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Zu spät kommen – Gar nicht so schön, wie man denkt

Bist Du schon gekommen? Kommst Du? Kommst Du noch? Zu früh, genau richtig, zu spät. Oder gar nicht. Wenn es um das Kommen geht, denkt man bei Männern meistens an das zu frühe Kommen. Der Leidensdruck ist hier enorm, sobald partnerschaftliche Sexualität stattfindet. Denn es ist ganz schön peinlich, zum Höhepunkt gekommen zu sein – ohne eigentlich zum Zuge gekommen zu sein. Und Frauen empfinden das zuweilen auch noch als ganz schön egoistisch. Das kommt dann noch on Top. Aber für dieses Problem gibt es mittlerweile eine Lobby. Es ist allgemein bekannt und wer darunter leidet, kann sich Hilfe suchen. Für Beratungsangebote wird heute öffentlich Werbung geschaltet. Wer allerdings zu spät oder gar nicht kommt, hat es noch etwas schwerer. Denn im ersten Moment könnte man denken, das sei doch viel besser als zu frühes Kommen. Zumindest ist das die Antwort, die ich oft erhalte, wenn ich dieses Thema anspreche. Schließlich brauchen Frauen ja meist auch länger bis zu ihrem Orgasmus. Und sicherlich ist es auch gut, wenn ein Mann lange kann. Aber zu lange oder gar nicht, das ist ebenfalls ein Problem, über das gesprochen werden sollte.

Wenn die Lust zur Qual wird

Ejaculatio retarda ist der Fachbegriff für einen verzögerten oder ausbleibenden Samenerguss. Mit 3 bis 8% Prävalenz ist er eine eher seltene Sexualstörung. Ich erinnere mich noch genau an meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema. Mitten im Studium hatte ich eine Zeitlang diesen wahnsinnig aufregenden Freund. Als wir uns kennen lernten, hatte es sofort gefunkt und auch der Sex war richtig gut. Ziemlich schnell stellte ich allerdings fest, dass er sehr lange brauchte, um zu kommen. Es dauerte und dauerte und dauerte und dauerte. Was für ein Glück, war ich doch angehende Sexologin. Die Lösung lag also sozusagen direkt neben ihm im Bett. Und zufällig saß ich auch noch genau zu dieser Zeit in den Vorlesungen zu sexuellen Funktionsstörungen. Ich kann nur sagen, wenn etwas wirklich lusttötend ist, dann das: Eine ambitionierte Sexologin mit einem Problemfall im Bett. Mir nahm es die Lust, weil ich irgendwann nicht mehr konnte. So ein endloser Geschlechtsverkehr kann ganz schön kräftezehrend sein, wenn aus Leidenschaft Pflichterfüllung wird. Und mein Freund war so mit sich und seiner Erregung beschäftigt, dass ich mir mittendrin überflüssig vorkam. Ihm hingegen nahm es die Lust, weil ich dauernd darauf herumritt und Grund und Lösung für ein Problem suchte, das er bis dahin noch gar nicht wahrgenommen hatte. Naja, lange hielt die Sache nicht.

Mitgenommen habe ich aus meiner Erfahrung zweierlei: Erstens habe ich gelernt, den Job vor der Schlafzimmertür zu lassen. Und zweitens weiß ich, wie es sich für eine Frau anfühlt, wenn ein Mann nicht kommen kann bzw. sehr lange braucht. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Lust verschwindet, weil man sich mitten im Akt nur noch wie ein Gebrauchsgegenstand auf dem Weg zur Vollendung fühlt. Dabei ist das nur das eigene Gefühl. Denn die Wahrnehmung des Partners kann eine ganz andere sein. Zum einen ist es möglich, dass er das Problem gar nicht sieht. Und zum anderen ist er vielleicht so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass das Drumherum zum Nebenschauplatz wird und er gar nicht merkt, wie es seiner Partnerin damit geht.

