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Endgültig älter – die Entdeckung einer neuen Lebensphase

Nicht mehr lange, dann bin ich exakt Mitte 40 und nicht länger Ende Anfang 40. Da kann ich mich ein paar Jahre halten und behaupten, ich sei Anfang Mitte 40, Mitte Mitte 40 und Ende Mitte 40. Als ich 25 Jahre alt war, habe ich dieses Spiel auch so lange gespielt, bis die 30er kamen, allerdings mit Buchstaben, 25a, 25b, 25c usw., bis ich selber durcheinander kam. Diesmal werden es die 50er sein, die das Spiel mit den 40ern endgültig beenden werden. Aber das dauert ja noch. Und bis dahin fällt mir auch bestimmt wieder etwas Neues ein, was ich dann sagen kann. Außerdem ist es heute ja fast chic, in diesem Alter zu sein.

Wenn sich das Älterwerden nicht mehr ignorieren lässt

Einen großen Unterschied zu meinen 25 von damals gibt es heute auf jeden Fall. Damals wurde ich zwar auch älter, aber irgendwie nur auf dem Papier. Körperliche Veränderungen habe ich nicht wahrgenommen. Das Gewicht ging ohnehin immer mal rauf und runter, Sport hinterließ zuweilen Muskelkater, Sex fand mal statt und mal nicht und die Stimmung war sowieso immer wechselhaft. Als ich vor ein paar Jahren an einer Ampel im Rückspiegel meines Wagens die grauen Haare am Scheitel entdeckte, traf mich die Erkenntnis, dass auch ich tatsächlich älter werde, wie ein Faustschlag. Ein paar Wochen Depression, dann hatte ich diese Wahrheit akzeptiert. Der Prozess ist schleichend und entzieht sich so normalerweise meiner Wahrnehmung. Heute mit Mitte 40 kommt allerdings eine wirklich umwälzende und nicht länger zu verdrängende Veränderung auf mich zu. Das Ende meiner Fruchtbarkeit naht und mein Körper wird sich in einem rasanteren Tempo verändern, als er es bisher getan hat. Wenn man mal von den Gewichtsschwankungen absieht.

Meine ganz persönlichen Wechseljahre

Nun frage ich mich natürlich, wann genau das losgeht. Bei manchen Frauen beginnt die Hormonumstellung unbemerkt schon mit Ende 30. Ich bin Mitte 40, äh Ende Anfang 40, könnte also sein. Noch scheint aber alles ganz normal zu sein. Wobei, wenn ich genau darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich keine Gewichtsschwankungen mehr habe. Zumindest nicht nach unten. Sind das die Wechseljahre? Oder ist das nur das gute Essen, das mir heute wichtiger ist als früher das Tanzen? Dass mir morgens manchmal die Gelenke schmerzen, liegt wohl auch eher am fortschreitenden Alter. Denn nur Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind tatsächlich eindeutige Anzeichen für das Klimakterium, alles andere hat oft andere Ursachen. Mehrmals pro Woche habe ich tatsächlich sturzbachähnliche Schweißausbrüche. Aber immer nur in der Sauna. Nach einer kalten Dusche fühle ich mich dann wie neugeboren. Das kann es auch nicht sein. Die Pille verhindert unregelmäßige Blutungen. Wer sie nimmt, findet hier also auch keinen eindeutigen Indikator. Hm.

Wir selber sind es, die den Wechseljahren die Bedeutung zuschreiben

Ein Drittel aller Frauen kommt beschwerdefrei durch die Wechseljahre– mit etwas Glück gehöre ich dazu -, ein Drittel hat nur leichte Beeinträchtigungen und lediglich ein letztes Drittel leidet unter ernsthaften Beschwerden – dazu gehöre ich hoffentlich nicht. Früher hat man die Wechseljahre zu einer Art Krankheit erklärt und bei dem ersten Anschein von Beschwerden sofort Hormone verschrieben. Bis eine amerikanische Studie 2002 belegte, dass dadurch das Brustkrebs- und Herzinfarktrisiko signifikant erhöht würde. Diese Ergebnisse wurden mittlerweile in einer dänischen Studie widerlegt. Bei ausgeprägten Beschwerden können sich Frauen heute Hormone für eine Dauer von bis zu zwei Jahren und mit der geringstmöglichen Dosis verschreiben lassen.

Früher wurde eine Frau auch mit Mitte 40 für alt erklärt, sie hatte Kinder zu haben, einen Ehemann glücklich zu machen, den Haushalt zu führen und Sex war etwas für die Jugend. Das ist ja heute ganz anders. Frauen mit Mitte 40 können fast alles machen, was sie wollen, sie können allein leben, sie können noch heiraten, sie können sogar noch Kinder bekommen, sie können Sex und beruflichen Erfolg haben. Sie sind heute attraktiv und interessant. Im Idealfall wissen sie genau, was sie wollen.

Juhu, endlich keine Regel mehr!

Wenn ich also vielleicht gar keine Beschwerden haben werde, warum sollte ich mir dann Gedanken machen? Sehen wir es mal positiv, das Ganze hat auch etwas Gutes. Ich bin mit den Jahren reifer geworden, ruhiger, irgendwann werde ich nicht mehr von Blutungen überrascht und brauche auch vor einer ungewollten Schwangerschaft keine Angst mehr zu haben. So manche Frau berichtet übrigens auch von unerwarteten heißen Lustattacken. Vielleicht habe ich da ja auch Glück…. Seit Sexshops salonfähig geworden sind, wissen viele Frauen und Männer die Vorzüge von Gleitmitteln auch schon vor dem Alter durchaus zu schätzen. Wenn also die Scheidenwände nicht mehr so gut durchblutet werden und die natürliche Feuchtigkeit bei Erregung nachlässt, wird der Griff zur Feuchtigkeitscreme dann schnell zur Gewohnheit. Und überhaupt, auch an den Männern geht das Alter ja nicht spurlos vorbei. Gehen wir also nicht zu hart mit uns ins Gericht!

Ein Kind mit über Mitte 40?

Einen großen Wermutstropfen gibt es dennoch. Für Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch ist der Beginn der Wechseljahre ein ernsthaftes Problem. Aber erst wenn ein Jahr lang keine Periode mehr stattgefunden hat, ist es endgültig vorbei mit der Fruchtbarkeit. Wer jetzt nicht schwanger war, wird es auch nicht mehr. Dieser Zeitpunkt ist im Schnitt mit 52 Jahren erreicht. Bis dahin ist die Möglichkeit einer Schwangerschaft theoretisch noch gegeben. Wäre da nicht die Gesellschaft, die es verurteilt, wenn eine Frau mit Mitte 40 und darüber hinaus noch Nachwuchs haben möchte. Kaum einer regt sich auf, wenn Männer mit über 50 noch Kinder zeugen, solange die Frau entsprechend jung ist. Ich bin mir aber ganz sicher, dass sich auch für Frauen diese Grenze verschieben wird. Sei es durch die medizinischen Möglichkeiten, sei es weil sich unsere Lebensspanne weiter verlängert oder weil wir noch offener mit den unterschiedlichen Lebensentwürfen umgehen.

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