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Geschlechtstest – Wenn Frauen zu viel Testosteron im Blut haben

Früher war die Welt einfach: Es gab Männer und es gab Frauen. Und zwar in der Reihenfolge. Männer waren das starke Geschlecht – groß, muskulös, intelligent, Frauen und Kinder beschützend. Frauen waren das schwache Geschlecht – klein, lieblich, zart, des logischen Denkens nicht fähig, zuständig für das Wohl des Mannes. Irgendwann in der Romantik zu Zeiten Goethes entstand dieses Konzept. Es hat lange gedauert, diese schwarzweiße Geschlechtertrennung aufzulösen und die ausgedehnte Grauzone dazwischen zu entdecken. Der fast ausschließlich männliche Blick auf die Dinge ließ nicht zu, dass man erkannte, dass vielerorts Frauen Haus und Hof am Leben erhielten und die ach so starken Männer nur das schmückende, trinkende und randalierende Beiwerk waren. Was nicht sein kann, gibt es auch nicht. Mittlerweile verschwimmen die Grenzen und auch die Wissenschaft räumt ein, dass es mehr gibt als weiblich und männlich.

Geschlechtertrennung bis hinunter auf die chromosomale Ebene

Nur im Fußball, da ist die Welt noch wie zu Zeiten Goethes. Es gibt Männerfußball und es gibt Frauenfußball. Und zwar in der Reihenfolge. Männer sind leistungsfähiger als Frauen. Es gibt keine Grauzone. Keine Homosexualität, keine Intersexualität, keine Transsexualität und alles andere, was das normale Leben so bunt macht. Und damit das auch ja so bleibt, mussten sich jetzt alle Frauenmannschaften vor der Frauen-WM einem Geschlechtstest unterziehen. Das Phänomen der Intersexualität ist endgültig in den Blick des Weltfußballverbandes und damit in den der Öffentlichkeit gerückt. Intersexuell zu sein, bedeutet, biologisch Anteile beider Geschlechter in sich zu tragen. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise 80.000 Menschen, die davon betroffen sind. Hermaphrodit oder Zwitter sind die umgangssprachlichen Begriffe. In der Medizin spricht man von DSD, Störungen der Geschlechtsentwicklung. Die Ursachen können genetischer, anatomischer und hormoneller Natur sein.

Während Transsexuellen häufig mehr oder weniger anzusehen ist, dass sie anatomisch gesehen ein anderes Geschlecht haben bzw. hatten, kann das bei Intersexualität auch anders sein. Es gibt Intersexuelle, deren Genitalien schon bei der Geburt keine eindeutig männliche oder weibliche Zuordnung zulassen. Dann gibt es Mädchen, bei denen erst in der Pubertät durch die Freisetzung von männlichen Hormonen plötzlich und völlig unvorhergesehen eine Vermännlichung stattfindet. Bart, Adamsapfel und Klitoris wachsen. Mit der frühzeitigen Einnahme von Hormonen können diese Veränderungen aufgehalten werden. Wenn denn bekannt ist, was los ist. Das ist es ja nicht immer und überall auf der Welt.

Und dann gibt es noch die, bei denen äußerlich nichts zu sehen ist. Gar nichts. Und genau um die geht es der Fifa. Da könnte man die gesamte Mannschaft nackt aufstellen und würde doch nichts sehen. Auch wenn diese Art des Tests den Herren der Fifa sicherlich sehr gefallen würde. Äußerlich eindeutig Frau, findet sich der Unterschied vor allem in den Chromosomen. Satt des weiblichen XX haben diese Menschen einen männlichen XY-Chromosomensatz. Der produziert ganz unauffällig mehr Testosteron. Das ist im Sport so etwas wie ein natürliches Doping. Denn Testosteron ist nun einmal verantwortlich für die Leistungsfähigkeit. Von Männern, die Fußball spielen wohlgemerkt. Frauen müssen sich anders behelfen. Aber da Männer ja im allgemein und insbesondere beim Fußball bekanntlich leistungsfähiger sind als Frauen, darf das einfach nicht sein.

Die heile Welt der Fifa

Und was hat nun der Geschlechtstest ergeben? Herzlichen Glückwunsch! Alle unsere Spielerinnen sind weiblich! Bei allen ist der Testosteronspiegel im grünen Bereich. Wenn aber nun eine Frau im Fußball über ihren Testosteronspiegel definiert wird, dürften dann nicht auch Mann-zu-Frau-Transsexuelle mitspielen? Immerhin nehmen diese zusätzliche weibliche Sexualhormone ein, mit denen ihr Körper eine weibliche Form bekommt. Darüber könnte man doch mal nachdenken. Ich persönlich glaube ja nicht wirklich, dass es darum geht, keine außerordentliche Konkurrenz unter den Frauenmannschaften selber zuzulassen. Denn die Leistungsfähigkeit hängt ja nicht einzig und allein vom Testosteronspiegel ab. Im Fußball hat gefälligst alles eindeutig zu sein. Männer sind Männer und Frauen sind Frauen und alle bitte schön ordentlich heterosexuell. Basta. Da gibt es einfach nichts dazwischen. Und keine Spielerin darf leistungsfähiger sein als ein männlicher Spieler. Fast wundere ich mich, dass Hosen und kurze Haare im Frauenfußball zugelassen sind. Hübsche Röckchen und bunte Haarbänder wären doch so viel weiblicher. Und da Männer ihre Männlichkeit so gern über ihren Penis definieren, wäre dessen Länge doch vielleicht auch ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der richtigen Mannschaftsspieler.

 

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