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Ein Hoch auf den klitoralen Orgasmus

Danke Sigmund Freud. Danke, dass du uns Frauen – und Männern auch – auf Jahrhunderte den Floh vom vaginalen Orgasmus ins Ohr gesetzt hast. Ich hoffe, mein Sarkasmus kommt hier gerade richtig rüber. Es ist wirklich nicht zu fassen, was uns diese blöde Behauptung, nur der vaginale Orgasmus sei der wahre Orgasmus, auch heute noch für Ungemach beschert. Millionen Frauen kommen in großartigen, unbeschreiblichen und wesensverändernden Orgasmen zum Höhepunkt – mit ihren eigenen Händen, den Händen und Zungen ihrer Partner und Partnerinnen, mit Sex Toys in jeder erdenklichen Form. Aber das alles zählt nicht, weil es nur darum zu gehen scheint, beim Rein-Raus-Spiel mit dem Partner zu kommen. Und das am Besten natürlich auch noch gleichzeitig. Gottseidank erreichen mich immer wieder Fragen von Frauen, die scheinbar unter diesem Problem leiden. Denn dadurch weiß ich, dass es hier noch viel Aufklärungsbedarf gibt. DER VAGINALE ORGASMUS IST EIN MYTHOS!!! Ein Hoch auf die Klitoris!!!

Vaginal? Klitoral? Mir doch egal!

Ich hatte gerade erst neulich ein Gespräch mit einem Mann, der sich unter anderem von seiner letzten Freundin getrennt hatte, weil sie im für ihn entscheidenden Moment nicht kommen konnte. Er empfand es als anstrengend, sie zusätzlich befriedigen zu müssen bzw. ihr dabei zuzuschauen, wie sie es sich selber machte. Und warum empfand er das als anstrengend? Weil er dachte, mit ihr stimme etwas nicht. Und er dachte außerdem, er könne es ihr nicht richtig besorgen. Solche Gedanken führen natürlich zu Frustrationen. Und übrigens letztendlich sogar zu sexuellen Funktionsstörungen. Wir sind eben mehr als die Summe unserer Genitalien. Aber diese Frau konnte ja kommen! Herzlichen Glückwunsch! Denn auch das ist nicht allen Frauen vergönnt. In Fall dieses Mannes halfen tatsächlich klare Worte, um das Bild der „verrückten“ Sexualität gerade zu rücken. Denn mit beiden war schließlich alles in bester Ordnung. Es ist nur schade, dass sie den Sex miteinander nicht genießen konnten, weil sie sich von Freud unter Druck setzen ließen. Danke Freud.

Ja, es gibt auch Frauen, die durch das pure Rein-Raus zum Orgasmus kommen. Das sind im besten Fall ca. ein Drittel aller Frauen, im schlechtesten Fall 4%. Aller Frauen. 4%. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Zumindest sagt das die Wiener Ärztin und Sexualtherapeutin Dr. Elia Bragagna. Ich neige dazu, die Zahlen nicht für übertrieben zu halten. Manche Männer behaupten ja, ihre Frauen kämen alle immer zum Orgasmus. Ja, wirklich? Bist du sicher? Um dem Druck zu entgehen und dem Mann das Gefühl zu geben, ein guter Liebhaber zu sein, täuschen laut einer Studie der Berliner Charité 90% der Frauen ihrem Partner auch schon einmal einen Orgasmus vor. Dabei ist jede zweite Frau auch ohne einen Orgasmus sexuell zufrieden. Aber müssen wir uns damit zufrieden geben? Nein! Wir können ja kommen! Wir können es!!! Aber eben nicht alle auf diese Weise.

