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Haben Singles den besseren Sex?

Haben Singles den besseren Sex? Haben sie überhaupt Sex? Zu dem Thema habe ich meine eigene Feldforschung betrieben. Die Zahlen aus den Studien waren mir bekannt, trotzdem wollte ich mir ein eigenes Bild machen. Also habe ich jede Gelegenheit genutzt und mein Gegenüber zu dem Thema befragt. Das mag manchmal irritierend gewirkt haben. Wenn ich dann hinzufügte, womit ich mich beruflich beschäftige, bekam ich von den meisten aber dann doch eine Antwort. Und oft ergab sich auch noch die Gelegenheit zu einem weiteren spannenden Gespräch. Ich liebe meine Arbeit! Ich fragte also: „Bist du Single?“ Und wenn die Antwort positiv war, fragte ich weiter: „Hast du Sex?“ Hier kam in den meisten Fällen ein bedauerndes, leicht wehmütiges: „Nein, leider nicht.“ Singles haben also nicht den besseren Sex. Sie haben wenig Sex. Zu wenig, wie sie selber finden. Dabei könnten sie viel mehr haben. Aber sie wollen gar nicht. Ein Paradox? Nein, wenn man es näher betrachtet, ist es durchaus nachvollziehbar.

Sex findet zum größten Teil in festen Beziehungen statt

Meine Feldforschung deckt sich tatsächlich mit den Zahlen aus der Sexualforschung. Der Hamburger Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt hat in einer Drei-Generationen-Studie 776 HamburgerInnen und LeipzigerInnen in den Altersgruppen 30, 45 und 60 zu ihrem Beziehungs- und Sexualleben befragt. Ein Viertel der Befragten waren Singles. Aber nur 5% der Geschlechtsverkehre, die im Zeitraum der Befragung stattfanden, entfielen auf diese große Gruppe. Das Bild des hedonistischen Singles, der durch die Betten hüpft und hier und da mit einem oder gar mehreren Sexualpartnern gleichzeitig Sex hat, ist also eher die Ausnahme. Ganz im Gegenteil, von den 11 Millionen Singles in Deutschland sind dies gerade einmal 4%. Die Diplom-Pädagogin Sonja Deml kam in ihrer Promotion auf ähnliche Zahlen: Nur 6% der Single-Frauen und 12% der Single-Männer leben ihre Sexualität aus.

Wer sind denn eigentlich DIE Singles?

Den typischen Single gibt es natürlich nicht. Wie auch bei 11 Millionen Menschen? Singles finden sich in allen Alters- und Einkommensgruppen und in allen sozialen Schichten. Singles haben unterschiedliche kulturelle Hintergründe, sexuelle Orientierungen sowie völlig verschiedene Auffassungen von Sexualität. Es gibt Kurzzeit-Singles, die sich auf dem Weg von der einen in die nächste Beziehung befinden. Sex ist hier oft gar kein Thema. Und es gibt Langzeit-Singles, die ihr Leben ohne Partner sehr genießen. Es gibt die jungen Singles, deren Bild von Liebe und Sexualität weitaus romantischer geprägt ist als das ihrer Eltern. Ihre sexuellen Erfahrungen wollen sie in einer liebevollen Beziehung sammeln. Und es gibt die älteren Singles, für die Sex ganz klar in eine Beziehung, wenn nicht sogar in eine Ehe gehört. Letztendlich ist es die Generation der Mitte/Ende-30-Jährigen bis Mitte/Ende 40-Jährigen, in der es heute etwas offener zugeht und One Night Stands noch am ehesten eine Überlebenschance haben.

Es gibt gute Gründe für das Warten auf partnerschaftliche Sexualität

Was steckt denn nun dahinter? Denn Singles wollen ja Sex, soviel ist sicher. Aber sie wollen ihn nicht um jeden Preis. Zum einen hält sie die Angst vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) davon ab. Die BzgA ist mit ihrer Aktion „Mach’s mit“ gegen HIV und mittlerweile auch gegen Syphilis allgegenwärtig. Das ist auch gut so, immerhin steigt die Zahl der Neu-Infektionen mit Syphilis in den letzten Jahren kontinuierlich an. Wer sich zwanglos durch die Betten tummelt, kann sich mit einem bunten weiteren Potpourri an STI infizieren, als da wären Clamydien, Gonorrhöe, Hepatitis oder auch Humane Papillomviren. Die übrigens machte Michael Douglas nach seinem ausschweifenden Sexleben mit vielen Frauen und Oralverkehr für seinen Halskrebs verantwortlich. Naja. Darüber dürfte Catherine Zeta-Jones wenig erfreut sein.

