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Verursacht die Pille Depressionen?

Es ist zum aus der Haut fahren. Wir wissen, dass hormonelle Verhütungsmittel Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Übelkeit oder Zwischenblutungen haben. Wir wissen, dass die Einnahme bestimmter Pillenpräparate das Thrombose-Risiko bis zu 7-fach erhöht. Wir wissen auch, dass die Pille Ursache von Lustlosigkeit sein kann. Und das ist doch nun wirklich paradox. Ein Präparat, das für sorglosen Sex steht, nimmt uns die Lust genau darauf. Trotzdem greift etwas über die Hälfte aller Frauen im gebärfähigen Alter dauerhaft zu hormonellen Verhütungsmethoden. Und jetzt gibt es wieder neue Erkenntnisse, die ich erschreckend finde. Die Universität von Kopenhagen untersuchte die Daten von einer Million Däninnen zwischen 15 und 34 Jahren über einen Zeitraum von 13 Jahren. Laut den Ergebnissen gibt es einen Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und Depressionen. Na wunderbar. Und was wird wohl passieren, wenn die Ergebnisse publik werden? Nichts. Gar nichts. Es sollte aber etwas passieren. Und zwar dringend.

Volkskrankheit Depression, na und?

Depressionen gelten als Volkskrankheit Nummer Eins und haben in 2011 einen volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von 22 Milliarden Euro verursacht. Die einen tragen dazu bei, weil sie trotz Erkrankung zur Arbeit gehen und dabei keine volle Leistung erbringen können. Und die anderen bleiben zuhause oder gehen gleich in die Erwerbsunfähigkeit. Aber es trifft nicht nur Erwachsene. Bis zu fünf Prozent aller Jugendlichen leiden Schätzungen zufolge ebenfalls an der seelischen Erkrankung. Laut dem Depressionsforscher und Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie treiben Depressionen jährlich 14. 000 Menschen in den Suizid. Das sind 14.000 Menschen zu viel. Die Ursachen für Depression sind vielfältig. Als Auslöser wirken meist persönlich belastende Ereignisse oder Überforderungssituationen. Dahinter können aber auch Stoffwechsel- und Funktionsstörungen im Gehirn stecken, bei denen bestimmte Neurotransmitter aus dem Gleichgewicht geraten.

Und nun scheint es noch eine weitere wichtige Ursache zu geben. Bei den Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel verwenden, steige das Risiko einer Depression laut der dänischen Studie in den ersten sechs Monaten um 40 Prozent. Und bei den ohnehin von Hormonen und Pubertät geplagten Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren sogar um 80 Prozent. Eine Studie der Techniker Krankenkasse ergab, dass bis zu zehn Prozent der Mädchen bereits ab dem zwölften Lebensjahr die Pille nehmen, zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr sind es 80 Prozent. Spaßeshalber kann man sich ja einmal ausrechnen, wie viele Jugendliche statistisch betrachtet erkranken. Nun kann man dagegenhalten, und das wird auch schon getan, dass Jugendliche ja ohnehin seelisch instabil seien und dass auch Liebeskummer zu Depressionen führen kann. Und schließlich gibt es auch Jungen, denen es schlecht geht. Und die nehmen ja nun keine zusätzlichen Hormone. Wo wolle man denn da die Grenze ziehen? Keine Ahnung, aber bei den Zahlen sollten Eltern Sturm laufen und weitere Studien erzwingen. Aber das ist ja immer eine Kosten-Nutzen-Erwägung.

Was bedeutet die Studie für uns Erwachsene?

Jugendlichen Mädchen wird die Pille deshalb gern verschrieben, weil sie so schön einfach ist. Dann ist man auf der sicheren Seite, vorausgesetzt, die Einnahme erfolgt nach Plan. Besser ein paar Nebenwirkungen als eine Teenager-Schwangerschaft. Aber was ist mit den Erwachsenen? Die Sache ist doch die: Wir haben immer weniger Lust auf Sex. In unseren Beziehungen fällt der Sexpegel nach einer meist heißen Anfangsphase rapide ab. Manche Paare haben gar keinen Sex mehr. Was nicht bedeuten muss, dass sie deswegen unzufrieden wären. Nein, Sex ist nun wirklich nicht alles. Aber warum nehmen so viele Frauen die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel, wenn sie doch nur so wenig Sex haben? Einfach nur, weil es so schön einfach ist und man sich im Ernstfall keine Gedanken zu machen braucht? Weil man den Partner nicht damit belasten möchte? Kondome sind ja so unbequem….