Umsteigen hilft

Was bei meinem damaligen Freund dahinter steckte, habe ich natürlich nicht herausgefunden. Dafür war ich viel zu dicht dran. Die Ursachen für eine Ejaculatio retarda können wie bei den meisten sexuellen Funktionsstörungen sowohl physischer als auch psychischer Natur sein. Oder beides zusammen. Medikamente oder Alkohol können ebenfalls Auslöser sein. Das sollte mit einem Sexualmediziner abgeklärt werden. Und es gibt zwei Formen: Den generellen Typus, bei dem ein Mann weder bei der Selbstbefriedigung noch beim Geschlechtsverkehr kommen kann. Beim situativen Typus hingegen kann ein Mann unter Umständen bei Selbstbefriedigung oder Oralverkehr kommen, nicht aber beim Geschlechtsverkehr.

Was kann man konkret tun, wenn die Lust zur Qual wird? Einem Mann, der verzögert oder gar nicht kommen kann, gelingt es nicht, seine Erregung ab einem bestimmten Punkt zu steigern. Daran ist niemand schuld, weder er noch die Partnerin. Es ist einfach so. Die beste Möglichkeit ist dann, mit dem Geschlechtsverkehr aufzuhören, sobald einer von beiden merkt, dass hier nicht weitergeht. Vielen Männern hilft es, dann auf eine andere Form der Befriedigung wie Masturbation oder Oralverkehr umzusteigen. Eine andere Möglichkeit ist es, die Erregung beim Vorspiel bereits so weit zu steigern, dass man erst kurz vor dem Höhepunkt in die Frau eindringt. Aber auch hier gilt: Immer auf die eigenen Bedürfnisse achten! Ein Orgasmus ist bei weitem nicht so wichtig wie die emotionale Befriedigung, die sich bei einem harmonischen Liebesleben einstellt. Und der Orgasmus ist nicht das Maß aller Dinge! Er ist wunderbar und sicherlich auch das i-Tüpfelchen. Wenn er aber nur durch Mühen und Qualen erreicht wird, sollte man sich vor Augen führen, das es noch so vieles andere gibt, das das Zusammensein so wunderbar macht. Und das sollten wir niemals vergessen!

 

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Wenn Männer zu früh kommen

Der vorzeitiger Samenerguss (kurz EP für Ejaculatio praecox) ist eine vielschichtige Angelegenheit und man kann gar nicht oft genug darüber schreiben. Und sprechen. Immerhin haben wir hier die häufigste Sexualstörung des Mannes vor uns. 20 – 25% aller Männer leiden weltweit unabhängig vom Alter irgendwann in ihrem Leben unter diesem garstigen Phänomen. Die klassischen Behandlungsmethoden werden zunehmend in Frage gestellt und die Forschung setzt sich intensiv mit Lösungsmöglichkeiten auseinander. Wo aber die Ursachen nicht eindeutig sind, ist es schwierig, die richtige Therapie zu finden. Allgemein wird heute davon ausgegangen, dass man nicht weiß, woher der vorzeitige Samenerguss nun genau kommt. Zu viele verschiedene Faktoren spielen eine Rolle. Genetik, Nerven und Neurotransmitter treffen auf Psyche und Partnerschaft. Bei jedem einzelnen Mann ist die Kombination anders gewichtet. Deswegen ist es auch so gut wie unmöglich, ein Allheilmittel zu finden.

Von der Unberechenbarkeit der Ejakulation

Es ist vor allem der subjektiv empfundene Leidensdruck, der den Mann umtreibt. Es gab eine Studie, in der die Italiener komplett fehlten. Heißt das, dass es in Italien keinen vorzeitigen Samenerguss gibt? Nein! Das Ergebnis lag schlichtweg daran, dass die italienischen Männer in dieser Studie kein Problem mit dem zu frühen Kommen hatten. Ein Problem ist eben immer erst ein Problem, wenn wir es dazu machen. Dass jemand, der vor, während oder sofort nach dem Eindringen des Penis in den weiblichen oder männlichen Körper einen Samenerguss hat (das ist die gängiste und einfachste Definition), unglücklich über diese Situation ist, versteht sich normalerweise fast von selbst.