Dann haben wir den guten Ruf, um den viele fürchten, sollte entdeckt werden, dass sie Liebeleien ohne festen Partner ausleben. Das betrifft auch heute noch besonders Frauen. In den anonymen Großstädten mag das nicht so viel Gewicht haben. Aber denken wir einmal an das Leben in kleineren Orten oder auf dem Lande, wo jeder mitbekommt, was die Nachbarn so treiben. Da wird man schnell zum Dorfgespräch. Zwar gibt es den schönen Spruch: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“. Doch so tough sind wir dann doch nicht.

Das Allerwichtigste ist und bleibt jedoch der Wunsch nach Liebe. Auch Singles wollen Sex mit Liebe, mit Kuscheln, mit Zärtlichkeit, genauso wie die Menschen in Beziehungen. Denn Sex ist nicht nur ein Austausch von Körperflüssigkeiten. Sex ist nicht nur das Ausüben von sexuellen Praktiken, nicht nur eine körperliche Sensation. Sex ist eine sehr intime Form der Kommunikation zwischen zwei Menschen. Über Sexualität vermitteln wir Intimität, Geborgenheit, Akzeptanz, Liebe und Nähe. Und die meisten Singles verzichten lieber ganz auf Sex, bevor sie sich mit etwas zufrieden geben, das ihnen nicht ausreicht.

Gut Ding hat Weil

Fassen wir also zusammen: Singles haben wenig Sex, sind aber nicht prinzipiell unglücklich darüber. Statt sich in sexuelle Abenteuer zu stürzen, warten sie aus den verschiedensten Gründen lieber so lange, bis ein Partner oder eine Partnerin daher kommt und sich Lust mit Liebe verbindet. Wir sind heute eben etwas romantischer unterwegs, als es uns die Medien manchmal Glauben machen möchten. Und wer sich jetzt grämt, dem sei gesagt, dass auch der Sex in Beziehungen nicht immer die große Erfüllung darstellt. Aber dafür gibt es ja Menschen wie mich, die Euch dabei helfen, das zu ändern!

 

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Wo finde ich nur die Liebe?

Ihr seid auf der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner? Soll es der große Knall sein? Oder darf es auch etwas langsamer sein? Egal wie, es heißt, nichts wie raus aus den eigenen vier Wänden. Denn dort wird sich voraussichtlich nichts Weltbewegendes ereignen. Es sei denn, der Handwerker oder der Paketbote lassen das Herz höher schlagen. Wenn nicht, sollte man sich aus der Komfortzone herausbewegen und noch andere Menschen kennenlernen. Dafür gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. In einer schier unendlichen Auswahl an Partnerbörsen steuert man direkt auf das Ziel zu und hofft, dort die Liebe auf den ersten Blick zu finden. Aber oft dauert es etwas länger, bis wir uns in einen Menschen verlieben. Und auch dafür gibt es Möglichkeiten, bei denen man auch gleich noch etwas für sich und das eigene Selbstwertgefühl tun kann.

Partnerbörsen und die Hoffnung auf den großen Knall

Laut der Internetseite singleboersen-vergleich.de gibt es im deutschsprachigen Raum über 2.500 Singlebörsen, Partnervermittlungen, Seitensprung-Agenturen und ähnliches. Das ist wirklich viel und bietet für jeden noch so ausgefallenen Wunsch eine Möglichkeit: Mit Hund oder anderem Haustier, astrologischen Vorkenntnissen oder osteuropäischem Hintergrund. Aber wir haben ja auch 11 Millionen Singles in Deutschland. Knapp 8 Millionen davon tummeln sich in den verschiedensten Online-Dating-Börsen. Monatlich. Dazu kommen noch 3,5 Millionen, die auf der Suche nach Sexkontakten sind. Ebenfalls monatlich. Da sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein. Aber wie erfolgreich ist diese Art der Beziehungsanbahnung? Für die Studie “Vom Online-Dating zum Traualtar” wurden über 800 deutsche Standesämter befragt und es stellte sich heraus, dass sich von den im Jahr 2013 getrauten Paaren tatsächlich ganze 16,4% im Internet kennengelernt haben. Auffällig oft handele es sich dabei um Zweitehen, was darauf schließen lasse, dass sich ältere Suchende zunehmend im Internet finden. Nicht jeder aber mag zugeben, auf diese Weise zueinander gefunden zu haben und nicht jede Beziehung tritt irgendwann einmal vor den Traualtar. Die Dunkelziffer für die erfolgreiche Verkupplung dürfte also wesentlich höher liegen.