Was ist mit den Nebenwirkungen? Darüber sollten wir nachdenken. Wenn wir nicht tatsächlich andauernd übereinander herfallen und den Sex stattdessen wie ein kostbares Gut behandeln, das es in besonderen Momenten zu genießen gilt, dann gibt es auch andere Möglichkeiten. Möglichkeiten, die weitaus schonender sind. Die nicht zu Thrombosen, Lustlosigkeit oder Depressionen führen. Die unseren Körper schonen. Aber dafür müssen wir uns als Paar zusammensetzen und beratschlagen. Wir müssen Vor- und Nachteile abwägen. Was ist mit der Kupferspirale oder der Kupferkette? Was ist mit Kondomen? Was ist mit dem Verhütungsschalter für den Mann? Und wie sieht es endlich einmal mit neuen Methoden aus? Wird daran geforscht? Oder lohnt sich das einfach nicht? Immerhin verspricht das Geschäft mit der Pille Milliardengewinne. Darauf möchte die Pharmaindustrie ganz sicher nicht verzichten.

Veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/verursacht-die-antibabypille-depressionen/

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„Hallo, hier ist Erika Berger. Wer spricht?“ Ein Nachruf

Die ganz Großen sterben gerade wie die Fliegen. Und so manch einer hat sich schon gefragt, welche Art Band da oben wohl gerade zusammengestellt wird: Lemmy Kilmister, David Bowie, Prince, Roger Cicero. Welche Musik soll denn da bitteschön herauskommen? Und bevor nun auch die entsprechenden Damen Aufnahme in der Himmelsband finden – und über kurz oder lang wird es dazu kommen -, hat sich am vergangenen Sonntag jemand gedacht, da holen wir uns doch erst einmal die Erika. Sex & Drugs & Rock’n Roll, heißt es doch schließlich. Und diese Dame wird denen schon zeigen, wo es lang geht. So wie sie es mit den Deutschen ab 1987 in ihrer Show „Eine Chance für die Liebe“ getan hat. Denn während Prince mit seinen sexuell mehr oder weniger deutlich angehauchten Texten meine jugendliche Fantasie beflügelt hat, sprach Erika Berger als erste öffentlich über die Themen Liebe, Partnerschaft und Sexualität. Damit kann man heute ja kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Damals aber war das unglaublich! JEDER kannte diesen Namen!

Dr. Sommer für die Erwachsenen

Plötzlich war sie da, eine Journalistin, die ungezwungen über alles plauderte und die Dinge beim Namen nannte. Penis, Vagina! Diese Worte wurden ja noch nicht einmal zuhause ausgesprochen, geschweige denn im Fernsehen. Die 80er waren die Zeit der Neuen Deutschen Welle, der Atomkraft und der düsteren Zukunftsprognosen. Sex war kein öffentliches Thema. Wir Pubertierenden rannten jeden Donnerstag zum Kiosk, um uns die Bravo zu kaufen. Unsere ganze Aufmerksamkeit galt natürlich der Dr. Sommer-Beratung. Wo sonst sollten wir alle die Informationen herbekommen, die uns so brennend interessierten? Sexualpädagogik gab es nicht, in der Schule gab es mit Glück ein paar biologische Grundlagen. Und von unseren Eltern? Die hatten ja zumeist selber keine Ahnung. Schon deshalb war Erika Berger ein wahrer Segen.

Sie war der Dr. Sommer der Erwachsenen. Man muss sich das einmal so vorstellen: Erika Bergers Zielgruppe, die Generation der damals Erwachsenen, die Nachkriegsgeneration, kannte in den meisten Fällen überhaupt keine Aufklärung. Das Thema wurde totgeschwiegen. Es gab keine Gespräche, in denen Kinder und Jugendliche an die großen Themen der Liebe herangeführt wurden. Nicht wenige Mädchen gerieten deshalb in Panik, wenn die erste Regel einsetzte. „Nun bist du eine Frau“, war oft alles, was den Müttern über die Lippen kam. Kein Wunder, dass auch Erika Berger selbst als junges Mädchen nach dem ersten Kuss befürchtete, nun schwanger zu sein. Man redete einfach nicht darüber. Als Erika Berger auf Sendung ging, hatte sie Zuschauer, deren Sexualität überwiegend schambesetzt war, besonders die der Frauen. Sex vor der Ehe war in dieser Generation nicht üblich, Schwangerschaften vor der Ehe noch verheerend. Es gab keinen Austausch, wie das bei anderen Paaren lief. Man konnte nicht mal eben im Internet nach Erektionsproblemen oder Lustlosigkeit suchen. Jeder versuchte, für sich allein klarzukommen. Und plötzlich gab es da ein Ventil namens Erika Berger. Plötzlich konnte alles angesprochen und ausgesprochen werden.

