Schlagwort-Archive: Vorzeitiger Samenerguss

Die Stopp-Start-Technik – Übung macht den Meister

Neulich traf ich gänzlich unerwartet meinen ersten Liebhaber wieder, nach vielen Jahren, eigentlich schon Jahrzehnten, mitten auf der Straße. Er war damals ein Liebhaber im klassischen Sinne. Da ging es nicht um die große Liebe oder Familiengründung. Da ging es einzig um Sex und Leidenschaft. Und wenn man so etwas eingeht, muss der Sex schon gut sein, sonst macht es ja keinen Sinn. Nun sollte aber jeder Mann ein guter Liebhaber sein. Und jede Frau natürlich eine gute Liebhaberin. So wie viele Wege nach Rom führen, führen auch viele Wege zu gutem Sex. Einer davon ist es, den männlichen Orgasmus so lange hinauszuzögern, bis die Frau auch kommt oder gekommen ist (gern natürlich auch mit tatkräftiger Unterstützung bei der Klitorisstimulation). Und darin war mein Liebhaber allerbeste Sahne. Dass er aber so lange konnte, hatte er sich antrainiert. Und zwar mit der Stopp-Start-Technik, wie er mir jetzt verriet. Und diese Technik möchte ich euch hier vorstellen.

Willst oder kannst du nicht warten?

Die Erregungskurven von Frauen und Männern sind sehr unterschiedlich. Während ein Mann schon kurz vor dem Höhepunkt steht, ist die Frau vielleicht gerade erst am Anfang ihrer Erregungsphase. Das passiert gern dann, wenn das Vorspiel eher kurz ist und der Geschlechtsverkehr im Mittelpunkt steht. Kommt der Mann bereits jetzt, hat die Frau ganz klar das Nachsehen. Entweder er hat noch Lust, nimmt einen Vibrator, lässt seine manuellen oder oralen Künste spielen oder sie nimmt ihren Orgasmus selber in die Hand. Das ist allerdings nicht unbedingt die Regel. Viele Frauen geben sich damit auch zufrieden, weil sie sich entweder nicht trauen, etwas zu sagen oder weil ihnen diese Form der Nähe bereits ausreicht. Der Orgasmus ist ja nicht das Maß aller Dinge.

Nun gibt es Männer, die zu früh kommen, weil sie ihren Orgasmus nicht hinauszögern wollen. In dem Fall sollte man wohl an der inneren Einstellung arbeiten und darüber aufklären, was es mit den Erregungskurven und dem weiblichen Orgasmus so auf sich hat. Und vor allem auch darüber sprechen, warum Frauen dabei die Lust auf Sex ganz vergeht. Aber es gibt auch Männer, die ihren Höhepunkt nicht hinauszögern können, obwohl sie es gern würden. Und es gibt die, die länger können, aber gern noch dazulernen. In den letzteren beiden Fällen ist die Stopp-Start-Technik bestens geeignet. Denn hier geht es darum, sich selber und die eigene Erregung zu spüren und damit zu spielen.

Der berühmte „Point of no Return“

Das kennen vor allem Männer: Es gibt diesen einen Moment, an dem sie ihren Orgasmus nicht mehr stoppen können. Das ist der „Point of no Return“, kurz PNR. Und hier setzen wir an. Die ersten Schritte sollten allein durchgeführt werden, um Unsicherheiten und Leistungsdruck zu vermeiden. Ihr masturbiert also und kurz vor dem PNR wird gestoppt. Keine Bewegung mehr. Wenn es schiefgeht und der Orgasmus euch doch überrollt – na gut, es gibt Schlimmeres. Dann fangt ihr eben bei nächster Gelegenheit von vorn an. Bei Frauen ist es leider eher so wie mit einem verlorengegangenen Nieser. Wenn wir kurz vor dem Orgasmus gestoppt werden, ist er weg. Haaa….. weg. Und das war es dann. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber dennoch ist die Technik wirklich eher für Männer geeignet.

