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Abgeschminkt? Ungeschminkt!

Ich bin begeistert: Alicia Keys schminkt sich nicht mehr. Und dies nicht nur nicht in ihrem privaten Leben, nein, in Zukunft auch nicht mehr vor der Kamera. Gar nicht mehr und vielleicht sogar nie wieder. Und offensichtlich zieht Heidi Klum nach. Die zwar nicht immer, dafür aber immer öfter. Die beiden Frauen scheinen mit ihrem neuen Outfit die Stars- und Sternchen-Presse angefixt zu haben. Denn dort regen sich die einen hemmungslos darüber auf. Und die anderen finden es super. Mir wurde beim Augenbrauenfärben (nebenbei bemerkt ist das meine wichtigste Schönheitsveränderung) dann auch dazu mitgeteilt, dass Alicia Keys ohne Make up doch so müde aussähe. Tut sie das? Allerdings habe ich das auch schon zu hören bekommen, wenn ich irgendwo ganz unerwartet ohne Farbe im Gesicht auftauche. „Bist du krank? Du siehst so müde aus!“ Dürfen wir uns nicht so zeigen? Erschrecken wir mit unseren ungeschminkten Gesichtern alle uns Nahestehenden? Oder zeigen wir damit Selbstbewusstsein?

Kunstobjekt Frau

Es ist an sich schon bemerkenswert, dass solche Nachrichten überhaupt derartige Wellen schlagen. Immerhin dreht es sich doch nur um ein bisschen bunte Farbe im Gesicht. So könnte man meinen. Doch es ist weit mehr. Wir Frauen verstecken dahinter unser tatsächliches Aussehen. Freiwillig. Zusammen mit aufwändigen Frisuren und auffallender Kleidung werden aus den Frauen in den Medien Kunstobjekte. Keine Frau sieht WIRKLICH so aus. Aber obwohl wir das alle wissen sollten, wollen wir mindestens genauso gut aussehen, damit wir uns glücklich und zufrieden fühlen. Und schon grämen wir uns, wenn wir nach dem Aufwachen nicht Angelina Jolie oder Heidi Klum gleichen. Die wiederum in genau solchen Momenten vermutlich auch nicht anders aussehen als das, was uns da gerade aus dem Badezimmerspiegel entgegen blickt. Und so gibt es diesen Schönheitswahn eben auch in unserem ganz normalen Leben. Ungeschminkt läuft  zuweilen selbst die beste Freundin an uns vorbei. „Äh, war das nicht gerade….?“ Man könnte es auch die Burka des Westens nennen. Wenn man sich Vorher-Nachher-Bilder von Modells ansieht, könnte man vermuten, gerade auf Dr. Jekyll und Mr. Hyde getroffen zu sein. Tatsächlich habe ich eine Braut schon einmal nicht wiedererkannt. Sie hatte sich derart verändert, dass sie keinerlei Ähnlichkeit mehr mit der Frau aufwies, die ich vorher kennen gelernt hatte. Es scheint sich jedoch eine Trendwende anzubahnen. Denn mir fallen immer mehr Frauen auf, die im Naturlook durch die Welt laufen. Und das finde ich nun wirklich bemerkenswert.

Natürlich schöner

Irgendwie ist das Schminken doch eine Form der Selbstzensur. Natürlich sagen wir, dass wir das nur für uns machen. Wirklich? Nur für uns? Nicht etwa, weil wir anderen gefallen wollen und glauben, Schönheit sei doch ziemlich wichtig? Ich selber kann zumindest auf eine lange Geschichte mit Make up zurückblicken. Früher habe ich mich sogar geschminkt, wenn ich nur zum Briefkasten gegangen bin. „Man weiß ja nie, wen man trifft“, dachte ich immer. Und so war es dann auch. Eines Nachmittags ging ich ungeschminkt durch den Volkspark, als ich auf einen Exfreund und dessen neue Ehefrau traf. „Oh Gott“, dachte ich, „ausgerechnet heute!“ Es kam mir vor, als sei ich weniger wert, wenn ich so aussehe, wie ich aussehe. Meine Wimpern und Augenbrauen sind ganz hell und insgesamt zähle ich vom Typ her zu den Rotblonden. Mein halbes Leben lang dachte ich, so könne eine Frau doch nicht aussehen. Frauen brauchen schließlich Augenbrauen und Wimpern. Immerhin hatte meine Mutter immer schwarzgefärbte Striche über den Augen. Die, gefärbte Wimpern und Lippenstift gehörten zu ihrer Grundausstattung. Das prägt. Also habe ich das übernommen und ausgebaut. Die echte Haarfarbe meiner Mutter kenne ich übrigens nur von alten Fotos. Ich habe sie nie wirklich gesehen. Sie hat sie Zeit ihres Lebens blondiert, da rote Haare  oft ein Anstoß für Hänseleien waren. Davon kann mein rothaariger Bruder nun wieder ein Lied singen.

