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Schokolade für die Seele, ein Dampfbad für die Vagina

Neulich wurde ich angesprochen: „Hast du schon vom Vaginaldampfbad gehört? Das soll ganz toll sein und die Gebärmutter reinigen!“ Wow, wenn etwas ganz toll sein soll, werde ich ja erst einmal neugierig. Nur, wer hat das wohl gesagt? Kurz gegoogelt: Gwyneth Paltrow. Na, die hat ja häufiger so lustige Ideen. Was man nicht alles dafür tut, um sich ein sexy Image zu erschaffen… Jetzt steht also ihre Vagina im Mittelpunkt des medialen Interesses. Könnte man auch für spooky halten. Aber was genau soll ein Vaginaldampfbad denn überhaupt sein? Und was ist daran toll? Ich habe mich dazu mal umgesehen.

Ein neues Wellnessangebot

Dampfbäder kenne ich aus der Sauna. Da rutscht man mit nacktem Hintern auf gekachelten glitschigen Bänken herum und kann vor lauter Dampf nicht sehen, wer neben einem sitzt. Dampfbäder werden auch bei Verstopfungen der Nasennebenhöhlen empfohlen. Da hängt man allerdings mit einem über den Kopf gestülpten Handtuch über heißem Kamille- oder Eukalyptuswasser und inhaliert. Das soll die Nase frei machen. Und tatsächlich verschafft das ja auch Linderung, immerhin können die Dämpfe hier im Nasen- und Rachenbereich zirkulieren. Als Wellness würde ich das nicht bezeichnen. Das Vaginaldampfbad hingegen wird wohl schon vereinzelt tatsächlich in den Spas der amerikanischen Weiten als Wellnessbehandlung angeboten. Und es scheint ein Tausendsassa zu sein, denn es soll eventuelle Ablagerungen lösen (wobei ich wirklich keine Vorstellung davon habe, was Ablagerungen in der Vagina sein sollen), ein hormonelles Ungleichgewicht, Menstruationskrämpfe oder Verdauungsbeschwerden lindern. Wenn ich also wieder einmal zu viel vom Falschen gegessen habe, mache ich mir zuhause schnell ein Vaginaldampfbad und schon geht es mir besser! Ich glaube, ihr versteht schon, was ich davon halte.

Achtung, heißer Wasserdampf!

Damit wir uns das Ganze besser vorstellen können, möchte ich die Prozedur des Vaginaldampfbades nach Anleitung von Gwyneth Paltrow beschreiben. Dieses Dampfbad verläuft ähnlich wie das Erkältungsdampfbad, nur wird hier statt des Kopfes der Unterleib in den Dampf gehalten. Ohne Slip, versteht sich. Und man kann es auch zuhause ausprobieren, falls gerade kein entsprechendes Spa in der Nähe ist. Zuerst werden in einem Topf die Kräuter Wermut und Beifuß aufgekocht, die dann wie bei einem Tee ziehen sollen. Ob diese Kräuter tatsächlich der Vagina schaden, wie in der Presse zu lesen ist, vermag ich nicht zu sagen. Das müsste wohl ein Kräuterexperte heran. Die Flüssigkeit wird schließlich in ein Gefäß geschüttet, das in der Toilettenschüssel deponiert wird. Nicht zu klein bitte, sonst verschwindet es noch versehentlich im Abflussrohr. Dann heißt es, die Temperatur des Wasserdampfes zu überprüfen, schließlich möchte sich niemand den Intimbereich verbrühen. Es sei denn, genau das wird als sexuelle Stimulation empfunden. Ich würde jedoch dringend davon abraten! Wird die Temperatur als angenehm empfunden, so hockt sich die Frau nun über die Toilettenbrille und wickelt sich mitsamt der Porzellanschüssel in eine warme Wolldecke. Dicke Socken nicht vergessen. So, und nun kann die Wellnessbehandlung beginnen. Solange der Dampf noch warm genug ist, darf die Vagina den Kräutersud einatmen.

Äh, einatmen? Eine Vagina kann doch gar nicht atmen! Ganz genau. Eine Vagina ist auch kein Hohlraum, der wie ein Räucherofen den Dampf durchlässt. Sie ist ein Schlauch, dessen Wände einander berühren, solange nichts in ihm steckt. Apropos stecken: Falls Ihr sicher gehen wollt, dass ich recht habe, steckt doch einmal jetzt einen Finger in eure Vagina und Ihr werdet das sofort fühlen. Ich möchte also an dieser Stelle schon einmal anmerken, dass ich bezweifle, dass hier viel Dampf bis in die hinterletzte Ecke kommt. Und in die Gebärmutter schon gar nicht. Denn diese wird durch den Muttermund verschlossen. Reinigung der Gebärmutter? Fehlanzeige. Und auch eine Reinigung der Vagina ist nicht nötig, denn diese hat die Fähigkeit, sich selbst zu reinigen. Ganz im Gegenteil sollte man die empfindliche Scheidenflora und diese Selbstregulierungskräfte gar nicht erst durcheinander bringen. Denn das kann Infektionen begünstigen. Auch kann diese Behandlung keine Menstruationsbeschwerden lindern oder die Fruchtbarkeit beeinflussen.

Es gibt schönere Arten, sich selbst zu verwöhnen

Das einzige, was ich an dieser ganzen Sache tatsächlich gut finde, ist die Beschäftigung mit der Vagina als solche. Denn die fristet bei der Körperwahrnehmung viel zu oft ein Schattendasein. Und so eine erwärmte Vulva kann auch durchaus für Lustgefühle sorgen. Gesundheitlich jedoch kann ich dem Vaginaldampfbad nichts abgewinnen. Der Glaube aber versetzt bekanntlich Berge und wenn sich eine Frau nach dieser Behandlung gut fühlt, dann ist das so und dann sollten wir ihr das auch gönnen. Ich weiß aber nicht, ob ihr schon einmal eine halbe Stunde auf eurer Kloschüssel gehockt habt. So bequem ist es dort nun wirklich nicht, dass man sich dort länger als nötig aufhalten möchte. Selbst wenn man über ein großes Bad mit schönen Pflanzen, vielen Kerzen und angenehmer Musikbeschallung verfügt. Daher würde ich lieber einen ausgiebigen Saunabesuch vorschlagen. Dort kann man sich wesentlich besser entspannen und die Vulva gleich mit schwitzen lassen.

 

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