So, wer es geschafft hat, vor dem Orgasmus zu stoppen, atmet tief durch und beginnt von vorn, sobald die Erregung sich etwas gelegt hat. Zwei bis drei Unterbrechungen in 15 Minuten werden empfohlen, bevor es dann zum Orgasmus kommen darf. Das hört sich nicht nach viel an. Wenn man sich jedoch überlegt, dass der durchschnittliche Geschlechtsverkehr sechs Minuten dauert, kann man das schon anders sehen. Wer sich einigermaßen sicher fühlt und seinen PNO unter Kontrolle hat, geht nun einen Schritt weiter. Beim Sex mit der Partnerin wird ebenfalls gestoppt, sobald ein Orgasmus naht. Keine weiteren Bewegungen, bis Ihr euch wieder etwas entspannt habt. Wenn ihr ein Problem mit der vorzeitigen Ejakulation habt, solltet ihr sie einweihen, damit sie weiß, dass auch sie in diesen Momenten mit jeglicher Stimulation warten muss. Anschließend kann es weitergehen. Auch ein Stellungswechsel kann einen solchen Moment der Entspannung hervorrufen.

Die Erfolgschancen stehen gut

Die gute Nachricht: Dieses Üben macht Spaß! Und mehrmaliges Üben pro Woche fördert die Erfolgschancen. Das gibt jede Menge Orgasmen für einen guten Zweck. Und natürlich gibt es auch jede Menge Möglichkeiten, die Übungen zu verfeinern. Zusätzliches Gleitmittel, Masturbation durch die Partnerin, Oralverkehr mit Stopp-Start!? Auch ist es eine Möglichkeit, den Penis am Anfang ganz langsam einzuführen – vielleicht auch nur die Eichel – und erst einmal stillzuhalten und zu entspannen. Wenn es um den vorzeitigen Samenerguss geht, sollte ein Paar mit dem Geschlechtsverkehr allerdings solange warten, bis sich beide sicher fühlen. Auch das nimmt den Erfolgsdruck. Und genau der kann auch eine Ursache des Problems sein. Eine kleine Einschränkung gibt es: Männern, die unter der lebenslangen vorzeitigen Ejakulation leiden, hilft die Technik nicht. Hier ist in aller Regel die Einnahme von Medikamenten angesagt. Das ist also mein Vorschlag an jeden guten Liebhaber: Lasst euch Zeit und lasst eurer Liebsten den Vortritt. Schon das Wissen um euer Können und eure Zurücknahme kann wunderbar entspannen.

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/die-stopp-start-technik-gegen-vorzeitigen-samenerguss/

Wenn Männer zu früh kommen

Der vorzeitiger Samenerguss (kurz EP für Ejaculatio praecox) ist eine vielschichtige Angelegenheit und man kann gar nicht oft genug darüber schreiben. Und sprechen. Immerhin haben wir hier die häufigste Sexualstörung des Mannes vor uns. 20 – 25% aller Männer leiden weltweit unabhängig vom Alter irgendwann in ihrem Leben unter diesem garstigen Phänomen. Die klassischen Behandlungsmethoden werden zunehmend in Frage gestellt und die Forschung setzt sich intensiv mit Lösungsmöglichkeiten auseinander. Wo aber die Ursachen nicht eindeutig sind, ist es schwierig, die richtige Therapie zu finden. Allgemein wird heute davon ausgegangen, dass man nicht weiß, woher der vorzeitige Samenerguss nun genau kommt. Zu viele verschiedene Faktoren spielen eine Rolle. Genetik, Nerven und Neurotransmitter treffen auf Psyche und Partnerschaft. Bei jedem einzelnen Mann ist die Kombination anders gewichtet. Deswegen ist es auch so gut wie unmöglich, ein Allheilmittel zu finden.

Von der Unberechenbarkeit der Ejakulation

Es ist vor allem der subjektiv empfundene Leidensdruck, der den Mann umtreibt. Es gab eine Studie, in der die Italiener komplett fehlten. Heißt das, dass es in Italien keinen vorzeitigen Samenerguss gibt? Nein! Das Ergebnis lag schlichtweg daran, dass die italienischen Männer in dieser Studie kein Problem mit dem zu frühen Kommen hatten. Ein Problem ist eben immer erst ein Problem, wenn wir es dazu machen. Dass jemand, der vor, während oder sofort nach dem Eindringen des Penis in den weiblichen oder männlichen Körper einen Samenerguss hat (das ist die gängiste und einfachste Definition), unglücklich über diese Situation ist, versteht sich normalerweise fast von selbst.

