Schlagwort-Archive: Safer Sex

Keine Ausreden mehr! Her mit dem Kondom!

Dank gezielt gestreuter Werbung weiß heute fast jeder, dass Kondome Schutz bieten vor ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Infektionen (STI). . In der Schule wird heute früh aufgeklärt. An Holzdildos oder Bananen lernen die SchülerInnen das Aufziehen teilweise lange vor dem ersten Ernstfall. Früher war das anders. Mein erster Kontakt war auf einem Geburtstag bei einer Schulfreundin. Da war ich vielleicht zwölf und hatte von Tuten und Blasen noch wirklich keine Ahnung. Die Jungs zogen die Kondome auf einer öffentlichen Herrentoilette aus dem Automaten und funktionierten sie zu Wasserbomben um. Dies sorgte für großes, aber auch peinlich berührtes Gelächter. Welchem Zweck die Kondome eigentlich dienten, das wusste ich noch nicht wirklich. Ob die anderen es wussten? Das glaube ich eigentlich auch nicht. Heute ist das ja nun zum Glück etwas anders. Die Mach’s mit-Plakate und die lustigen TV-Spots der BzgA haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Kondome gesellschaftsfähig geworden sind. Die Hemmschwelle beim Kauf und Gebrauch wurde eindeutig gesenkt. Trotzdem gibt es immer noch eine Menge Stolperfallen auf dem Weg zum sicheren Sex. Und zwar nicht nur bei AnfängerInnen. Auch ältere Menschen, die sich nach einer langen Partnerschaft ins sexuelle Abenteuer stürzen, haben hier oft noch keine Erfahrungen.

Die erste Hürde: Der Einkauf

Möchte man ein Kondom benutzen, muss man erst einmal eines haben. Man kann sie an vielen verschiedenen Orten kaufen: In der Apotheke, in der Drogerie, im Supermarkt, im Sexshop oder ganz anonym im Internet. Für gestandene Liebhaber und Liebhaberinnen stellt es kein Problem dar, sich mit der sichtbaren Ankündigung von Sex in die Schlange an der Kasse einzureihen. Für die Schüchternen und auch die Anfänger sieht das hingegen doch häufig etwas anders aus. Somit kann das schon die erste Hürde sein, an der sie scheitern. Dabei fällt mir auf, dass ich häufiger gedankenverloren auf die Waren auf dem Fließband vor mir starre – Kondome habe ich auf dem Laufband aber noch nie gesehen. Ein Supermarkt scheint nicht die erste Adresse zu sein, wenn es um derart persönliche Einkäufe geht. Vertrauenerweckende Apotheken oder der anonyme Versand über das Internet sind da schon eher geeignet.

Ein, zwei, drei – Welche Sorte wünsche ich mir herbei?

Die nächste Frage: Welches Kondom soll es denn sein? Mit Geschmacksrichtung, farbig, feucht oder trocken, mit Noppen oder im Dunkeln leuchtend. Es gibt hauchdünne Kondome und auch dickere, die besonders gut für den Analverkehr geeignet sind. Innen mit Benzocain oder Lidocain beschichtete Kondome sollen die Empfindlichkeit der Eichel herabsetzen. Das soll Männern helfen, die unter einem vorzeitigen Samenerguss leiden. Hier hat jede/r eigene Vorlieben. Wichtig ist, dass das Kondom das Prüfsiegel CE hat und  sich noch innerhalb des Haltbarkeitsdatums befindet. Vor dem Kauf also kurz innehalten und überlegen, welches es denn nun genau sein soll.

Weniger ist manchmal mehr

Die richtige Größe ist absolut wichtig. Ein zu kleines Kondom kann reißen. Ein zu großes Kondom (und Männer neigen gern zu Übertreibungen) kann abrutschen. Penisse sind nun einmal von Träger zu Träger sehr unterschiedlich. Und so gibt es Kondome auch in verschiedenen Größen und Formen. Entscheidender als die Länge ist zwar der Umfang. Trotzdem ist beides wichtig. Also nehmt euch ein Maßband und messt euren Liebling aus. Die Länge wird im erigierten Zustand von der Peniswurzel bis zur Eichel gemessen und der Umfang an der dicksten Stelle. Auf der Seite der BzgA gibt es als Hilfe ein Online-Kondometer. Mit dem könnt ihr ganz einfach herausfinden, welche Kondomgröße ihr habt.

Aufgepasst bei der Lagerung!

Endlich habt ihr das richtige Kondom gefunden und gekauft. Jetzt muss es im passenden Moment auch zur Hand sein. Entgegen der allgemeinen Gewohnheit sind Portemonnaie oder  osentasche keine guten Aufbewahrungsorte. Hier kann das Material durch Reibung, Druck und Wärme porös werden und beim Gebrauch reißen. Das wäre blöd. Besser ist es daher, Kondome in einer kleinen Schachtel oder Dosen aufzubewahren. Aufpassen im Urlaub: Temperaturen über 30 Grad sind ebenfalls schlecht für das Material!

