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Der Verhütungsschalter für den Mann

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Auch in der Welt der Verhütungsmittel. Da hat doch tatsächlich ein Mann eine komplett neue Methode erfunden! Und die ist doch tatsächlich für Männer! Da hat sich jemand Gedanken gemacht! Ja! Nicht zu fassen! Und das Interessante daran ist, dass das kein Arzt oder ein großes Pharma-Unternehmen ist. Nein, ein Tischler. Ein Tischler? Was hat der denn mit Verhütung zu tun, fragt Ihr Euch jetzt sicherlich. Das habe ich mich auch. Und die Frage ist durchaus berechtigt. Tischler sind nun nicht gerade prädestiniert für die Entwicklung von medizinischen Innovationen, geschweige denn Verhütungsmitteln. Aber dieser hatte eine Idee und sich dann jahrelang in das Thema eingefuchst. Und nun ist er da und bereit zur Erprobung: Der Ein-Aus-Schalter für den Mann, direkt implantiert in den Samenleiter. Jeder kann entscheiden, wann da Spermien durch dürfen und wann nicht. Das findet Ihr utopisch? Komisch? Ein Implantat? Warum denn nicht? Frauen lassen sich immerhin auch kleine Stäbchen unter die Haut implantieren.

Die Last der Verhütung liegt auf den Schultern der Frauen

Schon lange reite ich darauf herum, dass viel zu wenig an neuen und vor allem an Verhütungsmitteln für den Mann geforscht wird. Wir Frauen tragen fast die gesamte Last auf unseren Schultern. Wir schlucken täglich Pillen, kleben uns Pflaster an den Körper, lassen uns Metall in die Gebärmutter einsetzen, führen uns Kappen aus Latex oder Silikon ein, lassen uns die erwähnten Stäbchen implantieren, hantieren mit chemischen Cremes, führen akribisch Kalender über Temperatur und Zervixschleim. Ihr wisst nicht, was Zervixschleim ist? Dann wäre es an der Zeit, sich damit einmal zu beschäftigen. Und ich habe noch mehr: Insbesondere die hormonellen Mittel haben Nebenwirkungen, als da wären Übelkeit, Schwindel, Zwischenblutungen, Lustlosigkeit, lebensgefährliche Thrombosen und noch so einiges anderes. Wir dürfen die Pille um Himmels Willen nicht vergessen, sitzen in Wartezimmern herum, müssen darauf achten, dass Spiralen und Kappen nicht verrutschen. Aber das Schlimmste ist wohl, dass wir bei manchen hormonellen Methoden unsere Fruchtbarkeit für einige Monate auch noch nach dem Absetzen einbüßen. Wer schwanger werden will, muss sich also unter Umständen eine ganze Zeitlang gedulden. Ich weiß nicht, ob das allen Liebhabern so klar ist. Denn die meisten Frauen schlucken, schieben, lassen einsetzen und was auch immer es da noch so gibt, ohne sich groß zu beklagen. Und sie bezahlen das oftmals auch aus eigener Tasche.

Für den Mann gibt es bisher nur zwei Möglichkeiten: Kondom oder Sterilisation. Kondome können abrutschen oder reißen und außerdem seien sie nicht gefühlsecht. Letzteres habe ich schon oft als Argument gegen die Benutzung von Kondomen gehört. Das macht mich wirklich sauer, wenn wir einmal überlegen, was Frauen so alles auf sich nehmen. Die Sterilisation wiederum ist endgültig. Dass ein Mann, der noch Kinder haben möchte, die nicht vornehmen lässt, kann ich nun sehr gut nachvollziehen. Insgesamt betrachtet ist das alles also ziemlich ungerecht verteilt, wie ich finde. Und deswegen verstehe ich auch nicht, warum sich da nichts ändert.

Ein Tischler wird zum Erfinder

Aber vielleicht hat sich da ja tatsächlich etwas Bahnbrechendes getan. Denn nun kommt also dieser Tischler daher und erfindet etwas ganz Neues. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Anstoß zu den großen geben. Clemens Bimek sah vor Jahren im Fernsehen eine Doku über Verhütung und hatte dazu eine Idee. Die Spermien werden in den Hoden gebildet, fließen anschließend durch die Nebenhoden und die beiden Samenleiter in Richtung Harnröhre und vermischen sich mit dem Ejakulat aus der Prostata, bevor sie in hohem Bogen herausspritzen. Unser Tischler hat sich überlegt, dass man doch die Spermien auf ihrem Weg einfach aufhalten könne. Und zwar nicht durch eine unwiderrufliche Vasektomie sondern durch ein Implantat mit einem Schalter, den der Träger sogar selber umlegen kann. Ein-Aus. Unfruchtbar-fruchtbar. Bimek hat sich jahrelang informiert, sich mit Medizintechnik beschäftigt und nicht aufgegeben. Ein Patent ist angemeldet, der Prototyp befindet sich bereits in seinen Samenleitern. Das Material für sein Ventil wird schon länger in der Implantationsmedizin verwendet.

Mit einem einfachen Schalter Verantwortung übernehmen

Es gibt Fürsprecher. Und natürlich gibt es Kritiker. Allem Neuen gegenüber ist man erst einmal skeptisch eingestellt. Vor allem offenbar, wenn es um die heilige Fruchtbarkeit des Mannes geht. Die der Frauen wird offenbar weniger wertgeschätzt, denn hier ist man wie eingangs beschrieben, wesentlich experimentierfreudiger. Die Kosten für das Ventil liegen derzeit bei 3000 Euro. Das ist eine ganz schöne Stange Geld, entspricht aber exakt den Kosten der Pille über 25 Jahre bei einem Preis von 10 Euro pro Monat. Dabei hat das Ventil keine Nebenwirkungen und soll lebenslang halten. Ginge das Produkt in Serienfertigung, würden die Kosten rasant fallen. Die Leiterin eines Prüflabors für Medizinprodukte sagt zu dem Ventil: „Für dieses Produkt müsste der Nutzen nun sehr groß und das Risiko sehr klein sein, da Verhütung ja keine lebensbedrohliche Erkrankung ist und es alternative Methoden gibt, die keine Operation erfordern.“ Alternative Methoden? Also schieben wir doch wieder alles auf die Frauen? Wollen wir es nicht wenigstens einmal anders versuchen? So mancher Mann hat schon die ungeplante Schwangerschaft der Partnerin als einen Versuch, ihm ein Kind unterzuschieben, betrachtet. Warum nicht selber die Verantwortung übernehmen statt sie abzuschieben?

 

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