Hotspot Klitoris

Letztendlich ist es die Klitoris, die für alle unsere Orgasmen verantwortlich ist. Und deswegen sollten wir ihr all unsere Aufmerksamkeit schenken. Dabei ist sie nicht immer leicht zu finden, zuweilen muss der oder die Suchende dafür schon eine Brille aufsetzen. Ganz klein, manchmal auch etwas größer, versteckt sich die hochempfindliche Klitoriseichel, die Glans, am oberen Ende der inneren Schamlippen. Erregung erschwert die Suche zusätzlich, da sie sich dann hinter ihre klitzekleine Vorhaut zurückzieht. Und wer nicht so genau gucken kann, sollte sie sich einfach zeigen lassen. Denn es lohnt sich. Die Glans ist der absolute Hotspot der weiblichen Lust, immerhin laufen hier bis zu 8000 Nervenenden zusammen. Die direkte Berührung ist nicht immer angenehm, deswegen empfiehlt sich die kreisende Bewegung um das Areal darum herum. Empfindliche Peniseichel-Träger kennen das aus eigener Erfahrung. Auch deren Glans ist äußerst empfindlich. Apropos darum herum. Die Eichel ist ja nur der sichtbare Teil der Klitoris und beileibe nicht der einzige Hotspot hier unten. Ähnlich einem Eisberg versteckt sich der weitaus größere Teil der Klitoris – nämlich die beiden Klitorisschenkel und die dazugehörigen Schwellkörper – unter den äußeren Schamlippen und ziehen sich bis in das Körperinnere hinein. Auch der hochempfindsame Scheideneingang wird umschlossen. Das alles kann wunderbar zur Steigerung der Erregung einbezogen werden!

Kuscheln mit der Klitoris

Wer nun Glück hat, gehört zu den wenigen Auserwählten und kommt allein durch die Reibung des Penis an diesen nicht sichtbaren Teilen der Klitoris zum Orgasmus. Bei manchen Frauen liegt die Glans auch näher am Scheideneingang und wird durch die Bewegungen mitstimuliert. In der Reiterstellung können alle anderen ihr Becken übrigens so kippen, dass die Eichel am Becken des Partners reibt. Wer kein Glück hat, hat trotzdem Glück und gehört zu den anderen Auserwählten. Denn dann gibt es eine extra Portion Aufmerksamkeit für die kleine Lustperle. In der Löffelchenstellung ein Bein nach hinten um die Beine des Partners gelegt und schon ist der Weg frei. Sie oder er? Da sollte sich keiner streiten, man kann sich ja abwechseln. Und wozu gibt es Sex Toys? Kleine Fingervibratoren stören nicht und massieren die Klitoris noch einmal zusätzlich. Ach, ist das schön. So, bitte weitersagen, damit Sigmund Freud zumindest in dieser Hinsicht endlich aus unseren Köpfen verschwindet!

 

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Der weibliche Orgasmus auf Knopfdruck – Das Patentrezept

Ha, ich habe es gewusst, bei dieser Überschrift werden alle neugierig, die Klicks steigen rasant in die Höhe, gleich bricht die Website zusammen! Ein Orgasmus auf Knopfdruck, damit wären auf einen Schlag alle Probleme mit der weiblichen Lust gelöst. Ein Schlaraffenland des sexuellen Genusses, ohne langes Reden, ohne langes Herausfinden, was frau anmacht. Ach, wäre das schön, wenn das ginge. Ein Patentrezept für den weiblichen Orgasmus. Damit würde ich reich und berühmt. Wie außerordentlich schade, dass es das nicht gibt. Nicht einmal etwas Ähnliches.

Bei Männern scheint das ja so einfach zu sein. Hand anlegen, ein paar stoßende Bewegungen in der Liebsten, fertig. Aber auch Männer sind störanfälliger, als man das gemeinhin glauben möchte. Probleme mit der Erektion, Probleme mit der Ejakulation. Und als I-Tüpfelchen dann noch die Suche nach dem Knopfdruck bei der Freundin. Dabei wissen ja viele Frauen selber nicht einmal genau, was passieren muss, damit sie den Höhepunkt der Lust erklimmen.