So ein vorzeitiger Samenerguss kann einem Mann schon das Leben schwer machen. Dem einen dauerhaft von Anbeginn der sexuellen Karriere an. In dem Fall spricht man von einer „lebenslangen EP“. Bei anderen läuft alles wie geschmiert und auf einmal geht es los, plötzlich oder schleichend. In einer bestimmten Situation, mit einer anderen Partnerin – das nennt man dann die „erworbene EP“. Wer unter einer EP leidet, hat eine stark ansteigende Erregungskurve, die direkt in den Orgasmus mündet. Das macht beiden Partnern keinen Spaß und so meiden viele der Betroffenen intime Körperkontakte, um nicht in diese als furchtbar peinlich empfundene Situation zu geraten. Und was machen Männer, wenn sie ein Problem haben? Sie machen das mit sich aus, greifen zur Selbstmedikation. 41,2 % der Männer einer weiteren Studie griffen zu Alkohol, 15,6% zu anderen Drogen. Und irgendwann, wenn es gar nicht mehr geht, suchen sie sich Hilfe. Und dann kann es endlich losgehen.

Die klassischen Behandlungsansätze

Der erste Ansprechpartner bei Penisproblemen ist zumeist der Urologe. Der wiederum spricht sexuelle Probleme eher ungern von sich aus an und macht es dem Patienten damit oft nicht leicht. Als Mediziner neigen Urologen dazu, den vorzeitigen Samenerguss rein organisch zu betrachten und auch so zu behandeln. Und was gibt es da nicht alles. Cremes, die zur Desensibilisierung vor dem Geschlechtsverkehr auf die Eichel aufgetragen werden sollen. Das kann auch durchaus zu einer Verzögerung der Ejakulation führen, hat aber leider auch zur Folge, dass die Creme Kontakt mit der Vagina bekommt und dort ebenfalls zur Desensibilisierung führt. Er kann nun mit Glück etwas länger, sie gar nicht mehr. Innen beschichtete Kondome wären hier eine gute Lösung, wenn Kondome denn so beliebt wären wie sie notwendig sind. Chirurgische Maßnahmen wie die Vergrößerung der Eichel durch das Einspritzen eines Hyaluronsäure-Gels oder die Durchtrennung von Nerven verleiten auch nicht gerade zu Bocksprüngen. Genauso wenig wie die mittlerweile veraltete Squeeze-Technik. Da wird die Eichel kurz vor dem Erguss schmerzhaft zusammengequetscht. Die Gefahr dabei ist, dass beim Mann aufgrund der Angst vor Schmerzen ein Vermeidungsverhalten einsetzt. Also bitte streicht das aus euren Köpfen!!! Weg mit der Squeeze-Methode! Her mit dem Beckenbodentraining!

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Wenn wir das Problem wie bisher rein auf der Penis-Ebene betrachten, kommen wir nicht weiter. Wie oben angesprochen, treffen verschiedene Faktoren aufeinander: Körper und Psyche sind untrennbar miteinander verbunden. Bei der lebenslangen EP kommen heute vor allem selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Antidepressiva oder das Schmerzmittel Tramadol zum Einsatz. Diese sorgen direkt im Gehirn dafür, dass die Ejakulation um das Vielfache hinausgezögert wird. Seitdem ist die bisher favorisierte Verhaltenstherapie in diesen Fällen kaum noch en vogue. Bei der erworbenen EP hingegen kann sie durchaus zum Einsatz kommen. Die Stop-Start-Methode gehört dabei zu den wenigen tatsächlich hilfreichen Übungen. Dies allerdings auch nur, wenn die Partnerin dabei mitmacht.

