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Die Nacht der Nächte

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Juhu, endlich August! Das ist für viele Paare die schönste Zeit des Lebens, in der die monatelangen Planungen und Vorbereitungen endlich ihren Höhepunkt im großen Finale Hochzeit finden. Eine Freundin hat die Zeit zwischen Antrag und Hochzeitsfeier einmal als eine Art Schwangerschaft bezeichnet. Das Paar hat ein gemeinsames Projekt und durchlebt Höhen und Tiefen bei der Gestaltung dieses großen Ereignisses. Und wird zuweilen ganz schön auf die Probe gestellt. Aber was kann eine großartige Hochzeitsfeier noch krönen? Die Hochzeitsnacht! Ob die großen Erwartungen an diese Nacht der Nächte auch erfüllt werden? Ich habe mich dazu mal umgehört.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Die Hochzeitsnacht ist mit einem ganz besonderen Zauber versehen. Wie alles andere an diesem Tag soll auch sie für immer in bester Erinnerung bleiben. Vor allem, da man für später Alben und Festplatten voll mit Bildern und Filmen von der Trauung und der anschließenden Feier hat, aber doch eher selten von der Hochzeitsnacht. Zumindest habe ich kein Paar und auch keinen Fotografen gefunden, der mir davon berichtet hätte.

Nun soll also wunschgemäß der romantischste Sex des Lebens stattfinden. Also kaufen Braut und Bräutigam sündhaft teure Dessous und heiße Boxershorts, lassen sich noch einmal im Beautysalon verwöhnen – und die Haare an den unerwünschten Stellen schmerzhaft entfernen – und mieten, wenn es sich einrichten lässt, auch gern eine wunderschöne Suite mit Hochzeitsflair für die Nacht der Nächte. Man ist also gut vorbereitet. Und startet in den großen Tag.

Die wenigsten Paare haben die Muße, an ihrem Hochzeitstag gemütlich auszuschlafen. Früh aufstehen ist angesagt, schließlich geht es erst einmal zum Friseur. Dann steigt die Aufregung immens, denn es folgen Standesamt oder kirchliche Trauung. Und schon steht der Fotograf bereit, um jeden Moment festzuhalten und die perfekten Hochzeitsbilder zu erstellen. Und alle wollen gratulieren. Schon geht es weiter, es steht ja eine große Veranstaltung an. Die wenigsten Paare können ihr von langer Hand geplantes Menü auch tatsächlich genießen, sind sie doch weiterhin viel zu aufgeregt. Es gilt Reden und Spiele zu überstehen, bevor der lockere Teil des Abends beginnt und getanzt und gefeiert werden kann. Das dauert mitunter bis in die frühen Morgenstunden. Es wird hell, die Hochzeitsgesellschaft wankt in die Betten, Braut und Bräutigam sind total erschlagen.

Willkommen in der Realität des Lebens

Was nun folgt, entspricht nicht ganz den romantischen Erwartungen. Beide schlafen ein. Oder er versucht doch noch, seiner Braut die Ehre zu erweisen, schläft dabei dann aber ein. Oder sie. So manch einer hat diesen Tag auch über der Toilette beendet. Sehr gefallen hat mir die Geschichte einer Freundin der Braut, die wie der Rest der Gäste so betrunken war, dass sie ihr Zimmer nicht finden konnte und schließlich bei dem Hochzeitspaar auf der Couch übernachtet hat. Und hier in Hamburg kommt es auch durchaus vor, dass es noch auf den Fischmarkt geht oder man auf dem Kiez weiterfeiert. Dann fällt die Hochzeitsnacht ohnehin komplett aus.

Eine Hochzeitsnacht, in der der Bräutigam seine Liebste in die Liebe einführt, habe ich übrigens nicht einmal bei den älteren Semestern meiner kleinen Umfrage gefunden.

Was lernen wir daraus? Die Erwartungen nicht so hoch zu schrauben. Oder im kleinen Rahmen zu feiern, dann bleibt noch genügend Energie für einander und für die Liebe. Am Besten ist es aber wohl, die Hochzeitsnacht ganz einfach zu verlegen und sie in Ruhe auf der Hochzeitsreise zu genießen. Das ist dann sowieso viel schöner und für Romantik bleibt jede Menge Zeit.

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