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Zusammen schlafen oder lieber miteinander schlafen?

Frisch verliebt und beide wollen diese eine Beziehung auch führen: Was liegt da näher, als möglichst bald an ein gemeinsames Zuhause zu denken? Was für eine Vorstellung, jeden Morgen gemeinsam aufzuwachen und kuschelnd in den Tag zu starten! Oder von einem erregten Partner geweckt und in den Tag gevögelt zu werden! Jeden Abend gemeinsam im Bett eng umschlungen einzuschlafen! Oder noch eine kleine Liebesnummer zu schieben! Das reinste Paradies. Oder Liebesnest, wie es im Volksmund auch genannt wird. Bei Frischverliebten ist Sex ja nun einmal ganz wichtig und bildet zuerst auch die Basis einer Beziehung. Bei den meisten Paaren schwächt sich das anfängliche Begehren nach einer gewissen Beziehungsdauer ab. Das ist ganz normal und gehört dazu. Aus Verliebtheit wird Liebe, statt Sex gewinnen andere Bindungselemente an Bedeutung: Vertrauen, ein gemeinsamer Lebensentwurf, Hausbau, Kinder. Dass aber auch ein gemeinsames Schlafzimmer alles andere als ein Vergnügen sein kann, klingt erst einmal unvorstellbar. Ist es aber nicht. Kennt Ihr das hier?

Die nächtliche Verwandlung

Tagsüber bezaubernde Partnerin oder charmanter Partner, nachts unerträglich laut schnarchendes, schwitzendes, sich bewegendes und Hitze abstrahlendes Wesen. Niemand denkt in der großen Verliebtheit an dieses Szenario. Am Anfang findet er es noch süß, wenn sie leise oder auch etwas lauter vor sich hin schnorchelt. Sie ist entzückt, wenn er sich an ihr reibt und sie seine Wärme spürt. Notfalls kann man am Wochenende ja etwas länger schlafen oder sich in der nächsten Nacht zuhause ausruhen. Aber dann schlafen sie jede Nacht in diesem einem Bett und es gibt als Ausweichmöglichkeit nur noch das Sofa. Hm. Irgendwann ist eine Grenze erreicht. Man ist genervt und braucht Freiraum.

Die üblichen kleinen oder großen Streitigkeiten

Schon wieder hat er den Klodeckel oben gelassen, sie ihre Klamotten in der ganzen Wohnung verteilt. Was nicht nur WG-Bewohner in den Wahnsinn treibt, kann auch für Beziehungen ein echter Härtetest werden. Da muss es gar nicht um weltbewegende Probleme gehen. Manches staut sich auf, über anderes wird direkt verhandelt. Manchmal knallt es auch. Wer Versöhnungssex für den besten Sex hält, springt danach freudestrahlend in das gemeinsame Bett. Andere brauchen Zeit für sich und ihre Gedanken, ziehen sich erst einmal zurück. Da wird es dann abends schwierig, mit dem nicht noch ganz ausgesöhnten Partner das Bett zu teilen. Auf dem Sofa zu schlafen, würde den Konflikt allerdings noch deutlicher zutage treten lassen. Was nun?

Unterschiedlicher Wach-Schlaf-Rhythmus

Ein gemeinsames Schlafzimmer lädt dazu ein, auch gemeinsam genutzt zu werden. Nun haben aber nicht alle Menschen denselben Rhythmus. Die einen sind Frühaufsteher, die anderen Langschläfer. Den einen fallen abends schon die Augen zu, während die anderen gerade noch einen Film aussuchen. Dann geht der oder die eine ins Bett und der oder die andere kommt dazu, wenn gerade die Tiefschlafphase erreicht ist. „Noch Sex?“ Grrrr. „Ich habe schon geschlafen!“ „Na, aber jetzt bist du ja wach! J“ Vielleicht kann er/sie aber auch nicht einschlafen, weil er/sie sich fragt, warum der Partner nun nicht auch ins Bett kommen kann. Das hat er/sie sich doch anders vorgestellt mit dem gemeinsamen Leben! Diese Erwartungshaltung greift allerdings in unsere Autonomie ein und setzt uns unter Leistungsdruck. Noch Lust auf Sex?

Elektronik im Bett

Und damit meine ich nicht Sexspielzeug! Ich kenne Paare, die abends mit ihrem jeweiligen Ipad vor der Nase nebeneinander liegen. Er guckt sich die letzten Sportergebnisse an, sie klickt sich durch die Börsenkurse. Sie sind zwar zusammen im Bett, liegen aber nur nebeneinander und kommunizieren nicht. Oder sie gucken Fernsehen. Zappen, was das Zeug hält und reden auch nicht miteinander. Entspannen soll das. Aber tut es das wirklich? Wir sind nur mit uns selbst und dem Außen beschäftigt. Würde ein Gespräch, das etwas-miteinander-teilen, nicht viel mehr entspannen? Wie dem auch sei, Erotik ist jedenfalls etwas anderes.

Zu dir oder zu mir?

Wer sich hier wiedererkennt, sollte vielleicht über getrennte Schlafzimmer nachdenken. Traditionell wird eine Wohnung ja in Wohn- und Schlafbereich aufgeteilt. Warum nicht einmal anders? Da komme ich nochmal auf die gute alte WG zurück. Oft gibt es einen gemeinsamen Raum. Und wenn es nur die Küche ist. Aber jeder hat die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und seinen oder ihren eigenen Kram zu machen. Zwei Schlafzimmer in einer partnerschaftlichen Wohnung bedeuten eine Abweichung vom Normalen und sind vielleicht erklärungsbedürftig, wenn neugieriger Besuch kommt. Aber was wollt Ihr? Das Übliche oder mehr Sex? Wer nicht zusammen schläft, kann Einladungen aussprechen: „Kommst Du heute zu mir? Oder ich zu Dir?“ und kann auch Nein sagen: „Nein, heute nicht. Aber morgen!“ Vorfreude ist die beste Freude und was ich mir erarbeiten muss, bleibt ohnehin begehrenswerter. Außerdem ist für ruhigen Schlaf gesorgt, falls man nicht gerade selber unter Schlafstörungen leidet. Und selbst dann ist es für den Partner oder die Partnerin entspannter.

 

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