Und damit kommen wir zum wichtigsten Punkt: Sexuelle Funktionsstörungen sind immer auch partnerschaftliche Probleme. Es gibt nicht nur einen Symptomträger, sondern zwei Beteiligte. So auch im Fall des vorzeitigen Samenergusses. Studien haben nachgewiesen, dass 77,7% der Frauen, die einen Partner mit einem vorzeitigen Samenerguss haben, selber eine Sexualfunktionsstörung aufweisen. Erstaunlich, oder? Es hilft also nichts, das Paar als Ganzes muss ran. Kommunikationsdefizite, Unzufriedenheit, mangelnde Sensibilität – eine EP trifft besonders häufig im Zusammenhang mit Partnerschaftskonflikten auf. Eine Tablette zu nehmen, hieße dann nur, das Symptom zu unterdrücken, so wie bei einer Schmerztablette gegen Zahnschmerzen, ohne den anschließenden Besuch beim Zahnarzt. Die Ursache an sich bleibt bestehen, wenn das Paar nicht an sich arbeitet. Mittlerweile gibt es Mediziner mit einer sexualmedizinischen Zusatzqualifikation sowie ausgebildete Sexualtherapeuten und –berater, die das Paar auf ihrem Weg begleiten.

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/wenn-maenner-zu-frueh-kommen/

 

 

Muskeltraining für mehr Lust – Männer, macht Euren Beckenboden stark!

Männer lieben Maschinen. Motorräder und schnelle Autos lassen ihr Testosteron in die Höhe schnellen. Sie gieren nach PS-starken Rasenmähern, auf denen sie mit einem Bier in der Hand dem Rasen den Garaus machen. Sie lieben Bohrmaschinen, die schwer in der Hand liegen und durch Beton gehen. Jeder Baumarkt ist ein Schlaraffenland. Männer sind Maschinen. Männer bauen Muskeln auf, indem sie mit präzisen Bewegungen Gewichte über komplizierte Seilsysteme bewegen. 3 x 15 Wiederholungen und ab zur nächsten Maschine. Der Schweiß perlt, und hören wir das Stöhnen, wissen wir, dass das wirklich eine Tortur ist. Aber sie sind hart, unsere Männer. Da wird nicht gelacht, sondern trainiert. Und was dabei für mächtige Muskeln entstehen! Ob wir Frauen das jetzt toll finden, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls ist das nicht so wie bei uns Frauen, wenn wir uns mit der Yoga-Matte unter dem Arm schwatzend und lachend in den Kursraum bewegen. Wer schon einmal beim Yoga oder Pilates war, der weiß, dass dabei auch eine kräftige Muskulatur aufgebaut wird. Bei mir jetzt gerade nicht, aber das liegt vielleicht an meiner Wankelmütigkeit und der starken Anziehungskraft, die die Sauna auf mich ausübt. „Komm her, bei mir ist es heiß und hier kommst du auch ins Schwitzen….“ Aber ich schweife ab.

Wozu einen Muskel trainieren, den man nicht einmal sehen kann?

Wir treffen kaum Männer in diesen Kursen, Frauen sind eindeutig in der Überzahl. Schade eigentlich, denn wir trainieren dabei auch ganz locker unseren Beckenboden. Und der ist wichtig, denn genau diese Muskeln ziehen sich bei einem Orgasmus rhythmisch zusammen und bescheren uns intensivste Gefühle. Aber locker ist nichts für Männer. Männer trainieren ihren Bizeps, ihren Trizeps, das Waschbrett, den Arsch, die Beine mit Geräten und Gewichten. Aber den einen wirklich richtig wichtigen Muskel übersehen sie dabei. Weil es bislang kaum Geräte dafür gibt. Weil sie ihn nicht sehen und weil sie nicht wissen, wie wichtig er ist! Gottseidank wird er unbewusst mittrainiert. Aber es gibt ja auch haufenweise Männer, die sich körperlicher Ertüchtigung lieber entziehen. Die Rede ist vom sogenannten PC-Muskel. PC ist die leicht irreführende Abkürzung für Musculus pubococcygeus, Beckenbodenmuskel. Den kann man also nicht durch Computerspiele trainieren, falls jemand auf diese schöne Idee kommen sollte.