Seid mutig und übernehmt Verantwortung

Endlich geht es zur Sache und der Augenblick der Glückseligkeit naht. Doch wie sagt ihr nun, dass ihr ein Kondom dabei habt? Denkt er, ihr seid leicht zu haben, wenn ihr vorsorgt? Denkt sie, ihr würdet nur das Eine wollen? Diese Gedanken plagen weniger die erfahrene Liebhaber und Liebhaberinnen oder Beziehungserprobte. Vielmehr sind dies Gedanken, die eher junge oder unerfahrene Menschen aus Scham davon abhalten, für sich selber zu sorgen. Sie halten davon ab, sich zu schützen. Ganz besonders, wenn die Schwangerschaftsverhütung schon durch ander Verhütungsmethoden gesichert ist. Kondome schützen aber nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften. Sie sind ein fester Bestandteil des Safer Sex und schützen somit auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten (STI). Mit denen ist nun wirklich nicht zu spaßen. Seid also mutig: Holt das Kondom einfach raus und haltet es eurem Liebspartner oder eurer Liebespartnerin vor die Nase. Oder legt es ganz selbstverständlich auf den Nachttisch, klemmt es zwischen die Zähne, redet darüber. So ein Kondom könnt ihr auch in das Liebesspiel einbeziehen. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, es mit den Lippen überzustreifen? Oder es direkt an einen kleinen Handjob anzuschließen? Oder macht eine große Show daraus? Abrakadabra Fidibus! Humor schadet sowieso nie und lockert so manche befangene Stimmung auf.

Gewusst wie

Kondompackungen sollten immer auf der gezackten Seite aufgerissen und vorsichtig aus der Hülle gezogen werden. Scheren sind hier ein Tabu. Genauso wie spitze oder eingerissene Nägel könnten sie das Material verletzen. Passt also gut auf. Ein noch so kleiner Riss kann Jahre später zu einer Einladung zum Abiball eures Kindes führen. Das kleine Reservoir oben am Kondom wird später das Sperma auffangen. Dafür muss genügend Platz da sein. Deshalb wird es beim Aufziehen mit zwei Fingern zusammengedrückt. Nun wird das Kondom auf die Eichel gelegt und vorsichtig über dem Penis abgerollt. Wenn sich das Kondom so gar nicht abrollen lässt, liegt es vermutlich falsch herum. Aufgepasst! Schon vor dem Sex können sich erste Lusttropfen mit Spermien auf der Eichel befinden. Deshalb darf es nicht einfach umgedreht werden. Hier muss auf jeden Fall ein neues KOndom her! Wenn ihr Latexkondome benutzt, dürfen diese nicht mit öl- oder fetthaltigen Gleitmitteln verwendet werden, da auch davon das Material porös wird. Ein Tipp noch: Wenn ihr den Penis oder auch ein Sextoy aus Vagina oder Anus herauszieht, solltet ihr das Kondom festhalten, damit es nicht am Ende aus Versehen abrutscht oder hängenbleibt. Stürzt ihr euch erneut ins Vergnügen, muss natürlich ein neues Kondom her!

 

Copyright by ORION

Dieser Artikel wurde veröffentlicht auf: http://www.idee-fuer-mich.de/keine-ausreden-mehr-her-mit-dem-kondom-1517.html

Werbeanzeigen

Unfälle bei Verhütung und Safer Sex

Oh mein Gott, wo ist das Kondom geblieben??? Wem ist das nicht schon einmal passiert? Abgerutschte, gerissene oder steckengebliebene Kondome, verrutschte Diaphragmas, vergessene Pillen, komplett an gar nichts gedacht – Verhütungspannen sind keine Seltenheit, das kann schon mal vorkommen. Beim Verhüten geht es jedoch nicht nur um ungewollte Schwangerschaften. Auch vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) muss man sich schützen, vor allem, wenn man Sex mit neuen oder wechselnden Partnern hat. Was aber kann man im Notfall machen, wenn man sich nicht geschützt hat oder es einen Unfall gab?

Unfallort Verhütung

Sofortmaßnahmen in Sachen Schwangerschaftsverhütung sind die Pille danach und die Spirale danach. Die Pille danach sollte möglichst sofort, je nach Präparat spätestens aber fünf Tage nach der Verhütungspanne eingenommen werden. Es gibt sie seit dem 15. März 2015 rezeptfrei in jeder Apotheke zu kaufen. Das bedeutet, dass Ihr nicht erst zu einem Arzt gehen müsst. Auch die Apotheker sind dazu angehalten, Aufklärungsgespräche zu führen. Wer sich mit der Einnahme allerdings unsicher ist oder nicht an einem öffentlichen Ort über so etwas Intimes zu sprechen möchte, kann natürlich trotzdem zum Arzt gehen. Die Spirale danach ist eine Kupferspirale und kann ebenfalls bis zu fünf Tage nach der Panne eingesetzt werden. Sie ist vor allem dann geeignet, wenn eine Frau sich ohnehin für diese Art der Verhütung interessiert. Denn sie verbleibt in der Gebärmutter und sorgt ab dem Einsetzen drei bis fünf Jahre lang für dauerhaften Schutz.