Für jede Frau einzigartig

Jede Frau ist so unglaublich besonders. Da gibt es zum Beispiel Frauen, die einen Orgasmus allein durch das Zusammenpressen der Beine und gleichzeitiges Anspannen der Beckenbodenmuskulatur bekommen. Das hört sich im ersten Moment super an – ist gewollt auch sicherlich beneidenswert – kann beim Sport allerdings schon mal etwas unpassend sein. Man stelle sich das nur einmal beim Bankdrücken zwischen all den Schwergewichten oder in der Stille eines Yoga-Kurses vor. Ich persönlich würde beim Aerial Yoga im Handstand von der Decke herabhängend nur sehr ungern in ungewollte Zuckungen verfallen, mal ganz abgesehen von der nicht Yoga-konformen Atmung. Es lohnt sich allerdings allemal, die Beckenbodenmuskulatur zu trainieren. Denn je stärker diese ist, desto intensiver können Orgasmen sein, da sich genau diese Muskeln in kurzen Abständen an-und entspannen und damit zu dem allseits bekannten intensiven Gefühl führen. Das gilt übrigens auch für Männer.

Manche Frauen kommen mehrmals hintereinander. Oder ein einziges Mal mit einem großen Knall. Manchmal ist es auch nur der Hauch eines Zitterns im Unterleib. Manchmal kommt der Orgasmus in Sekundenschnelle und dann wieder gar nicht. Manche Frauen können bei der Penetration kommen, andere stimulieren ihre Klitoris währenddessen oder lassen sich von ihrem Partner verwöhnen. Oralverkehr bringt die eine um den Verstand, die andere hingegen kann dem vielleicht gar nichts abgewinnen. Der eine Orgasmus scheint durch die Klitoris zu kommen, der andere tief durch den Unterleib. Der eine Orgasmus bleibt im Becken, der andere zieht sich bis hoch ins Gehirn. Erschwerend kommt dann auch noch hinzu, dass es vielleicht bei dem einen Partner geklappt hat, aber bei dem nächsten sich gar nichts tut.

Auch wissenschaftlich ist ihm nicht beizukommen. Die Sexologen Masters und Johnson haben in den 70ern Messungen vorgenommen, um herauszufinden, was sich wann und wo genau abspielt. Es ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Gefühlen und körperlichen Reaktionen. So ein Orgasmus spielt sich ja nicht nur in den Genitalien ab sondern auch im Kopf. Das kennen die Frauen, die nachts heiße Träume und ohne Anfassen Orgasmen von ungeheurer Intensität haben.

Lerne dich selbst kennen

Am Ende hilft es auch nicht weiter, genau zu wissen, ob ein Orgasmus nun in der Klitoris, der Vagina oder im Kopf stattfindet und welche Hormone dabei eine Rolle spielen. Wichtig ist nur zu wissen, wie man ihn erreichen kann. Viele Frauen finden durch Selbstbefriedigung heraus, welche Berührungen und Positionen am besten sind. Andere überlassen es dem Partner, dies herauszufinden. Und da fängt das Problem an. Wenn ich selber nicht weiß, wie ich zum Orgasmus komme, wie soll es dann mein Partner wissen? Auch erfahrene Männer haben in dem Fall eine große Aufgabe vor sich. Da würde nicht einmal Gedankenlesen helfen. Es muss eine deutlichere Sprache her.

Sexuell aufgeschlossene Frauen können ihrem Partner ganz einfach zeigen, wie sie es am Liebsten haben, indem sie vor ihm masturbieren. Nicht nur, dass ein Mann dabei lernt, es macht ihn auch verrückt, ihr dabei zuzusehen. Wer sich das nicht traut, sollte zumindest durch Handzeichen und Geräusche deutlich machen, wo und welche Berührungen gut sind. Und was gar nicht geht, ist Druck. Weder für ihn noch für sie. Druck nimmt den Spaß und die Leichtigkeit, lässt uns auf den anderen achten und nicht mehr auf uns selbst. Mein Lieblingsspruch in Sachen Sex ist „Der Weg ist das Ziel.“ Und sollte dieser Weg im Orgasmus enden, umso besser. Wenn nicht, kann man den Weg endlos ausdehnen und auch dabei viel Spaß haben.

 

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