Dieser äußerst wichtige Muskel zieht sich vom Schambein bis zum Steißbein und stützt die inneren Organe, bei Männern wie auch bei Frauen. Er ist dafür verantwortlich, dass wir Harn und Stuhlgang halten können. Damit aber nicht genug, dieser Muskel ist maßgeblich beteiligt bei der Stimulation der Prostata. Gut trainiert hilft er bei vorzeitigem Samenerguss und führt insgesamt zu mehr Stehvermögen. Ah, damit kommen wir endlich zu dem interessantesten Aspekt des PC-Muskels! Gut trainierte Beckenbodenmuskeln steigern das sexuelle Empfinden! Allein oder zu zweit. Oder zu dritt. Oder so. Da lohnt es sich doch, etwas Mühe zu investieren.

Und so geht’s

Mit Maschinen lockt man Männer und so hat Kieser-Training ein spezielles Gerät zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur entwickelt. Den meisten Männern ist der PC-Muskel gar nicht bewusst. Beweggrund von Herrn Kieser war es daher vor allem, den PC-Muskel überhaupt zu erspüren und dann natürlich auch, einen Trainingserfolg messen zu können. Denn auch das ist für Männer wichtig. Sie wollen sehen, dass ihr Training Fortschritte macht. Es geht aber auch ohne Hilfsmittel.

Die folgenden Übungen wurden ursprünglich von dem Urologen Arnold Kegel entwickelt, der in der 1940ern in Amerika Frauen mit Inkontinenz helfen wollte. Deswegen spricht man oft heute noch von Kegel-Übungen. Wieder so ein irreführender Begriff, bei dem ich zwangsläufig immer an den Kegelclub meiner Mutter denken muss. Das Tolle an diesen Übungen ist, dass man sie überall machen kann, im Auto, auf dem Sofa, am Schreibtisch, in der Oper.

  1. Der erste Schritt auf dem Weg zur sexuellen Erfüllung ist es, den Muskel überhaupt erst zu erspüren. Ab auf die Toilette und los geht’s. Pinkeln. Ja, wirklich! Und jetzt den Strahl unterbrechen. Da ist er! Gefunden! Dein PC-Muskel! Das gleiche gilt für die Muskeln am Darmausgang. Hier reicht meist auch schon die Vorstellungskraft. Einfach mal zusammenziehen. Beides hört sich ganz einfach an, aber das ist es tatsächlich nicht für jeden Mann.
  2. Wer dann Herr über seinen Urinstrahl und seine Darmschließmuskeln ist, geht einen Schritt weiter. Die Frequenz des Zusammenziehens wird schrittweise erhöht bis hin zu 40 Wiederholungen. Fortgeschrittene schaffen es, die Anspannung für ein paar Sekunden zu halten und die Anspannung dann langsam zu lockern bis zur kompletten Entspannung. Auch diese Übung sollte bis zu 20-mal wiederholt werden.
  3. Jetzt geht es anders herum weiter: nicht Anhalten sondern leichtes Pressen wie beim Stuhlgang bzw. beim Pinkeln. Stell Dir einfach vor, Du sitzt auf der Toilette. Ziel ist es, den Beckenboden bewusst zu „öffnen“ und wieder zu „schließen“. Das Anhalten und Pressen kann miteinander kombiniert werden. Beide Bewegungsabläufe sollten bewusst wahrgenommen werden. Auch hier ist eine langsame Steigerung bis zu etwa 40 bis 50 Kontraktionen zu empfehlen.

Wem das nicht spektakulär genug ist, der kann hier nach einem Trainingsprogramm arbeiten: http://www.beckenbodentraining-männer.com

Das Beste zum Schluss

Kommen wir jetzt zum Punkt. Was genau soll denn nun beim Sex gemacht werden? Also, wir sind mitten im Liebesspiel, kurz vor seinem Höhepunkt. Als Point of no Return wird der Moment bezeichnet, zu dem die Ejakulation nicht mehr zu verhindern ist. Und genau jetzt kommen die gut trainierten Beckenbodenmuskel zum Einsatz. Der Beckenboden wird bewusst angespannt und wieder entspannt. Dadurch wird der Erregungsfluss unterbrochen und die Ejakulation hinausgezögert. Es bleibt Zeit, noch etwas für den Orgasmus der Liebsten zu tun. Und für Männer, die unter einem vorzeitigem Samenerguss leiden, ist das Beckenbodentraining eine gute Vorbereitung für die Start-Stop-Technik.