Nicht jede vergessene Pille bedeutet gleich den Verlust des Verhütungsschutzes. Je nach Präparat ist das abhängig davon, zu welchem Zeitpunkt und wie oft sie vergessen wurde. Oft wird allerdings nur daran gedacht, wenn eine Pille vor dem Sex vergessen wurde. Spermien überleben aber bis zu sieben Tage in einer Vagina. Deshalb muss auch nach dem Sex auf die korrekte Einnahme bzw. Notfallmaßnahme geachtet werden! Nähere Informationen zu dem Thema und auch zu Pannen mit anderen Verhütungsmitteln findet Ihr leicht verständlich geschrieben auf der Seite der Familienplanung unter: http://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungspannen/

Unfallort Safer Sex

Kommen wir zu der anderen Baustelle: Unfälle beim Umgang mit Safer Sex. Es gibt jede Menge STI und die werden nicht nur beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Immer wenn infizierte Körperflüssigkeiten oder Blut auf Schleimhäute und offene Wunden treffen, können Krankheitserreger übertragen werden. Auch Oralverkehr kann ein möglicher Übertragungsweg sein. Schon deshalb ist das Abspritzen „aus Versehen“ beim Blow Job kein Kavaliersdelikt. Sollte Sperma trotzdem in die Mundhöhle gelangt sein, sofort ausspucken und mit möglichst hochprozentigem Alkohol ausspülen. Wenn Sperma mit den Vaginal- oder Analschleimhäuten in Kontakt gekommen ist, könnt Ihr Euch äußerlich abspülen. Da herrscht Gleichberechtigung, abspülen können sich beide. Beim Penis sollte dabei auch die Vorhaut zurückgezogen werden. Innerliches Ausspülen oder gar ein Einlauf sind hingegen gar keine gute Idee, da die Krankheitserreger noch tiefer nach innen gelangen könnten. Besser ist es in dem Fall, durch Pressen der Vagina oder den Versuch, Stuhlgang zu erzeugen, das Sperma herauszudrücken.

Bei HIV haben wir noch einen Sonderfall. Wenn ein Partner bereits HIV-positiv ist, helfen nach einer Panne Medikamente, die über die Dauer von vier Wochen eingenommen werden, die sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP). Da heißt es sofort: Ab zum Arzt! Denn mit der Einnahme muss so schnell wie möglich begonnen werden, am Besten bereits zwei Stunden nach der Panne, spätestens aber 48 Stunden danach! Und so einfach ist das gar nicht, gerade nachts oder am Wochenende innerhalb von zwei Stunden zu einem Arzt zu kommen, denn die PEP kann dann nur in spezialisierten Krankenhäusern und Arztpraxen verschrieben werden. Hier findet Ihr die Adressen von Kliniken, in denen das möglich ist: http://www.aidshilfe.de/de/adressen/pep-kliniken Tagsüber könnt Ihr auch in HIV-Schwerpunktpraxen gehen. Dazu findet Ihr hier eine Liste: http://deutschland.hiv-facts.net/downloads/hivschwerpunktpraxen.pd

Prophylaxe ist der beste Schutz

Die sinnvollste Möglichkeit, Pannen von vorneherein aus dem Weg zu gehen, ist, sich über mögliche Unfallursachen zu informieren und sich darauf vorzubereiten:

  • Was muss ich bei der Anwendung meines Verhütungsmittels beachten?
  • Wodurch wird die Wirkung meines Verhütungsmittels beeinträchtigt?
  • Wie wende ich ein Kondom korrekt an?
  • Wie schütze ich mich selber?
  • Welche Vorlieben habe ich und was brauche ich dafür an Safer Sex-Maßnahmen?

 

Copyright by ORION

Dieser Artikel wurde veröffentlicht auf: https://www.orion.de/blog/pannen-unfaelle-bei-verhuetung-und-safer-sex/

Machen soziale Netzwerke und Datingportale tatsächlich krank?

So, Freunde der freien Liebe, aufgemerkt! Die Bundesregierung warnt vor einer Zunahme von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wie HIV und Syphilis. Und spricht in ihrer „Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen“ unter anderem auch vom Wandel des Sexualverhaltens durch soziale Netzwerke und Internet-Datingportale. Denn diese würden die Kontaktaufnahme verändern und erleichtern. Wenn man diese Annahme nun als alleinige Schlagzeile verwendete („Mehr Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder HIV durch Dating-Portale“ oder „Tripper durch Tinder“), könnte das für eine Massenpanik sorgen. Immerhin sind wir ja fast alle in sozialen Netzwerken unterwegs. Ganz besonders die junge Generation. Und eine nicht unerhebliche Zahl von uns hat auch schon versucht, über Datingportale eine neue Liebe zu finden. Die einen mit mehr, die anderen mit weniger Erfolg. Hier droht nun also Gefahr. Aber wie konkret ist die wirklich?

Wer sich in Datingportalen umsieht, hat nicht automatisch Sex

Ehrlich gesagt bin ich erst einmal verwirrt. Und das schon länger. Angeblich steigt die Zahl der sexuellen Kontakte, boomt das Geschäft mit dem schnellen und unverbindlichen Sex. Die große Zahl an Internetportalen, die sich auf ebendiese Kontakte spezialisiert hat, suggeriert das ebenfalls. Anscheinend hat jeder außer mir einen permanenten Wechsel der Sexualpartner, sei es nun mit oder ohne Partnerschaft. Als seien wir Weltmeister im Fremdgehen. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass dem nicht wirklich so ist. Und das kann ich auch belegen.

