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Einfrieren, auftauen – Wie Unternehmen über die Fruchtbarkeit ihrer Mitarbeiterinnen bestimmen wollen

So, Leute, ich verabschiede mich. Ich gehe nach Kalifornien, genauer gesagt zu Apple. Oder zu Facebook. Das muss ich mir noch überlegen. Da ich mehr Apple- als Facebook-Fan bin, aber vielleicht doch lieber zu Apple. Die brauchen mich dort jetzt nämlich dringend. Wenn es nicht schon vorher andere Zeichen gegeben hätte, würde ich sagen, diese beiden Unternehmen haben uns jetzt gerade endgültig in die Zukunft katapultiert. In eine Zukunft, in der Sex nur noch der puren Lust dient und sich endgültig von Fortpflanzung und Beziehung löst. Traumhaft! Langweilig. Gefährlich. Denn es ist auch eine Zukunft, in der Funktionieren und Aufopfern im Job noch mehr vor dem persönlichen Glück stehen und sich sogar die Natur diesem Prinzip beugen muss.

Applebooks, die Babys der Zukunft

Wenn ich dann für eins der Unternehmen arbeite, kann ich meine Eizellen auch gleich einfrieren lassen. Vermutlich ist das sogar die Voraussetzung. Denn genau das ist es, das diese beiden Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen vorschlagen. Wir frieren deine Eizellen ein und du stehst uns dafür rund um die Uhr und solange, bis du umfällst, zur Verfügung und machst deshalb eine tolle Karriere bei uns. Da ich vermute, dass bei so einer tollen Karriere keine Zeit für die Partnersuche geschweige denn für eine Beziehung bleibt, kann Facebook einen Algorithmus einbauen, der dann nach dem Umfallen den passenden Samenspender äh Beziehungspartner aussucht. Das mit dem perfekten Sperma könnte ja die Apple Watch erledigen. Partner über Facebook finden, mit der Apple Watch Kompatibilität überprüfen, Eizellen und Sperma (das gleich mit eingefroren werden sollte, da es mit zunehmendem Lebensalter des Spenders an Qualität verliert) auftauen lassen und los geht’s. Das gibt dann tolle Babys. Applebooks könnten wir sie nennen.

Wo werden die Grenzen gesetzt?

Was aber passiert, wenn eine Mitarbeiterin ihre Eizellen hat einfrieren lassen – was mit bis zu 20.000 Dollar gefördert wird – dann aber trotzdem schwanger wird? Gibt es eine Vereinbarung, die sie zum Abbruch zwingt? Muss sie den Zuschuss zurückzahlen? Was, wenn eine Mitarbeiterin ihren Traumpartner findet, der aber ganz andere Ansichten zur Geburtenkontrolle hat und nicht warten möchte, bis sie die Karriereleiter bis ganz oben erklommen hat? Was ist mit der Mitarbeiterin, die ihre Eizellen nicht entnehmen lassen möchte? Heißt das, dass sie nicht loyal ist? Dass sie keine Karriere machen möchte? Was ist mit der Mitarbeiterin, bei der es später Komplikationen gibt und die dann plötzlich nicht mehr schwanger werden kann? Was ist mit der Mitarbeiterin, die nun endlich soweit ist, die Eizelle befruchten zu lassen, deren Ehemann aber längst weg ist, weil sie nur Zeit für ihre Karriere hatte?

Wo soll das enden?

Ich finde es ehrlich gesagt gruselig, in welche Richtung sich hier die Reproduktionsmedizin entwickelt. Was ursprünglich kinderlosen Paaren helfen sollte und ohnehin schon zu einem Markt jenseits der Legalität wurde, wird jetzt auch noch aus Profitgier von Wirtschaftsunternehmen zweckentfremdet. Da wird es jede Menge Probleme geben. Deswegen sollte ich nach Kalifornien gehen. Ich bleibe aber lieber hier.

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