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Apropos Toilette: Wie viel Privatsphäre braucht ihr?

Wie haltet ihr es damit? Wenn ihr auf der Kloschüssel sitzt, lasst ihr dann die Tür auf oder schließt ihr ab? Wenn ihr Single seid, klar, dann könnt ihr das natürlich machen, wie ihr wollt. Und wenn ihr eine Wohnung mit separater Toilette habt, dann auch. Aber als Teil eines Paares? Mit dem WC im Badezimmer? Die einen stört es ja nicht, wenn sie sich die Zähne putzen, während der oder die Liebste sich 50 Zentimeter im großen Geschäft erleichtert. Andere schließen lieber gleich die Tür ab. Ich erinnere mich dabei immer an eine Situation aus dem Urlaub. Wir wollten später ausgehen und machten uns gerade dafür fertig. Meine Freundin saß auf der Toilette, als ich den Wein einschenkte. Während ich es für zuvorkommend hielt, ihr das Glas zu reichen und die Badezimmertür freudestrahlend aufriss, wäre sie vor Scham in Grund und Boden versunken, hätte sie nicht die Klobrille davon abgehalten. Danach musste ich erst einmal über meine eigene Einstellung zu dem Thema nachdenken…. Ist es ein Vertrauensbeweis, in derartig intimen Momenten Gemeinsamkeit zuzulassen? Ist es manchen Leuten nur schlichtweg egal? Oder dürfen wir die Tür auch ganz bewusst ab- und den anderen von diesem Teil unseres Lebens ausschließen? Und was macht es mit unserer Lust?

Wie wollen wir uns zeigen?

Zahnseide, Tampons, Pickel, Körperhaare – wollen wir uns wirklich so zeigen? Ach nee, lieber nicht, denken wir jetzt. Zuerst macht man das auch lieber nicht. Wir wollen uns ja nur von unserer besten Seite zeigen. So manche*r greift dann noch nach dem Aufwachen blitzartig zur Zahnbürste. Bloß kein Morgenmund… Mir erzählte eine Frau, dass sie sich jeden Morgen vor dem Aufwachen ihres Partners frisierte, schminkte und dann wieder ins Bett legte. Hm. Aber normalerweise bröckelt diese Mauer der Vortrefflichkeit irgendwann. Stück für Stück verlieren wir die Scham voreinander. Das ist auch gut so, denn damit kommen wir uns auch näher. Eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die darauf basiert, sich immer nur von der besten Seite zu zeigen, würde niemals wirklich intim werden. Oder? Und was ist mit dem Badezimmer? Wie weit darf die Intimität gehen, ohne dass uns der Appetit vergeht? Was macht es mit uns, wenn wir unserer Liebsten beim Bartzupfen oder unserem Liebsten beim Pickel ausdrücken zusehen? Oder beim Geschäfte erledigen? Naja, alle Ideale haben ihre Macken. So sind wir eben. Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, weil wir eben nur ein Badezimmer haben und die Zeit morgens knapp ist.

Eigenen Grenzen erkennen und anerkennen

Unsere Schamgrenzen sind ganz unterschiedlich gestaltet. Den einen macht es nichts aus, alles von sich zu zeigen. Die anderen möchten ihre hygienischen Geheimnisse lieber für sich behalten. Die einen können gut über ihre Bedürfnisse sprechen und die anderen haben Hemmungen, weil sie keine falschen Signale aussenden möchten. „Vielleicht hält er/sie mich ja für verklemmt, wenn ich die Tür abschließe?“ Kann sein, dass er oder sie das tut. Was ist wichtiger? Die eigenen Grenzen achten oder bloß kein Ungemach verursachen? Nur, wo liegen die besagten Grenzen bei den einzelnen Partner*innen? Es lohnt sich wirklich, in der Hinsicht einmal über sich nachzudenken. Und auch mit dem oder der Partner*in darüber zu sprechen. „Was ist für dich ok? Was ist für mich ok?“ Und dabei sollten wir auch ehrlich sein. Es bringt nichts, sich zu verbiegen. Wenn ihr möchtet, dass die Tür zu ist, damit ihr euch ungestört eurer Körperpflege widmen könnt, dann ist das genauso auch ok. Wenn ihr dem oder der anderen bei allem zusehen wollt, auch. Solange es für den oder die andere genauso ok ist. Das Wichtigste ist, dass beide damit leben können.

Lustkiller oder Aphrodisiakum?

Und was macht es mit unserer Erotik, mit unserem Begehren, wenn wir wirklich alles vom anderen sehen? Was macht es mit MEINER Lust? Denn so richtig sexy ist das nicht. Aber das muss tatsächlich jede/r für sich selbst entscheiden. Intimität ist eine der Grundlagen einer Beziehung. Und wie viel Intimität können wir zulassen, ohne den anderen nicht mehr zu begehren? In jedem von uns steckt ein kleiner Exhibitionist oder eine kleine Exhibitionistin. Wir müssen es nur zulassen. Wir wackeln mit den Brüsten, stellen uns breitbeinig hin und lassen die Glocken klingen und brechen dabei in schallendes Gelächter aus. Aber das ist eine andere Form der Intimität als das offene Badezimmer. Es zeigt zwar einerseits Vertrauen, wenn wir uns vor unserem oder unserer Liebsten auch in dieser Hinsicht nicht genieren. Vertrauen kann Lust fördern. Es kann aber auch ein Mirdochegal sein. Und vielleicht fördert es auch das Gefühl, den anderen ganz zu haben, sich des anderen ganz sicher zu sein. Nur leider begehren wir immer das, was wir (noch) nicht haben oder dessen wir uns eben nicht so ganz sicher sind.

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