Es braucht also nicht immer Maschinen aus Stahl und Eisen oder gar viel Aufwand, um sich etwas Gutes zu tun. Auf geht’s!

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/muskeltraining-fuer-mehr-lust-maenner-macht-euren-beckenboden-stark/

Wann ist zu früh zu früh? Der BMI und die vorzeitige Ejakulation

Ok, jetzt ist es amtlich. Dicke Männer sind besser im Bett. Zumindest werden die Ergebnisse der Studie der türkischen Erciyes University von den Medien gern in diese Richtung interpretiert. Denn in der Studie mit Männern zwischen 21 und 54 Jahren stellte sich heraus, dass diejenigen mit einem höheren Body Mass Index, also einem höheren Körpergewicht, weniger häufig unter einem lebenslangen vorzeitigen Samenerguss leiden als normalgewichtige Männer. Als Ursache hierfür wird ein erhöhter Anteil an weiblichen Sexualhormonen verantwortlich gemacht. Je schlanker ein Mann, desto größer also die Wahrscheinlichkeit, dass er an einer dauerhaften Sexualstörung leidet. So zumindest die Zahlen.

Man muss sich hier natürlich erst einmal die Frage stellen, was „gut im Bett sein“ eigentlich bedeutet. Und das ist gar nicht so einfach, denn das sieht ja jeder anders. Während viele Männer eher fixiert auf den Geschlechtsverkehr und seine Dauer sind und sich damit schon selber unter Druck setzen, gewinnen Frauen auch Hand- und Zungengeschicklichkeit sehr viel ab. Und mal ganz abgesehen von der Technik spielen ja nun auch Gefühle eine wesentliche Rolle beim Liebesspiel.

Die Schwierigkeit der Definition

Was genau ist eigentlich ein lebenslanger vorzeitiger Samenerguss? Schon die Frage, was man überhaupt unter einem vorzeitigen Samenerguss (Ejaculatio Praecox, EP) versteht, lässt sich tatsächlich nur schwer beantworten, da hierbei das subjektive Empfinden und kulturelle Gegebenheiten eine wesentliche Rolle spielen. Insgesamt gibt es derzeit neun verschiedene Definitionen, angefangen bei „früher als die Person es wünscht“ – was auch schon mal eine halbe Stunde sein könnte, falls die zeitliche Messlatte durch Pornokonsum oder kulturelle Gegebenheiten sehr hoch liegt – bis hin zu 15 Sekunden nach Eindringen in die Vagina (homosexuelle Kontakte sind übrigens in keiner der Definitionen enthalten). Aber wer kann das schon so genau messen? Das ist eine weitere große Schwierigkeit bei der Diagnose, denn das Zeitgefühl beim Geschlechtsverkehr ist ohnehin verändert und wird zudem auch noch von beiden Partnern unterschiedlich wahrgenommen.

Was bleibt, ist zweierlei: Wenn die Ejakulation schon vor dem Eindringen in die Vagina eintritt, währenddessen oder sofort danach, spricht man sicher von einem vorzeitigen Samenerguss. Hinzu kommen der daraus resultierende Leidensdruck und Beziehungsprobleme. Über die Hälfte der Männer hat das Gefühl, die Partnerin im Stich zu lassen. Frustration, Wut, Enttäuschung, Schuld, Angst, Verleugnung bilden einen Kreislauf, aus dem ein Paar nur schwer allein herauskommt. Andersherum sind Probleme in der Partnerschaft sehr oft auch der Auslöser für die sogenannte „erworbene“ Ejaculatio Praecox und sie kann schleichend oder plötzlich auftreten. Und auch wieder verschwinden.

Von „lebenslang“ spricht man erst, wenn das Problem schon von der ersten sexuellen Erfahrung an besteht, dauerhaft bei jedem sexuellen Kontakt stattfindet und partnerunabhängig ist. Es wird heute allgemein davon ausgegangen, dass in diesem Fall neurophysiologische Abläufe die Ursache sind. Da selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer die Ejakulation verzögern, bilden diese Medikamente die Basis für die Behandlung dieser Form der EP. Neu ist jetzt der Zusammenhang mit dem Körpergewicht. Vielleicht lassen sich auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse neue Therapieformen entwickeln.