Der Hamburger Sexualforscher Gunter Schmidt hat, allerdings schon 2006, in einer Studie festgestellt, dass nur 1 bis zwei Prozent aller Sexualkontakte seiner 776 Befragten Seitensprünge waren. Hochgerechnet findet man sieben Seitensprünge in 100 Beziehungsjahren. Oder, wie er schreibt, haben fest liierte Großstädter im Alter von 30 bis 60 Jahren im statistischen Mittel alle 13 Jahre eine sexuelle Außenbeziehung. Datingportale hin oder her. Dabei stellte sich übrigens auch heraus, dass gerade die 30-Jährigen es besonders streng sahen mit der Treue. Ok, die sind heute Mitte vierzig. Aber was macht die Jugend heute? Legt ein vorbildliches Verhütungsverhalten an den Tag. Auch dazu noch einmal die BzGA: „Beim ‚ersten Mal’ schützen sich über 90 Prozent vor ungewollter Schwangerschaft. Das am meisten genutzte Verhütungsmittel ist das Kondom.“ Und sie warten mit diesem ersten Mal auch lieber solange, bis sie den richtigen Partner gefunden haben. Ok, hier ist für STI also nicht so viel zu holen. Datingportale hin oder her.

Nun könnte man ja denken, na gut, wenn die Paare und die Jugend doch nicht so umtriebig sind, wie wir dachten, dann sind es eben die Singles, die gefährdet sind. Und natürlich gab es die auch in der erwähnten Studie. Aber nur ganze vier Prozent davon gehören der hemmungslos herumvögelnden Spezies an! Und das wiederum deckt sich mit eigenen Erfahrungen zu dem Thema. In der Vorbereitung für einen Vortrag über Single-Sexualität befragte ich eine ganze Weile lang alle möglichen Singles zu ihrem Liebesleben. Fakt: Alle hätten gern Sex. Doch kaum einer wollte nur vögeln, die meisten warteten lieber auf den richtigen Partner. Sex mit Liebe ist das Motto. Datingportale hin oder her.

Eine neue Form der Kontaktaufnahme bedeutet nicht, dass alle gefährdet sind

So, wir treiben es also gar nicht so wild. Und sind dabei auch noch gut informiert über Safer Sex. Und tatsächlich haben wir es zum Beispiel bei HIV mit einer sinkenden Zahl von Neuinfektionen zu tun. Die BzGA geht von weltweit 35 Millionen Menschen aus, die heute mit HIV und AIDS leben. Dies sei jedoch nicht mit einer steigenden Zahl von Neuinfizierten zu begründen. Dahinter verberge sich vielmehr, dass immer weniger Menschen dank eines verbesserten Zugangs zu antiretroviraler Therapie sterben. Im Gegenteil konnte die Zahl der Neuinfektionen sogar drastisch gesenkt werden: Von 2,7 Millionen in 2010 auf 2,1 Millionen in 2013, dem damit bislang niedrigsten Wert in diesem Jahrhundert. In Deutschland lebten Ende 2013 rund 80.000 Menschen mit einer HIV-Infektion und die Zahl der geschätzten Neuinfektionen lag bei 3.200 Fällen. Bei Syphilis sieht die Sache zugegebenermaßen schon anders aus. Denn hier steigt die Zahl der Neuinfektionen tatsächlich. Hier gibt es seit 2010 einen kontinuierlichen Anstieg. 2014 gab es mit 5722 Neudiagnosen neuen Höchstwert.

Nun muss man dazu aber eines sagen: HIV, AIDS und Syphilis sind STI, die sich schwerpunktmäßig in der Schwulenszene finden. Laut BzGA erfolgten nach Schätzungen etwa drei Viertel der HIV-Neuinfektionen in 2013 bei Männern, die Sex mit Männern haben. Rund 20 Prozent kamen über heterosexuelle Kontakte zustande. Bei Syphilis ist die Lage noch eindeutiger: Hier gehen rund 84 Prozent laut des Robert-Koch-Instituts auf das Konto homosexueller Sexualkontakte. Ungeschützter Analverkehr ist die Nummer Eins bei der Übertragung von HIV. Und wer sich erst einmal mit einer Grunderkrankung infiziert hat und nicht darauf achtet, sich trotzdem zu schützen, steckt sich leichter mit der nächsten STI an. Hier scheint das Risikoverhalten auch tatsächlich zu steigen. Bundesweit liegt Berlin mit seinen zahlreichen Clubs, Saunen und Pornokinos bei den Fallzahlen klar vorn. Partywochenenden unter Einfluss stimulierender Drogen wie Crystal seien eine Ursache, heißt es vom Präsidenten der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (DSTIG), Prof. Norbert Brockmeyer. Das ist wohl auch damit gemeint, wenn im Bericht der Bundesregierung steht: „Daten und Studien belegen, dass einige sexuell übertragbare Infektionen aufgrund gleicher bzw. ähnlicher Übertragungswege gehäuft in bestimmten Gruppen vorkommen.“

