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Die Orgasmuslüge – Höhepunkt vortäuschen oder nicht?

Schon mal vorgetäuscht? Uuuuh, aaaah, jaaaa, ich komme!!!! Das kann echt sein und von großer Lust zeugen. Kann aber auch nur täuschend echt klingen und gar nicht lustig sein. Hej Du da, nicht weggucken, ich meine hier nicht nur die Mädels! Ertappt, ich weiß nämlich genau, dass das keine Frauen-Domäne ist. Auch Männer greifen zu dieser kleinen Notlüge. So mancher meint jetzt zwar, das ginge doch gar nicht und zugegeben, für uns Mädels ist das eindeutig einfacher. Aber wer schaut im Eifer des Gefechts schon nach, ob da auch WIRKLICH Sperma im Kondom oder in der Bettwäsche gelandet ist? So weit geht es mit der Orgasmus-Kontrolle dann ja doch nicht. Normalerweise zumindest nicht. Ich traf einmal auf einen Mann, der behauptete, ganz genau zu erkennen, ob seine Frau einen Orgasmus hat oder nicht. Und tatsächlich kontrollierte er auch jedes Mal, ob sie WIRKLICH gekommen ist. Das würde ihm schließlich zeigen, dass er gut im Bett sei. Wow, dachte ich, das muss ja ein Spaß sein mit so einem Mann. Nicht auszudenken, was für ein Druck dabei entsteht! Ihr Orgasmus zur Bestätigung seiner Fähigkeiten als Liebhaber. Allein bei dem Gedanken daran zieht sich doch jeder Orgasmus in sich selbst zurück und betritt gar nicht erst den Schauplatz des Geschehens.

Der Orgasmus: Das Maß aller Dinge

Leider ist das ja kein Einzelfall, nur sind die meisten anderen nicht ganz so verbissen dabei. Der Orgasmus ist und bleibt das ultimative Ziel beim Sex. Vorspiel – Penetration – mit Glück noch ein Nachspiel, so sieht die heterosexuelle Normalität aus. Blöd nur, dass so viele Frauen allein durch das Rein und Raus nicht zum Orgasmus kommen. Blöd auch, dass Männer keine störanfälligen Maschinen sind. Beides hat sich schon weitgehend herumgesprochen. Nur fehlt so vielen eine Idee, wie man damit umgehen solle. Und anstatt darüber zu sprechen oder sich womöglich sogar zu trauen, dem anderen zu zeigen, wie sie oder er es besser machen kann, wird zur schnellen Notlüge gegriffen. Bei einem One Night Stand ist das sicherlich kein Drama. Anderseits ist es doch schade, wenn eine Situation, in der gerade der heiße Sex im Mittelpunkt steht, nicht für beide befriedigend ist. Erstaunlicherweise sind wir hier aber viel offener, können viel besser unsere Bedürfnisse mitteilen und ausleben. Aber das ist ja auch gerade der Reiz an der Sache. Es gibt nichts zu verlieren und man sieht den anderen wahrscheinlich sogar nie wieder.

Wenn der Orgasmus der Bestätigung dient

Anders ist es in einer Partnerschaft. Sich dem anderen zu offenbaren, erfordert ungleich mehr Mut. Vielleicht stoßen die eigenen Vorlieben auf Unverständnis, vielleicht hat man schon einmal die Erfahrung gemacht, dass der andere sich zurückzieht. Hat man aber erst einmal mit dem Lügen angefangen, ist es schwer, aus der Situation wieder herauszukommen. Niemand will seinen Partner ernsthaft verletzen. Ganz im Gegenteil möchte man ja gerade gern die Erwartungen des anderen erfüllen, möchte ihm oder ihr zeigen, wie schön der gemeinsame Sex ist. Mit dem Vortäuschen von Lust wollen wir Diskussionen aus dem Weg gehen und auch der Konfrontation mit den eigenen Ängsten, vielleicht nicht gut genug zu sein. Wir wollen nicht als Versager dastehen, dem anderen nicht das Gefühl geben, nicht attraktiv genug zu sein. Es ist aber verletzend und zerstört Vertrauen, wenn dieses Spiel über einen längeren oder sogar sehr langen Zeitraum betrieben wird. Glücklich wird dabei keiner von beiden. Wie auch. Wer dauerhaft Lust vortäuscht, steckt auch dauerhaft die eigenen Bedürfnisse zurück. Wie kann es dann wundern, wenn der Sex langweilig ist, keinen Kick mehr hat und sogar Abwehrreaktionen bis hin zur totalen Aversion gegen Sex entstehen? Das ist der Stoff, aus dem sexuelle Probleme gemacht werden. Hausgemacht sozusagen.

Und immer wieder das gute alte Reden

Zu erwarten, dass der andere schon selber darauf kommt, was man sich wünscht, hilft nur selten weiter. Ist man erst einmal in die Falle geraten, sollte man das Gespräch auf keinen Fall mit Vorwürfen beginnen. „Du machst nie, was ich möchte“ ist ein denkbar kontraproduktiver Satz. Damit kann der andere gar nichts anfangen und wird sich mit Sicherheit auch nicht einsichtig zeigen. Gut sind Ich-Botschaften mit klaren Ansagen: „Mir gefällt es, wenn du deine Zunge um meine Klitoris kreisen lässt“ oder „Ich wünsche mir, dass wir uns vor dem Sex zärtlich küssen.“ Nicht immer muss man reden: zeigen und die Hand des anderen führen geht auch. Also, vortäuschen oder lieber die Wahrheit sagen? Die Entscheidung muss jeder für sich selber treffen. Wer aber auf Vertrauen baut und sich eine erfüllende Sexualität wünscht, wird nicht umhin kommen, die eigenen Bedürfnisse zu erforschen und diese dann auch mit dem Partner zu teilen.

 

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