So ein vorzeitiger Samenerguss kann einem Mann schon das Leben schwer machen. Dem einen dauerhaft von Anbeginn der sexuellen Karriere an. In dem Fall spricht man von einer „lebenslangen EP“. Bei anderen läuft alles wie geschmiert und auf einmal geht es los, plötzlich oder schleichend. In einer bestimmten Situation, mit einer anderen Partnerin – das nennt man dann die „erworbene EP“. Wer unter einer EP leidet, hat eine stark ansteigende Erregungskurve, die direkt in den Orgasmus mündet. Das macht beiden Partnern keinen Spaß und so meiden viele der Betroffenen intime Körperkontakte, um nicht in diese als furchtbar peinlich empfundene Situation zu geraten. Und was machen Männer, wenn sie ein Problem haben? Sie machen das mit sich aus, greifen zur Selbstmedikation. 41,2 % der Männer einer weiteren Studie griffen zu Alkohol, 15,6% zu anderen Drogen. Und irgendwann, wenn es gar nicht mehr geht, suchen sie sich Hilfe. Und dann kann es endlich losgehen.

Die klassischen Behandlungsansätze

Der erste Ansprechpartner bei Penisproblemen ist zumeist der Urologe. Der wiederum spricht sexuelle Probleme eher ungern von sich aus an und macht es dem Patienten damit oft nicht leicht. Als Mediziner neigen Urologen dazu, den vorzeitigen Samenerguss rein organisch zu betrachten und auch so zu behandeln. Und was gibt es da nicht alles. Cremes, die zur Desensibilisierung vor dem Geschlechtsverkehr auf die Eichel aufgetragen werden sollen. Das kann auch durchaus zu einer Verzögerung der Ejakulation führen, hat aber leider auch zur Folge, dass die Creme Kontakt mit der Vagina bekommt und dort ebenfalls zur Desensibilisierung führt. Er kann nun mit Glück etwas länger, sie gar nicht mehr. Innen beschichtete Kondome wären hier eine gute Lösung, wenn Kondome denn so beliebt wären wie sie notwendig sind. Chirurgische Maßnahmen wie die Vergrößerung der Eichel durch das Einspritzen eines Hyaluronsäure-Gels oder die Durchtrennung von Nerven verleiten auch nicht gerade zu Bocksprüngen. Genauso wenig wie die mittlerweile veraltete Squeeze-Technik. Da wird die Eichel kurz vor dem Erguss schmerzhaft zusammengequetscht. Die Gefahr dabei ist, dass beim Mann aufgrund der Angst vor Schmerzen ein Vermeidungsverhalten einsetzt. Also bitte streicht das aus euren Köpfen!!! Weg mit der Squeeze-Methode! Her mit dem Beckenbodentraining!

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Wenn wir das Problem wie bisher rein auf der Penis-Ebene betrachten, kommen wir nicht weiter. Wie oben angesprochen, treffen verschiedene Faktoren aufeinander: Körper und Psyche sind untrennbar miteinander verbunden. Bei der lebenslangen EP kommen heute vor allem selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Antidepressiva oder das Schmerzmittel Tramadol zum Einsatz. Diese sorgen direkt im Gehirn dafür, dass die Ejakulation um das Vielfache hinausgezögert wird. Seitdem ist die bisher favorisierte Verhaltenstherapie in diesen Fällen kaum noch en vogue. Bei der erworbenen EP hingegen kann sie durchaus zum Einsatz kommen. Die Stop-Start-Methode gehört dabei zu den wenigen tatsächlich hilfreichen Übungen. Dies allerdings auch nur, wenn die Partnerin dabei mitmacht.

Und damit kommen wir zum wichtigsten Punkt: Sexuelle Funktionsstörungen sind immer auch partnerschaftliche Probleme. Es gibt nicht nur einen Symptomträger, sondern zwei Beteiligte. So auch im Fall des vorzeitigen Samenergusses. Studien haben nachgewiesen, dass 77,7% der Frauen, die einen Partner mit einem vorzeitigen Samenerguss haben, selber eine Sexualfunktionsstörung aufweisen. Erstaunlich, oder? Es hilft also nichts, das Paar als Ganzes muss ran. Kommunikationsdefizite, Unzufriedenheit, mangelnde Sensibilität – eine EP trifft besonders häufig im Zusammenhang mit Partnerschaftskonflikten auf. Eine Tablette zu nehmen, hieße dann nur, das Symptom zu unterdrücken, so wie bei einer Schmerztablette gegen Zahnschmerzen, ohne den anschließenden Besuch beim Zahnarzt. Die Ursache an sich bleibt bestehen, wenn das Paar nicht an sich arbeitet. Mittlerweile gibt es Mediziner mit einer sexualmedizinischen Zusatzqualifikation sowie ausgebildete Sexualtherapeuten und –berater, die das Paar auf ihrem Weg begleiten.

