergeht, desto unsicherer ist aber die Wirkung! Deshalb bitte sofort nach der Panne losmarschieren!!!
  • Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Schon deshalb eignet sich das Präparat nicht zur regulären Verhütung. Da sind andere Verhütungsmittel wesentlich sicherer!
  • Die Nebenwirkungen sind wie oben erwähnt sehr unangenehm. Wer sich drei Stunden nach der Einnahme erbricht, sollte wie bei der normalen Pille sofort eine zweite Pille schlucken, da die Wirkstoffe dann noch nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden konnten. Und wie auch bei der Pille gibt es im Falle der Pille danach Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Da bitte auch unbedingt den Apotheker fragen!
  • Es gibt zwei Wirkstoffe: Levonorgestrel und Ulipristalacetat. Beide verzögern oder verhindern den Eisprung. Für Abtreibungsgegner: Die Pille danach verhindert eine Schwangerschaft, einem bereits befruchteten Ei kann sie nichts mehr anhaben.
  • Für Pillenverhüterinnen: Die übliche Pille bitte bis zum Ende der Packung weiternehmen und in der Zeit zusätzlich z.B. mit einem Kondom verhüten.
  • Ob sich Übergewicht auf die Sicherheit der Pille danach auswirkt, ist nicht eindeutig belegt. Deshalb wird die Einnahme auch in dem Falle weiterhin empfohlen.

Was haltet ihr davon, dass es die Pille danach jetzt ohne Rezept in der Apotheke gibt?

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/die-pille-danach-ohne-rezept-in-der-apotheke/

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