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Die Rote Karte für den Geschlechtsverkehr!

Ganz ehrlich, wozu brauchen wir eigentlich noch den Geschlechtsverkehr? Wenn ich Königin von Deutschland wäre, würde ich ihn gänzlich abschaffen, verursacht er doch nichts als Schwierigkeiten! Wir würden alle viel glücklicher und entspannter leben und lieben, wenn wir von dem Druck der erfolgreichen Penetration endlich erlöst wären. Das stimmt nicht, meint Ihr? Doch und das werde ich Euch hier einmal aufzeigen

  1. Fortpflanzung geht auch ohne!

Ja, sagt da der eine oder die andere, den Geschlechtsverkehr brauchen wir doch aber zum Kindermachen! Nö, brauchen wir nicht. Werdende Eltern werden immer älter, da leiden Eizellen und Spermien sowieso, mal ganz abgesehen von den schädlichen Umwelteinflüssen, die sich negativ auf die Reproduktionsfähigkeit auswirken. So nimmt heute bereits jedes fünfte Paar die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin in Anspruch. Und andere wie Brad Pitt und Angelina Jolie haben gar keine Zeit für einen termingerechten Sex, die lassen das von vorneherein im Labor erledigen. Da fällt mir auch noch das offensichtlichste Ergebnis von Zeugung ohne Geschlechtsverkehr ein: Anna Ermakova, Tochter von Boris Becker und Angela Ermakova, gezeugt durch Oralverkehr in der Besenkammer. Und selbst den Gläubigen dürften da die Argumente ausgehen, immerhin verehren sie seit knapp 2000 Jahren Maria, die ganz ohne Sex den berühmtesten Youngster aller Zeiten zur Welt brachte. Also ein klares Daumenrunter für den Zeugungsakt.

  1. Weniger sexuelle Probleme!

Der Geschlechtsverkehr, wenn er denn ausgeübt wird, macht sowieso mehr Sorgen als Freunden. Das zumindest könnte man angesichts dieser Zahlen meinen: Mehr als zwei Drittel aller Frauen, vielleicht sogar ganze 96% – je nach Studie – bekommen dabei keinen Orgasmus. 5–11% der Frauen leiden bei der Penetration unter Schmerzen und 14–17% empfinden Sex ganz und gar nicht als lustvoll. Bei den Studien über die Männern sieht es ehrlich gesagt auch nicht viel rosiger aus: 2–76% (eine ziemliche hohe Diskrepanz zwischen den Studien) leiden unter Erektionsproblemen, bei 1-9% bleibt der Orgasmus aus, 4-32% kommen zu früh und auch hier finden 6-10% Sex insgesamt nicht als angenehm. Und das sind ja nur die, die ihr Problem auch als ein solches erleben. Denn erst dann finden sie Aufnahme in die Statistik. Die Dunkelziffer ist also noch viel höher. Verzichten wir hingegen auf die Penetration, gibt es kein zu frühes Kommen mehr und Erektionsprobleme wären weitaus weniger bedeutsam. Das fällt alles weg! Und wir Frauen hätten auch noch mehr Orgasmen. Denn bei der oralen oder manuellen Stimulation kommen wir genauso zum Höhepunkt wie die Männer. Kein Geschlechtsverkehr bedeutet also ganz klar mehr Gleichberechtigung im Bett!

  1. Es gibt so viele andere tolle erste Male!

Nicht das erste Mal Küssen, Oralverkehr oder der erste Orgasmus sind es, um die wir uns sorgen und auf die wir uns freuen. Nein, es ist das erste Mal Geschlechtsverkehr! Wie wird es sein? Was muss ich machen? Wird es schmerzen? Wird es Spaß machen? Wie kann ich verbergen, dass ich keine Ahnung habe? Als würde alles andere nicht zählen und nicht mindestens genauso wichtig sein. Oralverkehr wird von manchen Menschen ja nicht einmal als Sex betrachtet. Da brauchen wir doch nur an den Fall Bill Clinton denken. Nein, er hatte keinen Sex mit der Praktikantin. Nein, sie hatte doch nur seinen Penis im Mund! Das ist doch nichts! Apropos erstes Mal. Wie viele Frauen auf der Welt bangen bei diesem ersten Mal um ihr Leben, in der Angst, es könnte kein Blut auf dem Laken zu sehen sein. Wenn wir den Geschlechtsverkehr einfach weg lassen, hat sich das Problem erledigt. Kein Eindringen, kein Durchtrennen des Jungfernhäutchens, kein Blut. Prima, dieses Argument gefällt mir ganz besonders gut.

  1. Penisgröße? Total egal!

Unter Jungen und Männern besonders verbreitet ist die Angst, ihr Penis könne einer Frau beim Geschlechtsverkehr nicht ausreichen. Oder im Gegenteil zu groß sein. Oder zu krumm. Oder zu alt. Als seien wir penisbesessene Monster! Mir hat noch nie jemand die Frage gestellt, ob der Penis zu klein sei für den Blow Job oder zu groß für den Handjob. Und warum nicht? Weil alle Welt den Geschlechtsverkehr für den einzig wahren Sex hält. Schmerzen, weil der Penis zu groß ist? Fällt auch weg. Darf ich an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass die Männer beim Geschlechtsverkehr ohnehin größtenteils allein den Gipfel der Lust erklimmen? Wir Frauen sind vielmehr auf Eure Hände und Eure Zungen angewiesen. Und auch da hat noch keiner gefragt, ob seine Zunge zu dick oder zu glatt sei. Überhaupt kommen erstaunlich wenig Fragen zu dieser Art der wunderbaren Betätigung. Fragt Euch also lieber, ob Ihr Euch da noch verbessern könnt, als immer nur alles auf den Penis zu schieben. Der ist nicht schuld, wenn sich eine Frau beim Sex langweilt.

  1. Mehr Vielfalt im Bett!

In der Sexualtherapie des Hamburger Modells gibt es eine wunderbare Übung. In mehreren kontrollierten Schritten ist über verschiedene Übungen von Streicheln unter Aussparung der intimen Bereiche und deren späterer Einbeziehung über das langsame Erkunden der Hotspots bis hin zur gegenseitigen Stimulierung alles erlaubt – nur kein Geschlechtsverkehr. Denn hier geht es darum, einmal loszulassen und sich vom Koitus-Druck zu befreien. Körpergefühle wie Entspannung, Sicherheit und Wohlsein, Haut- und Körperkontakt stehen im Fokus. Der ganze Körper wird einbezogen, Wünsche und Grenzen sollen erforscht und gesteckt werden. Leistung und Versagensängste treten in den Hintergrund. Das kann man doch auch einmal für sich als Paar einen Monat lang durchziehen. Auf welche Ideen der Befriedigung kommt Ihr noch, wenn Ihr alles dürft, nur nicht vögeln?!

Ein Hoch auf das Vorspiel!

So, das waren nun fünf schlagkräftige Argumente gegen den Geschlechtsverkehr und dafür, das Vorspiel zum Hauptteil zu erklären. Und erst wenn das gut gelaufen ist, habe ich nichts einzuwenden gegen ein wenig Pimpern. Das würde tatsächlich viele Probleme lösen. Weniger Druck, mehr Vielfalt im Bett. Entspannte Männer, glückliche Frauen. Dadurch wäre das Leben sicherlich ein wenig leichter. Oder wie seht Ihr das? J

 

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