Interessant ist übrigens, dass es die „Krankheit“ Ejaculatio Praecox erst seit den 1960ern gibt. Das ist der Zeitpunkt, zu dem der weibliche Orgasmus in den Fokus der Öffentlichkeit geriet und es zunehmend wichtig für den Mann wurde, länger zu können und die Frau zu befriedigen. Spannend zu überlegen, ob es auch eine „rechtzeitige“ Ejakulation gibt. Und wäre die dann vor, während oder nach dem Orgasmus der Frau???

Nicht jeder vorzeitige Samenerguss ist gleich eine dauerhafte Sexualstörung

In einer ebenfalls in der Türkei durchgeführten Studie berichtete jeder fünfte Befragte von einem vorzeitigen Samenerguss. Das scheint eine sehr hohe Zahl zu sein. Hierbei muss aber hinterfragt werden, wann genau ein Mann ein Problem für sich definiert. Denn wie wir oben gesehen haben, ist das sehr subjektiv. Eine unkontrollierbare Ejakulation kann im Sexualleben eines Mannes schon mal vorkommen. Das gehört zur natürlichen Variabilität und kann z.B. durch Stress oder Unsicherheit ausgelöst werden. In einer Welt, in der wir die dauernde Kontrolle anstreben, kann es schnell Angst machen, wenn der Körper nicht so will, wie man sich das vorstellt.

Oft spielen auch überzogene Leistungsvorstellungen eine große Rolle. Obwohl ein Geschlechtsverkehr in Deutschland durchschnittlich sechs Minuten dauert, denken viele Männer, sie müssten viel länger können und setzen sich unter Druck. Und unter Druck funktioniert schon mal gar nichts. Das ist bei uns Frauen ja nicht anders, nur sieht man es hier nicht so. Auch das Ziel, gleichzeitig mit der Partnerin zum Orgasmus zu kommen, schürt den Druck. Hier hilft oft schon ein Gespräch in einer Sexualberatung, um verzerrte Vorstellungen richtig zu rücken. Leider ist das ja genau das, was Männer nicht gern machen – über Probleme reden.

Also, Männer, nehmt euch ein Herz und sprecht mit eurer Liebsten oder mit mir über eure Wünsche und Vorstellungen! Vielleicht seid ihr gar nicht so weit voneinander entfernt, wie ihr glaubt. Denn ganz ehrlich, länger zu können, heißt nicht, besser im Bett zu sein!

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/bmi-und-vorzeitige-ejakulation-zu-frueh-ein-leben-lang/

Die Suche nach der Weltformel

Fremdgehen oder nicht? Was ist normal? Das war die Frage, um die es in dem Interview mit dem Titel „Erotischer Analphabetismus“ in der letzten Ausgabe der Welt am Sonntag ging. Meine erste Assoziation war „Ja, schicken wir die Deutschen doch mal alle in Liebesschulen“. Schaden würde das sicher nicht, aber darum ging es gar nicht. Ein Philosophieprofessor und eine Autorin – beide Verfechter offener Beziehungen – diskutieren darüber, ob man für den Erhalt langjähriger Partnerschaften fremdgehen sollte und vor allem, ob man dies dem Partner mitteilen solle oder lieber nicht.

Die Maus als Vorbild menschlichen Sexualverhaltens

Nun lehne ich ja per se schon mal alles ab, von dem andere sagen, man müsse das doch so oder so machen. Und so dauerte es keine zehn Zeilen, bis sich mein Widerstand rege regte. “Die Präriewühlmaus lebt monogam. Menschen nicht“, so die Aussage des Professors. Die Präriewühlmaus? Was hat bitteschön eine Maus mit meinem Liebesleben zu tun? In seinem Buch „Mach mir die Wüstenwühlmaus“ (noch eine Maus, ich komme langsam durcheinander) nimmt Andrew G. Marshall die lebenslange Monogamie dieser Mausart als Aufhänger für seine These, dass guter Sex die Liebe erhält. Dagegen spricht für mich erst einmal nichts, abgesehen von der Frage, woher der Autor weiß, dass diese Mäuse ein rundum befriedigendes Sexualleben haben und wie sich dieses dann auf menschliche Paare übertragen lässt. Wiesenwühlmäuse (noch eine weitere Maussorte) hingegen seien hedonistische Sexmonster, die von einem Partner zum nächsten springen.