 

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Vierlinge mit 65 Jahren – Der Versuch einer Erklärung

Heute morgen beim Bäcker sprang mich folgende Schlagzeile an: „Berliner Lehrerin – Ich bin 65 und erwarte Vierlinge“. Die Bäckersfrau interpretierte meinen Gesichtsausdruck als entgeistert statt begeistert und hielt mit ihrer Meinung auch nicht hinterm Berg. „Wenn die Kinder 20 Jahre alt sind, dann ist die Mutter 85!“ Gut gerechnet, und sicherlich ist das auch ein Gedanke, der vielen Menschen beim Lesen dieser Schlagzeile als erstes in den Sinn schießen wird. Ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse, die die Schwangerschaft nun auch bis zur Geburt begleiten will.

Das Alter der Mutter und die Vierlinge sind für sich genommen schon eine Sensation. Aber das ist noch nicht alles. Die Vierlinge werden bereits 13 Geschwister haben, wenn sie zur Welt kommen. Ihr letztes Baby hat die Lehrerin mit 55 Jahren geboren und war damit auch damals schon in den Schlagzeilen. Was treibt eine vielfache Mutter dazu, so spät unbedingt noch einmal schwanger werden zu wollen? Und warum bin ich eigentlich so angetan von der Schlagzeile? Die Frage zumindest kann ich leicht beantworten: Weil ich jetzt endlich den richtigen Aufhänger für meinen Artikel über die weibliche Form der Perversion, die Reproversion, gefunden habe. Also, los geht’s.

Die Macht der Perversion

Jetzt wird es erst einmal etwas theoretisch. Verdrängte oder verheimlichte Schwangerschaften, Kindstötungen, ausgesetzte Neugeborene, Babyraub, Großmütter, die für ihre Töchter Babys austragen, eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Geburten – das alles sind Störungen der sexuellen Fortpflanzung. Dr. Jens Wessel vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité hat sich in mit dieser Thematik im Besonderen auseinandergesetzt. Im Gegensatz zu den bekannteren Funktionsstörungen wie Lustlosigkeit, vorzeitigem Samenerguss, Störungen der Geschlechtsidentität und der sexuellen Präferenz sind diese weit weniger bekannt. Perversionen, also Störungen der sexuellen Präferenz wie Voyeurismus, Exhibitionismus und Fetischismus spielen bei Männern eine große Rolle, wenn es um die Bewältigung von Grundkonflikten geht. Früher erlebte Situationen der Demütigung, Angst und Verzweiflung werden immer wieder neu inszeniert. Schaut man im therapeutischen Setting genau hin, kann man die ganze Geschichte aufdecken. Perversionen sind „eine schöpferische, kompensatorische, das psychische Gleichgewicht wiederherstellende Leistung des Ichs“. Abhängigkeit und Hilflosigkeit werden in dem Moment der sexuellen Handlung scheinbar überwunden. Perversionen haben für die einzelne Person also durchaus einen Sinn, sind eine Art Selbstheilungsversuche. Und sie müssen einem ganz genauen Drehbuch folgen, um ihre ganze Kraft zu entfalten.

Was aber macht eine Frau, die unter diesem Druck steht, die ihren Konflikt ungelöst in sich trägt? Weibliche Täterinnen finden sich unter Exhibitionisten beispielsweise äußerst selten. Im Gegensatz zu Männern habe ich noch keine Frau im Gebüsch stehen sehen, die mir ihren nackten Unterleib entgegenreckte. Und selbst wenn sie es so machte, würde sie weniger Gefahr laufen, angezeigt zu werden. Schon deshalb rücken Frauen ungleich seltener in das Blickfeld der Justiz. Vielleicht ist ihr Leidensdruck geringer, da sie ihre Perversion unauffälliger ausleben kann. Welcher Mann freut sich nicht über eine vorzeigelustige Dame, die ausgiebig ihre Genitalien präsentiert?

