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Er? Sie? Weder noch? Vom Umgang mit der geschlechtlichen Vielfalt

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Da gibt es diese Seite, auf der man sich für private Kochsessions anmelden kann. Jemand organisiert, stellt die Location und lädt dann andere Benutzer ein. Das hört sich spannend an, neue Menschen beim gemeinsamen Kochen, Essen und Trinken kennen zu lernen. Das will ich auch, denke ich mir und melde mich an. Schließlich trinke, esse und rede ich gern, wie meine Freunde zweifelsfrei bezeugen können. Beim Erstellen meines Profils stolpere ich dann über das:

Geschlecht: männlich – weiblich – andere/möchte ich nicht sagen

Andere? Möchte ich nicht sagen? Was genau bedeutet das auf solch einer Plattform? Es kann natürlich sein kann, dass jemand gern inkognito bleibt. Man weiß nicht, wer da kommt – Mann oder Frau? Überraschung! Aber warum sollte jemand nicht sagen, ob er oder sie männlich oder weiblich ist? Beim Kochen kommt es doch nicht auf Geschlechtsparität an und über die Qualität des Essens sagt das schon gar nichts aus. Also bleibe ich bei meinem ersten Gedanken. Wow, die sind fortschrittlich! Transgender haben hier einen eigenen Button. Wenn sich Conchita Wurst anmeldet und noch nicht genau weiß, ob sie nun als Conchita oder als Tom kommen möchte, kann sie/er das an dieser Stelle offen lassen. Wahnsinn!

Facebook als Vorreiter auf dem Weg zu mehr Vielfalt und Toleranz

Seit Februar 2014 ist es in der englischen Version von Facebook möglich, zwischen mehr als zwei Geschlechtsangaben zu wählen. Neben männlich und weiblich gibt es jetzt zusätzlich noch „custom“. Und unter diesem Punkt gibt es wieder weitere Wahlmöglichkeiten wie androgyn, pangender, bigender, transwoman, transman, transsexual. Verwirrend? Ja, aber nur für die, die nicht in der Welt der Transgender leben.

Es gibt eben mehr als nur männlich und weiblich zwischen Himmel und Erde. Unter uns leben Transsexuelle, Intersexuelle, Pansexuelle, Drag Queens und Transvestiten, um nur einige von denen zu nennen, die nicht in das übliche Schema passen. Der offizielle und auch selbstgewählte Begriff dafür ist Transgender. Gemeinsam ist ihnen die Ablehnung der Geschlechtsrolle, die ihnen die Gesellschaft aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit aufzwängt, ob nun mit oder ohne die im TV so gern gezeigten operativen Eingriffe.

Für Transgender sind soziale Netzwerke eine prima Möglichkeit, sich unkompliziert zu vernetzen, zu kontakten oder sich zu präsentieren. Solange es freiwillig ist und auf einer bewussten Entscheidung basiert. Wir werden in Zukunft sicher noch häufiger über dieses dritte Feld stolpern. Nach und nach werden andere nachziehen. Das finde ich gut. Denn irgendwann fällt es uns gar nicht mehr auf, dass es da steht. Und dann braucht es keine Conchita Wurst mehr, um Transgender im Bewusstsein der Menschen zu verankern.

Und ich bin erstmal gespannt, wer da sich in der Kochrunde einfindet.

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