Ruhig Blut, alles halb so wild

Ja, die Kontaktaufnahme wird durch soziale Netzwerke und Datingportale tatsächlich verändert. Aber erleichtert? Wir können uns zwar jeden Tag mit einem anderen Menschen treffen. Dafür gibt es auch genügend Portale, in denen sich für jede Vorliebe etwas findet. Doch nur weil immer mehr Menschen in sozialen Netzwerken und auf Datingportalen unterwegs sind, bedeutet das nicht, dass sie auch alle Sex haben. Wir wissen nicht wirklich, aus wie vielen solchen Kontakten (ungeschützter) Sex hervorgeht. Nicht einmal die, die das gern so hätten. Beispiel Tinder: Für so manchen reicht schon das Glücksgefühl, überhaupt auch nur ein Match zu haben. Wow, da hat mich jemand beachtet! Wäre das alles so einfach, hätten wir nicht elf Millionen Singles in Deutschland. Viel schlimmer finde ich, dass sich beispielweise die sehr unangenehmen Clamydien oder Gonorrhö, umgangssprachlich Tripper, aufgrund von Resistenzen teilweise nicht mehr mit Antibiotika behandeln lassen. Gegen den hemmungslosen Gebrauch von Antibiotika sollten wir etwas unternehmen, denn deswegen wird die Zahl an Neuinfektionen sicherlich ansteigen.

 

Copyright by ORION

Diser Artikel wurde veröffentlicht auf: https://www.orion.de/blog/mehr-geschlechtskrankheiten-durch-datingportale-co/

 

Safer Sex – Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Sex ist etwas so Wunderbares, dass es schwerfällt, dabei an etwas anderes zu denken als an Liebe, Lust und Erregung. Und dann kommt jemand wie Charlie Sheen um die Ecke und outet sich als HIV-positiv. Und prahlt vor allem damit, mit über 5000 Frauen geschlafen zu haben. Mein Taschenrechner sagt mir, dass er mit einer Frau pro Nacht dafür 13,7 Jahre gebraucht hat. Oder 27 Jahre, wenn er nur jede zweite Nacht eine neue Frau im Bett hatte. Oder weniger, wenn es mehr als eine am Tag waren. Ist das jetzt noch Liebe, Lust und Erregung oder einfach nur Stress und Macho-Gehabe? Wie viele Frauen mag er bei seinem ausschweifenden Sexleben mit HIV oder anderen STI angesteckt haben? Und warum machen Frauen das mit? Vor allem ohne Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI)? Kondome sind hier zwar eine Möglichkeit. Wer Charlie Sheen oder auch Michael Douglas, der Oral-Verkehr für seinen Kehlkopfkrebs verantwortlich macht, nacheifern will, sollte sich nicht nur auf Kondome verlassen.

STI lieben Körperflüssigkeiten jeglicher Art

Sex ist eine wunderbare Möglichkeit auch für alle anderen für Krankheitserreger jenseits von HIV, von einem Körper auf den anderen hinüberzuwechseln. Und das auch nicht nur beim Geschlechtsverkehr! Viren, Bakterien, Pilze und andere Erreger lieben Körperflüssigkeiten und Blut und werden durch Scheiden- und Analsekrete, Sperma, Speichel, Urin oder Muttermilch über unsere Schleimhäute und offene Wunden übertragen. Und Schleimhäute haben wir jede Menge: Im Genital- und Analbereich, an den Augen, in der Nase und im Mund. Und Wunden sind nicht immer sichtbar. Kleine Fissuren können durch Reibung beim Sex in der Vagina oder im After auch erst während des Liebespiels entstehen. Ein Biss auf die Zunge oder in die Wange führt häufig zu offenen Stellen. Und auch an Händen oder Fingernägeln können schon mal kleine Risse in der Haut sein. Es ist wichtig, sich mit einem neuen Liebespartner rechtzeitig über Schutzmöglichkeiten auszutauschen. Und wer bereits infiziert ist, sollte dies dem Partner mitteilen. Wir sprechen hier übrigens nicht von langjährigen Partnerschaften, in denen Treue hochgehalten wird. Hier geht es um neue oder wechselnde Sexualpartner.