Auch meine helle Hautfarbe konnte ich erst akzeptieren, als mir irgendwann auffiel, dass die Stilikone Madonna ebenfalls hellhäutig ist und dies auch schon immer ganz selbstverständlich zur Schau stellt. Gerade erst wurde ich gefragt, ob es im Urlaub keine Sonne gegeben hätte… Pf, das prallt heute an mir ab. Lichtschutzfaktor 50, sage ich da nur. Bis ich mich an mein eigenes ungeschminktes Gesicht gewöhnen konnte, dauerte es trotzdem noch viele Jahre. Nur im Urlaub, wenn mein Blick nicht ständig in den Spiegel fiel, hat mich das nicht interessiert. Aber kaum war ich zuhause, kam sofort wieder Farbe drauf. Bis mir eine Freundin mit ebenso hellem Teint glaubhaft versicherte, dass ich in rothaarig ein ganz besonderer Typ sei. Nö, wirklich??? Ich gebe zu, der Wandel kam nicht aus mir heraus sondern von außen. Jemand anders hat mich davon überzeugte, mich zu zeigen, wie ich bin. Und was soll ich sagen, heute laufe ich zumindest im Alltag sehr oft ungeschminkt herum. Naja, bis auf den roten Lippenstift. Ganz ohne geht dann wohl doch nicht. Und was soll ich sagen, ich habe morgens viel mehr Zeit. Ich brauche nicht lange zu überlegen, welcher Lidschatten zum meinem Outfit passt und habe keine schwarzen und bunten Abdrücke mehr in meinen schönen Handtüchern. Herrlich! Trotzdem kann ich nicht so weit gehen wie Alicia Keys. Wenn wichtige Termine oder Fotos anstehen, werde ich mich wohl weiterhin schminken. Und vielleicht ist das auch ok.

Oder sind Männer benachteiligt?

Warum mögen wir Frauen uns ohne Make up nicht leiden? Warum glauben wir, uns ohne nicht zeigen zu dürfen? Warum ist unsere Selbstwahrnehmung so verzerrt? Warum schmücken wir uns mit Farben, falschen Wimpern, Permanent Make up oder falschen Haarteilen? Ist das etwa evolutionär bedingt? Ein kleiner Seitenhieb in diese Richtung… Wer sagt uns, dass wir nicht schön genug seien, wenn wir uns so zeigen, wie wir wirklich aussehen? Männer haben sich doch schließlich auch nicht so. Die zeigen sich, wie sie sind. Oder ist genau dies die wahre Ungerechtigkeit? Männer dürfen ihre Hautunreinheiten nicht hinter Make up verstecken. Sie dürfen ihre „Vorzüge“ nicht hervorheben. Denn kaum hat ein Mann mehr Pflegeartikel im Badezimmer als die spionierende Frau, gibt es schon kleine Seitenbemerkungen. Männer MÜSSEN also regelrecht so sein, wie sie sind. Kajal? Völlig absurd, es sei denn, es handelt sich um Stars wie Prince oder David Bowie. Oder Captain Jack Sparrow. Der ist heiß mit seinem Kajal und sorgt bestimmt für den einen oder anderen weiblichen feuchten Traum. Nein, für Männer gilt ein anderes Schönheitsideal. Wenn Männer so aussehen, wie sie sind, sind sie männlich. Wenn Frauen so aussehen, wie sie sind, gelten sie als ungepflegt. Männer dürfen zum Beispiel Achselhaare haben! Aber Frauen? Igitt! Männer tragen flache Schuhe zum Anzug, keine Highheels. Zumindest normalerweise. Ich weiß, was ist schon normal? Aber das ist übrigens auch etwas, das mir zunehmend auffällt. Immer weniger Frauen tragen im Alltag hohe Absätze und laufen stattdessen lieber bequem herum. Vielleicht leide ich auch nur unter selektiver Wahrnehmung.