Die drei großen deutschen Aufklärer

Für mich sind es vor allem drei Personen, die in Deutschland den Umgang mit Sexualität nachhaltig veränderten: In der Nachkriegszeit verbreitete Beate Uhse mit ihrer Schrift X die natürlichen Methoden der Schwangerschaftsverhütung und verkaufte später als Erste deutschlandweit Kondome. Heute unvorstellbar, hatten die Menschen in der prüden Zeit der Adenauer-Ära, auch erotische Eiszeit genannt, keine Ahnung von Verhütung. Oswald Kolle schrieb ab den 1960er Jahren Aufklärungstexte und –bücher und drehte ab 1968 die ersten legendären Aufklärungsfilme. Auch seinen Namen kannte damals jeder Deutsche. Zuletzt widmete sich Kolle dem bis heute tabuisierten Thema Sexualität im Alter. Ich selber blicke auf ein interessantes persönliches Treffen bei einem seiner dazugehörigen Vorträge hier in Hamburg zurück. Ja, und dann war da eben auch Erika Berger, die als erste im öffentlichen Rundfunk über alle diese Themen sprach. Auch sie habe ich noch vor zwei Jahren bei einer Veranstaltung getroffen. Wenn wir also heute auf unseren Umgang mit Sexualität blicken, sollten wir dabei immer im Hinterkopf haben, dass der Weg zu so viel Freizügigkeit hart und steinig war. Und es ist so wunderbar, dass heute ganz viele Menschen auf vielen verschiedenen Ebenen und in unterschiedlicher Form aufklären wollen und dürfen!

Das Foto habe ich gemacht, als ich sie vor drei Jahren auf einer Messe zum Thema Ü 50 traf.

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Dieser Artikel wurde veröffentlicht auf: https://www.orion.de/blog/nachruf-hallo-hier-ist-erika-berger-wer-spricht/

Blue Viagra, Pink Viagra – der bunte Reigen der chemischen Aphrodisiaka

Stellt euch vor, ihr liegt im Bett und nichts geht: Er bekommt keine Erektion und sie hat keine Lust. Wenn es nach der Pharmaindustrie ginge, gehören Szenarien dieser Art bald der Vergangenheit an. Denn neben Viagra für den Mann soll es jetzt auch die Lustpille für die Frau geben. Allerdings erst einmal nur in den USA, wo man sich nach zwei Ablehnungen dann doch dazu entschieden hat, das Mittel Flibanserin, auch Pink Viagra genannt, auf den Markt zu bringen. Seit Jahren wird an dieser Pille geforscht, soll sie doch Abhilfe bei einem der größten Probleme in der menschlichen Sexualität schaffen – der weiblichen Unlust. Millionen von Frauen, so heißt es, leiden darunter. Wie immer, wenn es um Sexualität geht, schwanken die Zahlen erheblich. Eine deutsche Studie kam 2013 nach der Befragung von 4500 Frauen auf 15%, in anderen Studien sind es bis zu 40%. Der Markt ist also groß und die Unternehmen hoffen auf satte Gewinne. Aber wie wirkt dieses neue Medikament und kann es tatsächlich helfen?

Ein Antidepressivum für mehr Lust

Der direkte Vergleich zwischen Flibanserin und Viagra hinkt, denn die Wirkungsweise ist eine völlig andere. Während Mittel wie Viagra, Cialis und Levitra bei sexueller Erregung – und die ist hier tatsächlich Grundvoraussetzung für den Erfolg – eine stärkere und dauerhaftere Erektion bewirken, soll Flibanserin als eine Art Aphrodisiakum die Lust überhaupt erst wecken. Während ein Mann seine Pille direkt vor dem angestrebten Geschlechtsverkehr einnimmt und die Dauer der Wirkung begrenzt ist, wird eine Frau ihre Pille täglich einnehmen müssen. Im Gegensatz zu Viagra ist Flibanserin kein Medikament, das sich lokal auf die körperliche Reaktion beschränkt, stattdessen verändert es den Hormonhaushalt grundlegend. Ursprünglich als Antidepressivum entwickelt, wird der Serotoninspiegel gesenkt und die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin erhöht. Das soll stimmungsaufhellend wirken, die lustfördernde hat sich erst später herausgestellt. Mit den Nebenwirkungen ist wie bei allen Antidepressiva nicht zu spaßen – Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Angstzustände, Verstopfung usw.