Konfliktlösung über die eigene Fruchtbarkeit

Für Frauen gibt es aber noch einen anderen Weg. Sie verlagern das innere Konfliktgeschehen von den äußeren Genitalien auf die inneren, also auf ihre Fortpflanzungsorgane. Prof. Dr. Beier von der Berliner Charité hat hier den Begriff der Reproversion vorgeschlagen. Die weibliche Perversion, die sich nicht wie beim Mann auf den Lustaspekt der Sexualität konzentriert, sondern auf den der Fruchtbarkeit, der Reproduktion. Haben wir nun genau so einen Fall bei dieser 65-jährigen Mutter? 13 Kinder sind schon da und trotzdem nimmt sie im Ausland mehrfach die Mühen der künstlichen Befruchtung auf sich. Wer sich vier Embryonen einpflanzen lässt, in diesem Fall übrigens aus fremden Eizellen gezeugt (in Deutschland ist dieses Vorgehen durch das Embryonengesetz verboten), und damit das Risiko einer Mehrfach-Geburt auf sich nimmt, wird von einem großen inneren Druck getrieben. Doch woher kommt dieser Druck?

Welche Beweggründe genau dahinter stecken, können wir nur spekulieren. Da ist eine Frau, die um jeden Preis weit jenseits des natürlichen gebärfähigen Alters noch mehr Kinder haben möchte, als sie ohnehin schon hat. Bei diesem extremen Kinderwunsch liegt es nahe, dass es hier einen inneren nach Bewältigung schreienden Konflikt gibt. Die Lehrerin ist bereits Großmutter und könnte die Freuden jederzeit wieder abgebbarer Enkel genießen. Aber nein, hier werden bewusst körperliche und psychische Grenzen ignoriert, mal ganz abgesehen vom Kindeswohl. Und wie groß sind die Chancen, dass die Babys gesund sind und diese besondere Risikoschwangerschaft überstehen? Und was ist mit der Mutter? Wir reden hier von VIER Babys, nicht von einem. Den meisten jungen Müttern wachsen schon Zwillinge über den Kopf. Diese Mutter wird über 70 sein, wenn die Kinder in die Schule kommen. Wie wird es sich wohl für die Kinder anfühlen, wenn sie sich, als Vierlinge ohnehin schon im Mittelpunkt stehend mit einer bald 80-jährigen Mutter durch die Pubertät kämpfen?

Das Unmögliche verstehen

Vielleicht hat diese Frau selber nie die Erfahrung einer sicheren Bindung erlebt und versucht nun, das auf diese Weise zu kompensieren. Je mehr Kinder sie hat, desto mehr sind von ihrer Liebe abhängig, desto mehr Zuwendung bekommt sie selber. Vielleicht ist ihr Selbstwertgefühl so instabil, dass sie sich nur über den Status der Mutter definieren kann. Vielleicht sind die Kinder eine Art Selbstersatz. Wenn wir eine Schlagzeile wie die obige lesen, lohnt es sich jedenfalls, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, bevor wir uns echauffieren. Denn hier scheint sich beispielhaft der Selbstheilungsversuch eines inneren Konfliktes zu zeigen. Alle Bedenken werden über Bord geworfen, es geht einzig um das emotionale Wohl der Mutter. Hier zeigt sich die weibliche Form der Perversion. Das moralisch zu beurteilen, steht mir nicht zu. Aus ethischer Sicht ist diese Schwangerschaft jedenfalls äußerst zweifelhaft. Und wie sieht das die Lehrerin? „Wer sagt eigentlich, dass ich mit 65 nicht Mutter werden kann?“

 

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Wenn die Lust nach der Schwangerschaft verschwindet