Zeigen wir doch lieber, was wir drauf haben

Wir quetschen uns in ein Korsett aus Make up, einengender Kleidung und unbequemen Schuhe und behaupten dann, das alles mache uns gar nichts aus. Wirklich? Oder ist das vielmehr unsere Art der Selbstzensur, weil wir gefallen möchten? Denn darauf sind wir wirklich trainiert. Schon kleine Mädchen werden mit Schleifchen und hübschen Kleidern herausgeputzt. Sie strahlen über das ganze Gesichtchen, wenn die Erwachsenen in die Hände klatschen und rufen „Oh, wie süß!“ oder „Oh, wie niedlich!“. Dabei geht es nicht darum, wer dieses Mädchen ist, wie sie denkt oder was sie fühlt. Es geht nur darum, wie sie aussieht. Und so geht es später weiter. Der Druck ist immens. Mädchen hungern auf lebensgefährliche Art und Weise, um ja schlank und schön zu sein. Wir machen uns selbst zum Objekt und reduzieren uns damit auf unser Aussehen. Aber wollen wir wirklich nur danach beurteilt werden? Ich sage, nein! Denn in uns steckt so viel mehr! Und jede Frau  ist toll und auch einzigartig. Jede ist so, wie sie ist. Also seid mutig und zeigt euch, wie ihr wirklich seid. Wenigstens manchmal. Zeigt, was Ihr drauf habt und nicht nur, dass ihr hübsch aussehen könnt! Ich denke gerade an Angela Merkel. Keine schöne Frau. Aber eine Frau mit viel Macht.

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Liebe Deine Vagina

Die meisten Frauen wissen schon ganz genau, wie ihr Körper aussieht. Besonders oft stehen wir vor dem Spiegel und schauen uns an, was uns nicht gefällt. Schade eigentlich, denn dabei übersehen wir die Schönheit unseres Körpers. Allerdings gibt es da auch noch einen Bereich, dem so gar keine Beachtung geschenkt wird. Und das ist der zwischen unseren Beinen. Welche Frau setzt sich schon regelmäßig mit einem Spiegel in der Hand hin und schaut sich ihr Geschlecht an. Ganz im Gegenteil herrscht hier sogar eine erstaunliche Unkenntnis der weiblichen Anatomie. Wir haben ja drei Ausgänge da unten. Scheide, Harnröhre, und After. In welcher Reihenfolge? Ich habe das hier mal absichtlich durcheinander gebracht. Richtig liegt, wer Harnröhre, Scheide, After getippt hat. Männer wissen zumeist besser Bescheid über den Intimbereich ihrer Partnerin als diese selbst. Das kann doch eigentlich nicht sein, oder?! Woran liegt diese weibliche Zurückhaltung und wie können wir das ändern?

Mal wieder sind die Eltern schuld

Ja, das sind sie tatsächlich, denn der Grundstein wird schon in der frühkindlichen Sexualerziehung gelegt. Ich möchte aber hinzufügen, dass sie das natürlich nicht mit Absicht machen. Eltern kennen das: ihr kleiner Junge pinkelt in hohem Bogen quer über den Wickeltisch in Richtung Elterngesicht. Gejauchze, wie lustig, dieser kleine Penis, was der schon alles kann! Und er legt noch einen drauf und überrascht mit einer winzigen Erektion. Wow! So früh schon! Während der Penis also hervorsticht und förmlich nach Beachtung schreit, liegt das Lustzentrum eines Mädchens versteckt und wird oft mit Missachtung gestraft. Benannt werden Arme, Beine, Bauch, nur die Vagina scheint namenloses Terrain zu sein. Dass Eltern bei der ganzen Missbrauchsdebatte vorsichtig sind, ist absolut verständlich. Nur schleichen sich bei dem kleinen Mädchen erste Zweifel ein, ob das da unten alles so seine Richtigkeit hat. Und so geht es auch weiter. Während der Junge seinen Penis ausgiebig begutachten kann, müsste ein Mädchen schon zu den Zirkusattraktionen gehören, wollte es mit eigenen Augen bewundern, was es da zwischen den Beinen hat.