So schützt ihr euch am Besten

  • Safer Sex bedeutet nicht „sicherer Sex“ sondern nur „sichererer Sex“. Wirklich sicher ist nur, wer ganz auf Sex verzichtet. Aber das wollen wir ja nicht. Die meisten denken jedenfalls erst einmal an Kondome. Das ist auch richtig, denn die verhindern, dass Sperma in die Vagina oder in den After kommt. Wichtig ist hierbei die richtige Anwendung. Es gibt auch ein Kondom für die Frau, das Femidom. Damit können Frauen den Schutz in die eigene Hand nehmen. Es funktioniert ganz ähnlich, wird aber nicht auf den Penis aufgezogen, sondern in die Vagina eingeführt.
  • Die Krankheitserreger können auch beim aktiven und passiven Oralverkehr übertragen werden. Bei einem Blow Job solltet Ihr daher auch ein Kondom verwenden. Und für den Cunnilingus gibt es Dental Dams, spezielle Lecktücher, die Ihr in der Apotheke kaufen könnt. Aufgeschnittene Kondome und Einmal-Handschuhe sowie Frischhaltefolie lassen sich beim Lecken ebenfalls gut verwenden. Dabei möchte ich aus Sicherheitsgründen darauf hinweisen, dass Frischhaltefolie natürlich umgekehrt kein Kondom ersetzt!
  • Hygiene: Bevor ihr mit dem Sex loslegt, solltet ihr euch zumindest die Hände waschen, wenn nicht sogar duschen. Ich bin ja sowieso keine Freundin von künstlichen Nägeln und weise daher gern darauf hin, dass sich hier jede Menge Bakterien ansammeln. Zudem erhöhen lange, spitze oder auch eingerissene Fingernägel das Verletzungsrisiko im Körperinneren. Nagelpilz ist auch so ein Thema. Wer möchte bitteschön so einen Finger in sich wissen? Aber auch da gibt es Schutzmöglichkeiten. Einmal-Handschuhe oder Fingerlinge könnt ihr ebenfalls in der Apotheke kaufen.
  • Ihr liebt Sex Toys? Kein Problem. Aber auch mit ihnen könnt ihr Krankheitserreger übertragen! Deshalb solltet ihr auch hier Kondome verwenden, wenn ihr die Toys gegenseitig benutzt. Was einmal im After war, sollte übrigens niemals direkt in eine andere Körperöffnung gesteckt werden. Denn im Darm befinden sich Bakterien, die andernorts zu Infektionen führen können. Deshalb: Runter mit dem gebrauchten Kondom, rauf mit einem neuen. Das Gleiche gilt beim Wechseln der Körperöffnungen beim Geschlechtsverkehr. Wer sich vor Weichmachern schützen möchte und nicht weiß, aus welchem Material das jeweilige Toy ist, kann ebenfalls zu Kondomen, Fingerlingen oder Einmal-Handschuhen greifen.
  • Oben hatte ich kleine Fissuren angesprochen, die beim Sex entstehen können. Wenn eine Frau nicht feucht genug ist – und da sind wir alle unterschiedlich veranlagt – , kann die Reibung durch einen Penis oder ein Sex Toy die empfindliche Vaginalschleimhaut verletzen. Und der Anus produziert ohnehin nur eine ganz geringe natürliche Feuchtigkeit, die beim Sex schnell aufgebraucht ist. Hinzu kommt, dass der Anus ein Muskel ist, der langsam gedehnt werden sollte, um auch hier Verletzungen zu vermeiden. Bei allem hilft der Gebrauch von Gleitmitteln. Das gilt natürlich auch für den Sex in bestehenden Partnerschaften. Schmerzen beim Sex können hier ihre Ursache haben. Toys aus Silikon vertragen übrigens keine Gleitmittel auf Silikonbasis und Latexkondome keine fett- oder ölhaltigen Gleitmittel.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Wenn hier nun jemand denken sollte, ach, das macht doch alles nichts, mir reicht ein Kondom, ich will ja schließlich nur vögeln, dem sei gesagt: Doch, das macht was! Sexuell übertragbare Infektionen (STI) sind sehr weit verbreitet und reichen von HIV bis zu HPV (Humane Papillomaviren). Mit HPV sind rund 60% aller jungen Männer und Frauen infiziert. Jedes Jahr gibt es ca. 100.000 neue Chlamydien-Infektionen, gefolgt von 80.000 Infektionen mit dem Herpes simplex. Syphilis, eine STI mit einer steigenden Zahl an Neuinfektionen, lässt sich sogar durch einen Handschlag oder Kuss übertragen. Und leider sind die STI in vielen Fällen nicht zu erkennen. Manchmal wissen die Überträger selber nicht einmal, dass sie infiziert sind.

Da kann ich mich Prof. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (DSTIG), nur anschließen. Denn der sagte in einem Gespräch mit nt-v, „dass Sexualität etwas Wertvolles und Tolles ist, das man aber auch mit einer gewissen Vorsicht handhaben sollte. Dazu gehört, Verantwortung für die eigene und besonders auch Gesundheit des PartnersInn zu übernehmen, die Anwendung von Kondomen zu üben und man muss auch lernen, darüber zu reden, was man macht.“ Ganz genau.

Und wann ist Schluss mit Safer Sex? Wenn zwei Liebende sich sicher sind, dass sie nur miteinander Sex haben wollen, können sie sich gemeinsam oder getrennt auf STI testen lassen. Danach spielt nur noch die Verhütung eine Rolle. Oder auch nicht J

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/safer-sex-nicht-sicherer-sex-sondern-sichererer-sex/

 

Brauchen wir neue Kondome? Ja!

Kondome sind ein leidiges Thema. Das beste Produkt bringt nichts, wenn man es nicht anwendet. Ein ganz großes Problem beim Kondom ist und bleibt ja leider die Unterbrechung beim Liebesspiel. Kurze Pause, Gehirn wieder einschalten, Kondom suchen, aufreißen, überziehen, weitermachen. Wie schnell denkt man im Eifer des Gefechts auch, ach, da wird schon nichts passieren, vielleicht verhütet sie, sonst hätte sie ja etwas gesagt, ach der Typ ist so süß, der vögelt bestimmt nicht durch die Gegend. Ja, genau. Wenn es nur um Verhütung ginge, wäre das vielleicht auch gar nicht so schlimm, schließlich gibt es zumindest für Frauen vom Diaphragma bis hin zu Pille und Verhütungspflaster jede Menge Möglichkeiten. Abgesehen von der endgültigen Sterilisation gibt es für Männer leider nur eines und das ist das Kondom. Womit wir wieder beim Thema wären.