Ein Baby verändert alles. Was aber genau, darauf sind nur wenige Paare vorbereitet. Die Vorfreude ist meistens groß, Zukunftspläne werden geschmiedet und der Sex ist toll, schließlich soll dabei ja ein neues Leben entstehen. Nach der Geburt kommt dann die große Krise. Aus dem Duo wird ein Trio, aus Geliebten werden Eltern, die Beziehung wird auf den Kopf gestellt. Im Mittelpunkt steht jetzt das neue Familienmitglied. Bei vielen bleibt die Sexualität komplett auf der Strecke, weil die Frauen einfach keine Lust mehr haben. Die Schuld suchen sie oft bei sich, denn schließlich war ja vorher auch alles ganz wunderbar. Jede Berührung wird zum Problem, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlt und er sich zurückgewiesen. Mangelndes Verständnis, Eifersucht und gegenseitige Schuldzuweisungen sind an der Tagesordnung. Manche Paare kommen von selber aus dieser Situation heraus, andere nehmen Hilfe in Anspruch, schlimmstenfalls kommt es zur Trennung. Was aber steckt dahinter, wenn Frauen nach der Geburt die Lust so vollkommen abhanden kommt? Und was kann ein Paar dagegen machen?

Schlafentzug und mangelnde Anerkennung sind wahre Lustkiller

Ein Baby stellt das Leben einer Frau auf den Kopf. Plötzlich ist sie komplett mit Kind und Haushalt beschäftigt und dabei ja oft auch überlastet und gestresst. Dazu kommen Schlafentzug und nach der Elternzeit die Rückkehr in den Job. Wer unter Stress leidet, hat selten Lust – auch ohne Kind. Wenn der Nachwuchs abends im Bett ist, steht nur wenigen der Sinn nach entspannter Erotik. Dazu ist die Erschöpfung viel zu groß. Ab ins Bett und Licht aus heißt die Devise. Allzu oft wird die Nacht ohnehin vom Nachwuchs unterbrochen. Wenn Leidenschaft stattfinden soll, ist es ganz wichtig, Ruhezonen zu schaffen. Einen Tag oder Abend in der Woche, an dem das Paar nur für sich da sein kann. Wenn es irgendwie geht, auch mal ein ganzes Wochenende, um Energie aufzutanken und um einfach nur Liebende zu sein, keine Eltern. Eine abgeschlossene Schlafzimmertür sorgt dafür, nicht die ganze Zeit im Hinterkopf haben zu müssen, dass da vielleicht gleich der Nachwuchs am Bett steht und den Eltern beim Liebespiel zuschaut. Auch das kann durchaus entspannend wirken J

So mancher Mann nimmt die Belastung seiner Partnerin gar nicht wahr. Die fehlende Anerkennung führt zu einem Ungleichgewicht in der Partnerschaft. Und wenn einer Frau gerade auch durch den Partner keine Wertschätzung für das, was sie jeden Tag leistet, entgegengebracht wird, ist es für sie besonders schwer, ihm dann sexuell entgegen zu kommen. Was gar nicht geht, ist Forderungen zu stellen und die Frau damit unter Druck zu setzen. Darauf reagieren wir alle mit Abwehr. Es ist für einen Mann sicherlich nur schwer nachzuvollziehen, was Schwangerschaft, Geburt, Stillen und Versorgen so eines kleinen Menschen bedeuten. Es ist aber so unendlich wichtig, dass er sich Mühe gibt, das zu verstehen. Er sollte sich zurücknehmen, seiner Frau Zeit geben und sie unterstützen. Damit stärkt er das Wir-Gefühl und demonstriert eine Einheit. Und je mehr er auf ihre Bedürfnisse eingeht, desto eher kann sie sich auch den seinen öffnen.

Von der Geliebten zum Mutterschiff

Viele Frauen genießen die Schwangerschaft sehr. Sie fühlen sich weiblich und auf eine für sie neue Weise bestärkt. Sie gewinnen Selbstvertrauen durch das Leben, das in ihnen wächst. Andere fühlen sich einfach nur dick und unförmig und so gar nicht attraktiv. Da ist dann das Fingerspitzengefühl des Partners gefragt. Nach der Geburt dauert es sechs bis acht Wochen, bis die Geburtswunden verheilt sind und Sex theoretisch wieder möglich ist. Wenn Lust da ist, sollte vorsichtig ausgetestet werden, wie weit sich beide trauen. Zur Unterstützung der Feuchtigkeit der Scheide kann ein Gleitmittel verwendet werden. Ihre neue Rolle und die Fremdbestimmung durch das Baby machen es vielen Frauen schwer, sich besonders in der so intensiven Anfangszeit nicht nur als Mutter sondern auch als Frau und Geliebte zu sehen. Ein noch nicht zurückgebildeter Bauch und empfindliche Brüste während der Stillzeit tragen ihres dazu bei. Es ist übrigens nicht ungewöhnlich, wenn auch der frischgebackene Vater die ersten Monate keine Lust auf Sex hat. Brüste und Vagina seiner Partnerin, die bisher vorrangig Lust und Erotik bedeuteten, sind ja nun erst einmal auf ihre natürliche Funktion beschränkt. Da können schon mal Berührungsängste aufkommen.