Das Internet ist wie ein riesiger Ozean voller Fische. Wie soll man da den richtigen Partner oder die richtige Partnerin finden? Wenn wir uns in einer Singlebörse oder Partnervermittlung anmelden, haben wir in der Regel bereits eine klare Vorstellung vom Traumpartner im Kopf. Manche legen sich bereits auf Äußerlichkeiten wie Haarfarbe und Größe fest, andere auf Charaktereigenschaften bis hin zu Bildungsstand, Einkommensklasse und räumlicher Entfernung. Dazu kommen Ausschlusskriterium wie Raucher oder Nichtraucher. Sind diese Parameter festgelegt, kann es losgehen. Online werden die ersten Kontakte geknüpft. Wir schreiben hin und her, telefonieren vielleicht sogar. Dann wird es Ernst, das erste Treffen naht. Butter bei die Fische, wie wir hier im Norden sagen. Sofort wird gescannt und ausgesiebt: Wie sieht der/die andere aus? Frisur, Figur, Gesicht, Kleidungsstil, die Art zu sprechen und sich zu bewegen, alles wird bewertet. Und hier haben wir auch schon die erste Stolperfalle. Denn weiter kommen viele gar nicht. Denn wenn das Gegenüber nicht sofort in das Bild vom Traumpartner passt, ist er oder sie raus. Ein zweites oder gar drittes Treffen gibt es dann nicht mehr.

Manchmal kommt die Liebe auch auf leisen Sohlen

Mal ganz im Ernst, wie häufig im Leben erleben wir die Liebe auf den ersten Blick? Wie oft knallt es so, dass wir sofort Schmetterlinge im Bauch haben und nicht mehr klar denken können? Aber genau das ist die Erwartung an unser Online-Date. Schnackelt es nicht sofort, kommt gleich der oder die Nächste dran. Viele sind aber auch gleich nach dem ersten Misserfolg am Boden zerstört. Beim Online-Dating braucht es aber Durchhaltevermögen und ein gesundes Selbstbewusstsein. Und ganz nebenbei bemerkt, ist es beim großen Knall oftmals die Wunschvorstellung des anderen, in die wir uns verlieben. Erst mit der Zeit entwickelt der anderen vor unseren Augen seine oder ihre eigene Persönlichkeit und dann gilt es, diese wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Oft dauert es eben viel länger, bis wir herausfinden, was wirklich in einem anderen Menschen steckt und auch, ob er zu uns passt, unabhängig von unseren Wunschparametern. Und wie oft schon haben wir uns in einen Menschen verliebt, den wir schon ganz lange kennen? Der Arbeitsplatz ist da eine prima Möglichkeit, quasi zufällig und auf lange Sicht den richtigen Partner oder die richtige Partnerin zu finden. Hier ist es genau anders herum. Man lernt sich erst ganz ungezwungen kennen und verliebt sich dann. Der Traumprinz oder die Traumprinzessin wird nicht gesucht, sondern zufällig entdeckt. Ganz nebenbei finden wir heraus, ob der andere zu uns passt, welche Vorlieben er hat, wo sich Gemeinsamkeiten finden, ob man miteinander reden und lachen kann. So eine Beziehung kann wachsen. Laut Umfrage des Marktforschungsinstituts IFAK hat jeder zehnte Arbeitnehmer seinen Partner am Arbeitsplatz kennen gelernt. Dazu kommen übrigens noch ungefähr genau so viele Affären.

Der Arbeitsplatz muss sich auch gar nicht auf den festen Job beschränken. Auch im ehrenamtliche Bereich finden sich haufenweise Tätigkeiten, bei denen man andere Menschen kennenlernen und gleich noch etwas Gutes tun kann. Und das ist gut für das Selbstbewusstsein! Wie auch andere Aktivitäten, bei denen wir uns persönlich weiter entwickeln können wie Volkshochschulkurse, Tanzschulen oder Sportvereine, in denen man Gleichgesinnte trifft. Hier können wir zum einen zeigen, was in uns selbst steckt und zum anderen schauen, was die anderen so alles mitbringen. Und dann zählen vielleicht mit einem Mal nicht mehr die vorher festgelegten Parameter, wenn uns der andere mit seiner oder ihrer Persönlichkeit beeindruckt.

Geben wir der Liebe doch eine Chance

Wenn wir wirklich herausfinden wollen, was in einem anderen Menschen steckt, sollten wir uns die Chance geben, ihn oder sie besser kennenzulernen. Auch wir selber können beim ersten Date nicht gleich alle Facetten unserer Persönlichkeit vor dem anderen ausbreiten. Womöglich ergeben sich erst mit der Zeit gemeinsame Lebenskonzepte, die auf den ersten Blick gar nicht erkennbar waren. Vielleicht hat der Raucher ja sogar vor, bei nächster Gelegenheit mit dem Rauchen aufzuhören. Vielleicht hat unser Date bei dem Versuch, sich bestmöglich zu präsentieren, auch nur über die Stränge geschlagen. Gehen wir also mit Gelassenheit an die Sache heran. Geben wir uns die Zeit. Und wenn bei einem Date nur ein schönes Abendessen ohne Schmetterlinge im Bauch herausspringt, sollten wir auch das mit Gelassenheit nehmen. Slow-Dating statt Speed-Dating!

 

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