Viel wichtiger noch: Kondome sind abgesehen von der Abstinenz – und wer will das schon – der einzige Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (IST). Deshalb brauchen wir sie! Deshalb sind sie unersetzlich! Und deshalb sollte die Anwendung so einfach und angenehm sein, wie nur möglich! Dass sie aber leider gar nicht so beliebt wie notwendig sind, lässt sich an den steigenden Zahlen von STI sehen. HIV-Neuinfektionen gehen zurück, dafür stecken sich wieder mehr Menschen mit Syphilis, Hepatitis B und C, Chlamydien usw. an. Wollen wir das? Nein! Was brauchen wir? Neue Kondome!

Es ist nicht alles Gold, was rollt

Nun wird ja fieberhaft geforscht. 2013 kam der Wingman auf den Markt. Er versprach so einiges. Mit seinem besonders dünnen Material sollte er besonders gefühlsecht sein und mit einer eigens entwickelten Spange, den Flügeln, sollte das Überziehen besonders leicht sein. Fehlanzeige. Das Material war so dünn, dass es besonders leicht riss. Und die Spange machte das Überziehen nicht leichter, sondern verwirrte die Liebenden stattdessen. Die Firma Origami will das Rollen gleich ganz abschaffen und setzt auf eine Ziehharmonika-Technik. Und in diesen Tagen kam die Meldung, dass australische Wissenschaftler an einem Super-Kondom forschen. Ein neuartiges Material aus Hydrogel soll strapazierfähig, gefühlsecht und biologisch abbaubar sein und zu allem Überfluss auch noch von selbst gleiten. Gefühlsecht wäre ganz wunderbar, denn wie oft zieren sich Männer mit dem Argument: „Ach ne, wenn ich ein Kondom benutze, fühle ich nichts“ – welche Frau hat das nicht schon einmal gehört?

Bei Frauen sind Kondome weit weniger unbeliebt und das Verständnis für sich zierende Männer hält sich in Grenzen. Aber sie müssen sie ja auch nicht selber benutzen. Da sieht es bei dem weiblichen Pendant, dem Femidom schon ganz anders aus. Das wird im Gegensatz zum Kondom nicht über den Penis gestülpt sondern in die Vagina gesteckt. In Sachen Verhütung und Safer Sex steht das Femidom dem Kondom in nichts nach. Die Anwendung ist allerdings nicht ganz einfach und dazu sind sie mit vier Euro pro Stück auch noch verhältnismäßig teuer. Und ganz schnell haben auch Frauen kein Interesse mehr an dieser Art des Schutzes. Ich für meinen Teil kenne bisher keine, die es schon einmal ausprobiert hat.

Forschungsgelder richtig investieren

„Neue Männer braucht das Land“, sang Ina Deter in den Achtzigern. Was singen wir heute? „Neue Kondome braucht das Land“! Und je nach Land verzichten tatsächlich 28% bis 50% der Männer mit wechselnden Geschlechtspartnern auf den Gebrauch von Kondomen. Das muss geändert werden! Dabei gilt es drei Dinge zu beachten: Schutz vor Schwangerschaften, Schutz vor STI und soviel Komfort wie möglich, damit sie auch benutzt werden. Gar nicht so einfach, wie man sieht. Und deshalb finde ich es gut, dass die australischen Wissenschaftler Forschungsgelder für ihr Projekt bekommen. Hier geht es nicht um wirtschaftliche Interessen. Hier geht es um Verantwortung! Bis die neuen Kondome da sind, vergnügen wir uns mit der klassischen Variante.

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/brauchen-wir-neue-kondome/

Die Pille für sorglosen Sex

So, wer nimmt denn hier die Pille? Alle Hände mal hoch! Ja, ich habe es mir schon gedacht – fast die Hälfte. Das entspricht so ziemlich genau dem bundesdeutschen Durchschnitt. Damit ist und bleibt die Pille bei uns das beliebteste Verhütungsmittel.

Mit einem Pearl Index von 0,1 – 0,9 gehört sie auch zu den Sichersten. Der Pearl Index sagt aus, wie sicher ein Verhütungsmittel ist. 0,1 – 0,9 bedeuten, dass innerhalb eines Jahres eine bis neun von tausend Frauen, die die Pille nehmen, schwanger wird. Dass diese Angaben unterschiedlich sein können, liegt daran, dass manche Hersteller auch Anwendungsfehler in ihre Berechnungen miteinbeziehen. Und Anwendungsfehler gibt es so einige, wie wir gleich noch sehen werden.