Es gibt viele Ausdrucksformen von Liebe – Sex ist nur eine davon

Wenn aus zwei Liebenden Eltern werden, verändert sich die ganze Beziehung. So sehr auch der Vater das Kind liebt, ist es für ihn doch eine ganz andere Situation. Für die Mutter steht besonders in der ersten Zeit nach der Geburt nicht mehr der Partner an erster Stelle, sondern das Kind, das so komplett auf sie angewiesen ist. Es nimmt durch diese Bedürftigkeit all ihre körperliche und seelische Aufmerksamkeit in Anspruch. Durch so viel Nähe und Intimität ist ihr Bedarf an Zärtlichkeit häufig bereits gedeckt, so dass nur noch wenig Raum für den Partner bleibt. Verständlich, dass sich ein Mann dadurch zurückgesetzt fühlen kann. Die Liebe zum Partner hat sich jedoch gar nicht geändert. Es ist einfach nur das Baby, das erst einmal im Vordergrund steht.

Fakt ist, dass viele Männer nicht einfach nur Zärtlichkeit und Nähe geben können, sondern dann auch gleich mit ihrer Partnerin schlafen möchten. Und das führt dazu, dass diese schon bei der ersten Umarmung zurückzuckt und denkt, oh nein, nicht schon wieder. Sie fühlt sich bedrängt, wenn er sie anfasst und denkt, es ginge ihm nur um den Sex, nicht aber um sie. Er wiederum hat zunehmend das Gefühl, sie liebe ihn nicht mehr, da sie immer abwehrend auf seine Liebesbekundungen reagiert. Ich kann dazu nur sagen, Männer, nehmt Euch zurück und belasst es einfach mal selbstlos bei einer Umarmung oder einer wohltuenden Massage. Dann kann sich Eure Partnerin viel besser entspannen. Und wer entspannt ist und sich nicht bedrängt fühlt, hat auch eher mal Lust auf Sex. Aber auch für eine Frau ist es wichtig zu verstehen, dass Sex für ihn ein Weg ist, sich ihrer Liebe zu vergewissern. Daher sollte sie ihm auf andere Weise zeigen oder sagen, dass sie ihn immer noch liebt und dass er ganz wichtig für sie ist. Redet über Eure Gefühle! Wenn die Kinder dann größer werden, nicht mehr so viel Raum einnehmen und die Mutter nicht länger regelrecht aufsaugen, entsteht auch zum Partner wieder eine größere Nähe und die Beziehung wird wieder wichtiger.

Gemeinsam sind wir stark

Wenn man also vorbereitet ist auf die Veränderungen, die ein Baby so mit sich bringt, wenn man Vertrauen in den Partner hat und sich gegenseitig Verständnis und Anerkennung entgegenbringt, ist es viel einfacher, diese Phase der Lustlosigkeit gemeinsam durchzustehen. Und wenn man dann auch noch von vorneherein weiß, dass es durch die ganzen Umstellungen zu Problemen kommen kann, läuft man nicht blind ins Messer. Sollte sich die Situation nach einem Jahr jedoch noch nicht wieder eingependelt haben, macht es Sinn, mit jemandem zu sprechen und mögliche Kommunikationsprobleme aufzuarbeiten. Wenn in kurzem Abstand eine weitere Schwangerschaft erfolgt oder mit einem Mal Zwillinge zur Welt gebracht werden, die die Aufmerksamkeit der Mutter doppelt beanspruchen, kann sich der Zeitraum bis zur Normalisierung natürlich weiter hinaus zögern. Wenn die Eltern dann aber erst einmal wieder Zeit für sich haben, kann es durchaus passieren, dass sie sich und auch ihre Sexualität ganz neu entdecken!

 

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