Irgendwann kommt es dann in der Pubertät oder sogar erst im Erwachsenenalter auf die großartige Idee, einen Spiegel zu Hilfe zu nehmen, um endlich nachzuschauen. Und da kommt oft die nächste Ernüchterung. Ich habe keine Zahlen, aber nach meiner Erfahrung finden nur wenige Frauen ihre Vulva auf den ersten Blick schön. Sehr viel häufiger stellt sich sogar ein Ekelgefühl ein. Männer können das kaum nachvollziehen. Zumindest für die Heterosexuellen ist das Geschlecht einer Frau ein ganz einzigartiger und absolut antörnender Anblick. Sie bekommen nicht genug davon, wollen es sehen, anfassen, schmecken, darin eintauchen. Mit Glück lernen die Frauen durch die Augen der Männer dann im Verlauf ihrer sexuellen Erfahrungen ihr eigenes Geschlecht lieben. Natürlich nur, wenn sie eine positive Rückmeldung bekommen. Deshalb appelliere ich hier an die Männer: Sagt eurer Liebsten, wie schön ihr ihre Vulva findet!

Überwindet Euch – schaut Euch an, berührt Euch und lasst Euch anschauen!

In der klassischen Sexualtherapie gibt es ein schöne Methode, die sich abgewandelt auch bei der orgasmischen Meditation (der Artikel kommt noch) wiederfindet: Die Betrachtung und Beschreibung des Genitalbereichs. Es erfordert etwas Mut von der Frau, aber es lohnt sich. Immerhin winkt ein entspanntes Verhältnis zur eigenen Lust.

  1. Mit gespreizten Beinen setzt ihr euch bequem ins Bett, lehnt euch an und betrachtet mit einem Handspiegel zuerst oberflächlich den gesamten Genitalbereich und dann detailliert die inneren Labien. Welche Farbe und Form haben diese und wie fühlen sie sich an? Wo ist die Klitoris unter ihrem „Häubchen“, wo ist der Harnröhrenausgang, wo der Scheideneingang und wo Damm und Anus? Danach könnt ihr euch entspannen und überall am Körper streicheln.
  2. Im nächsten Schritt könnt ihr euch über Berührungen erforschen. Ihr könnt berühren, tasten und streicheln und dadurch herausfinden, welche Art und Stärke angenehm ist und wo ihr besonders sensibel seid. Manchmal hilft auch hier ein Spiegel, um zu sehen, wo ihr euch gerade befindet. Dabei könnt ihr auch eine Gleitcreme verwenden, da eure eigene Feuchtigkeit über eine längere Zeit nicht ausreichen wird. Und auch hier könnt ihr euch hinterher streicheln.
  3. Wenn ihr soweit seid, kann euer Partner dazukommen. Nun setzt er sich vor eure gespreizten Beine und beschreibt genau, was er sieht. Respektvoll und wertschätzend sollte das sein, damit ihr euch wohlfühlen und entspannen könnt. Und wieder darf hinterher gestreichelt werden.

Lasst euch dabei Zeit und geht immer nur so weit, wie ihr es in dem Moment könnt. Vielleicht mögt ihr zuerst nur kurz hinsehen und beim nächsten Mal schon etwas länger. Vielleicht dauert es, bis ihr Euch zu der Übung mit eurem Partner traut. Das ist völlig in Ordnung. Die Übung ist dazu da, diesen so oft vernachlässigten und ungeliebten Körperteil in das eigene Körperbild zu integrieren. Ein wunderbarer Nebeneffekt ist die Intimität, die sich einstellt, wenn ein Paar sich so nah ist. Apropos Paar, natürlich ist die Übung andersherum auch für euren Partner geeignet! Männer kennen zwar ihren Penis ganz genau. Aber was da noch so alles ist, wie die Unterseite des Penis, Hodensack, Damm und Anus, entzieht sich auch hier oft der Aufmerksamkeit.

 

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