Lust und Lustlosigkeit – Die zwei Seiten der Medaille

Gut, könnte man meinen, wenn ich dann wieder Lust auf Sex bekomme, nehme ich die Nebenwirkungen in Kauf und schlucke diese Pille. Es könnte ja so einfach sein. Was aber genau verbirgt sich denn eigentlich dahinter, wenn eine Frau über einen längeren Zeitraum keine Lust auf Sex hat? In der Sexualmedizin spricht man von mangelnder „sexueller Appetenz“. Die möchte ich gern mit unserem Appetit vergleichen. Der ist manchmal kaum zu bändigen und manchmal fehlt er völlig. Von beiden Zuständen kann ich ein Lied singen. Zu einem Problem wird das erst, wenn ein Leidensdruck entsteht. Entweder ich kann nicht aufhören zu essen und an Essen zu denken oder ich verweigere mich der Nahrungsaufnahme, weil mir nichts mehr schmeckt. Manchmal liegt es auch an meinen eigenen oder an den Kochkünsten meines Gegenübers oder einfach auch am Stress, den ich gerade habe, dass mir der Appetit vergeht. Und genauso ist es auch mit der sexuellen Appetenz. Die verändert sich im Laufe des Lebens, ist abhängig von der Lebenssituation und außerdem auch noch bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Manchmal hört es sich so an, als müsste Lust immer da sein, als wäre sie eine Art Grundrecht. Dem ist jedoch nicht so.

Wenn es in der Partnerschaft Probleme gibt, sexuelle Wünsche auf Dauer nicht erfüllt werden, der Job stresst, die Kinder alle Aufmerksamkeit beanspruchen, die Qualität des Partners als Liebhaber nicht ausreicht, die Erwartungen viel zu hoch sind, ist es eigentlich nicht verwunderlich, wenn die Lust darunter leidet. Und so sind sexuelle Funktionsstörungen immer auch Paarprobleme. So unangenehm es auch ist – an der Seite einer lustlosen Frau kann sich ein Mann ganz besonders potent fühlen. Sollte sich die Situation aber ändern und die Frau wieder Lust bekommen, passiert es in nicht wenigen Fällen, dass nun der andere Partner eine Funktionsstörung entwickelt. Als Viagra auf den Markt kam, wurde so manche Frau sehr zu ihrem Missfallen zuhause freudestrahlend mit einer Erektion überrascht. Froh, durch die Erektionsstörung endlich den unerfreulichen Akt des Geschlechtsverkehrs hinter sich gebracht zu haben, wartete mit Viagra nun neues Ungemach im Schlafzimmer. Besser wäre es gewesen, hätte sich der Mann mit den Bedürfnissen seiner Frau auseinandergesetzt und seinen sexuellen Horizont über den Geschlechtsverkehr hinaus erweitert.

Reden statt Chemie

Es wäre tatsächlich ganz einfach, wenn Lustlosigkeit biologischer Natur wäre. In dem Fall scheint Flibanserin auch tatsächlich zu helfen. In allen anderen Fällen stecken andere Gründe dahinter. Die gilt es aufzuschlüsseln, wenn man die Lust wiederbeleben möchte. Die Frage ist also, worauf genau eine Frau keine Lust hat und ob man da nicht Abhilfe schaffen kann. Ja, ich weiß, reden ist nicht alles. Und manchmal lässt sich eine Lebenssituation auch nicht verändern. Aber wer nicht über seine Bedürfnisse spricht, kann kaum erwarten, dass sie erfüllt werden.