Welcher tierische Maßstab ist denn nun der Richtige?

Wundert sich eigentlich noch jemand außer mir, dass bei Mäusen nach Parallelen und Erklärungen für unser Liebesleben gesucht wird? Dahinter steckt der Wunsch, auf diese Weise die ultimative Lösung für die sexuellen Probleme unserer Gesellschaft zu finden. Wenn die Tiere das schon so machen, dann könnte das für uns auch der richtige Weg sein. Das wäre dann sozusagen die Weltformel für sexuelles Verhalten. Wir sind aber mehr als die Summe unserer Gene und angeborenen Verhaltensweisen. Wir haben eine Kultur, eine Gesellschaft und deren Normen und Werte lassen sich nicht mehr wegevolutionieren.

Schauen wir doch mal zu den Primaten in Sachen vorzeitigem Samenerguss. Schimpansen haben eine durchschnittliche Verweildauer in der Vagina von 7 (sieben!) Sekunden, bevor sie ejakulieren. Dagegen sind die 60 Sekunden, die 80% der Männer mit lebenslangem vorzeitigem Samenerguss zur Verfügung haben, ja schon reiner Wahnsinn! Orang Utans hingegen haben 10,7 Minuten Zeit bis zur Ejakulation – das sind knapp 4 Minuten mehr als der Geschlechtsverkehr-Durchschnitt bei uns Menschen. Wen nehmen wir denn jetzt als Vorbild? Schimpanse oder Orang Utan?! Die tun es übrigens gern in aller Öffentlichkeit. Das kennen wir ja aus dem Zoo. Erstaunlicherweise kommt da kein Forscher und sagt „Los, Leute, raus auf die Straße, raus in den Park! Tun wir es in aller Öffentlichkeit, denn das ist normales Sexualverhalten!“ Wäre ich Evolutionsbiologin, würde ich das vielleicht mal versuchen. Bin ich aber nicht.

Fremdgehen oder nicht ist eine Frage der persönlichen Einstellung

Es klingt vielleicht überheblich, aber ich halte meine Persönlichkeit für differenzierter und komplexer als die von Primaten und vor allem Wühlmäusen jeglicher Couleur. Auch wenn Jane Goodall da vielleicht etwas anderes behaupten mag. Und ich finde es als Sexualberaterin auch nicht ok, meine persönlichen Überzeugungen anderen aufzudrücken. Alle unsere Bedürfnisse sind nun mal unterschiedlich ausgeprägt und wie wir mit ihnen umgehen, ist ebenfalls höchst individuell. Ich habe eine Freundin, die auf kulinarische Genüsse soweit verzichten kann, bis sie ihre perfekte Bikini-Figur erreicht hat. Was nebenbei bemerkt, gar nicht nötig ist. Ich wiederum bekomme schon Heißhunger auf alles Süße, wenn ich nur das Wort Diät denke und bin dann ab sofort allen Gelüsten vollkommen widerstandslos ausgeliefert. Und so mag es manchem gehen, der bei der kleinsten Andeutung von Bindung nicht anders kann, als sofort an Sex mit dem gesamten Umfeld zu denken.

Wenn ich selbstbewusst, ausgeglichen und mir meines Partners sicher bin, kann ich Untreue sicherlich besser verkraften als in einer Beziehung, in der kein Gleichgewicht herrscht. Dann kann ich vielleicht sogar polyamor leben, also mehrere Partner gleichzeitig lieben. Wenn ich Sex jedoch nur als Lustgewinn betrachte oder als Bestätigung meiner eigenen Attraktivität, kann das Fremdgehen meinen Partner zutiefst verletzen. Denn dann scheint er ja nicht auszureichen. Für viele Menschen kommt Untreue auch aus religiösen Gründen gar nicht in Frage und tun sie es doch, können sie daran verzweifeln. Und ob man mit dem Partner darüber sprechen sollte oder nicht – dafür gibt es kein Patentrezept. Jeder muss seinen eigenen Weg für sich und für die Beziehung finden. Das kann uns der Blick ins Tierreich nicht abnehmen.