 

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Let’s talk about sex

Let’s talk about Sex

Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen auch heute noch an Gedankenübertragung glauben. Nicht nur, wenn es um Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke geht. Nein, vor allem auch beim Sex. Der oder die Liebste sollte möglichst ganz von allein wissen, wie er oder sie es dem anderen am Besten macht. Wo welche Berührung schön ist, wie fest oder hart, wann es losgehen darf und dabei bitte auch schön die richtige Stimmung erspüren. Nicht selten führe ich Unterhaltungen dieser Art: „Der Sex mit meinem Mann ist ja ganz nett, aber einen Orgasmus bekomme ich nur selten.“ „Sagen Sie ihm denn, was er machen soll?“ Prompt kommt ein empörtes „NEIIIIN! Das muss er doch von allein wissen!“ Dass es dabei schon mal zu Missverständnissen kommen kann, ist vorprogrammiert. Über die Hälfte der Deutschen fühlt sich unsicher im Bett und über die Dunkelziffer vorgespielter Orgasmen möchte ich gar nicht erst nachdenken.

Laut einer Parship-Studie von 2013 reden zwar 60% der Deutschen offen über ihr Intimleben. Aber nur mit anderen, bloß nicht mit dem Partner. Die beste Freundin oder der beste Freund wissen oft mehr über die geheimen Wünsche und Fantasien als der eigene Partner. Wieso eigentlich? Warum ist es so schwer, ausgerechnet mit dem, der an der ganzen Sache so maßgeblich beteiligt ist, über Sex zu reden?

Sechs einfache Regeln und schon klappt’s auch mit dem Sex

Viele Menschen haben Angst, mit ihren sexuellen Wünschen auf Ablehnung zu stoßen, sich zu entblößen. Ganz besonders, wenn sie lange Zeit nichts gesagt haben und die Situation eingefahren zu sein scheint. Aber es ist immer besser, mutig zu sein als dauerhaft unzufrieden. Es lohnt sich wirklich, offen über Gefühle, Wünsche, Fantasien und Vorlieben zu sprechen. Sex ist einfach mehr als die körperliche Vereinigung zweier Liebender. Sex bedeutet auch Nähe und Intimität. Und nur, wenn die eigenen Bedürfnisse respektiert und befriedigt werden, kann der Sex dauerhaft lustvoll und aufregend sein. Etwas Fingerspitzengefühl ist schon erforderlich. Aber so schwierig ist das Reden gar nicht, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet:

  • Niemals im Bett diskutieren und schon gar nicht direkt nach dem Liebesspiel. Das kann zu schnell als negative Kritik aufgefasst werden. Besser ist eine neutrale Situation wie ein Essen im Restaurant oder ein ausgedehnter Spaziergang.
  • Positive Bestärkung wirkt wahre Wunder und steigert die Gesprächsbereitschaft enorm. Deshalb sollten Gespräche über Sex immer mit etwas Schönem beginnen. Wer hört nicht gern „Ich liebe es, mit dir zu schlafen.“ Danach darf dann auch gern ein kleiner Verbesserungsvorschlag folgen.
  • Worte wie „niemals“ oder „immer“ sind in Diskussionen grundlegend zu vermeiden. Da sollte man sich schon präzise ausdrücken und konkrete Situationen oder Handlungen ansprechen. Profis sprechen zudem in sogenannten „Ich-Botschaften“. Das lautet dann zum Beispiel so: „Ich wünsche mir, dass du meine Klitoris wenigstens fünf Minuten streichelst“ oder „Es macht mich an, wenn du mir beim Sex in die Augen schaust“.
  • Vorschläge machen, ohne Druck auszuüben. Denn wenn wir die Wahl haben und selber entscheiden können, sind wir auch beim Sex zu vielem viel eher bereit. „Was hältst du davon, wenn wir eine neue Stellung ausprobieren?“ „Wie wäre es, wenn du meinen Penis etwas fester anfässt?“ Damit kann man auch prima aus den angesprochenen eingefahrenen Situationen herauskommen, ohne den anderen zu verletzen.
  • Anstatt lange zu warten, bis der Partner darauf kommt, darf man auch gern selber die Initiative ergreifen. Wie wäre es, wenn Sie mit einem duftenden Massageöl in der Hand eine Massage anbieten oder die Verführung selber in die Hand nehmen?
  • Wer nun gar keine Worte findet, kann auch zeigen, was sie oder er möchte. Das geht über geführte Berührungen bis hin zur Selbstbefriedigung. Besonders Männer sind sehr davon angetan, ihrer Partnerin zuzusehen, wie sie sich selber Lust verschafft.

 

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