Die Suche nach dem richtigen Präparat

Pillen gibt es mittlerweile fast wie Sand am Meer. Wichtig ist dabei die Zusammensetzung der Wirkstoffe. Es gibt Ein- und Zweiphasen- sowie Zwei- und Dreistufenpräparate. Und die Mikropille mit besonders niedriger Dosierung. Bei manchen Pillen gibt es nach 21 Tagen eine Pause, andere werden durchgehend genommen. Es gibt Frauen, die die Pille gar nicht vertragen und es gibt Frauen, die ein zu hohes Gesundheitsrisiko haben, zum Beispiel Raucherinnen mit starkem Übergewicht oder Herzinfarkt- und Schlaganfallpatientinnen. Zu den Nebenwirkungen können Stimmungsschwankungen, Übelkeit, Spannen der Brüste und leider auch sexuelle Unlust zählen. Wenn die Lust abhanden kommt, kann dahinter also auch ein hormonelles Problem liegen. Das sollte frau mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen und gegebenenfalls das Präparat wechseln. Anderseits haben manche Pillen auch durchaus erwünschte Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine bessere Haut bei Akne-Patientinnen. Wie gut, dass bei diesem Wirrwarr an Möglichkeiten die Frauenärztin oder der Frauenarzt die richtige Pille aussucht!

Achtung, aufgepasst!

Bei richtiger Anwendung ist die Pille eines der sichersten Verhütungsmittel. Allerdings auch nur bei richtiger Anwendung. Und genau hier liegt das Problem. Es ist schon erstaunlich, wie schwierig es manchmal sein kann, eine kleine Pille regelmäßig zur richtigen Zeit einzunehmen. Ist heute Montag oder Dienstag? Oh nein, Dienstag – und die Pille für Montag liegt noch in der Packung…. Kennen wir alle, oder?! Die meisten Frauen haben ein Ritual entwickelt. Da liegt dann die Packung gleich neben dem Zahnputzbecher oder das Handy piepst zur Erinnerung. Und wenn die Pille mal vergessen wird, bleiben in aller Regel zwölf Stunden, um die Einnahme nachzuholen. Auch das sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden, da das nicht bei jeder Pille der Fall ist. Nun stelle man sich aber einmal die vielen Frauen im Schichtdienst vor. Da wird das dann schon schwieriger. Und ganz krass, all die Frauen, die mit den Airlines ständig die Zeitzonen wechseln. Oder wilde Party-Gängerinnen, die sozusagen auch permanent in einer anderen Welt leben. Ich sehe, Ihr versteht. Die Pille ist trotz der hohen Sicherheit also nicht für jede Frau das beste Verhütungsmittel.

So, und was kann noch schiefgehen? Ganz wichtig: Aufpassen bei einigen Medikamenten, Durchfall und Erbrechen! Es steht zwar auf dem Beipackzettel, wird aber oft vergessen oder überlesen: Antibiotika, manche Schmerz-, Beruhigungs- und Kreislaufmittel mindern die Wirkung der Pille. Wer etwas einnimmt, sollte den Arzt oder Apotheker darauf ansprechen – die wenigsten nur geben diese Info von sich aus – und zusätzlich verhüten! Bei Durchfall und Erbrechen ist ebenfalls Vorsicht angesagt. Bis die Wirkstoffe der Pille im Körper angekommen sind, dauert es rund vier Stunden. Bitte kurz nachdenken, wie lange die letzte Einnahme zurückliegt und eine Pille nachnehmen, falls das innerhalb von 12 Stunden möglich ist. Einen habe ich noch: Spermien können bis zu 72 Stunden in der Gebärmutter überleben. Daher macht es immer auch Sinn zu überlegen, wann der letzte Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Wenn ich heute die Pille vergesse und vor zwei Tagen Sex hatte, kann auch etwas passieren!

Warum die Pille so beliebt ist

Wenn sie vorschriftsmäßig eingenommen wird, besteht ein 100prozentiger Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Und dann kommen auch alle ihre Vorteile bestens zur Geltung. Denn der Sex kann ohne weitere Vorbereitung unbesorgt und entspannt genossen werden. Da muss nichts eingesetzt oder geplant werden und es kann auch nichts verrutschen. Und wenn nicht mehr verhütet werden soll, kann die Pille ganz einfach abgesetzt werden. Die Regel stellt sich dann umgehend wieder ein. Für alle, die sich ein Baby wünschen, ist das eine ganz wichtige Eigenschaft. Denn bei anderen hormonellen Mitteln, wie zum Beispiel der Depotspritze, kann es sogar Jahre dauern, bis die Regelblutung wieder einsetzt. Übrigens, bei jungen Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Pille. Und ebenso bei Frauen, die die Pille aus gesundheitlichen Gründen wie starker Akne verschrieben bekommen.

Bitte nicht vergessen, dass die Pille zwar vor Schwangerschaften schützt, nicht aber vor Geschlechtskrankheiten!!!

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/die-pille-fuer-sorglosen-sex/

 

Die Rückkehr der Syphilis

„Sumatra ist eine Insel und Syphilis zerfrisst den Pinsel“. Immer, wenn ich während meines Studiums spätabends in dieser einen speziellen dunklen Spelunke in Kiel strandete, las ich diesen Spruch, den jemand in mühsamer Kleinarbeit in die Toilettentür geritzt hatte. Das war Anfang der 90er, als die Angst vor HIV grassierte und erstmals die großen Plakate der BZgA-Kampagne „Gib AIDS keine Chance“ darauf aufmerksam machten, dass man vom Sex nicht nur schwanger werden kann.

Einprägsam wie ein Mantra hat sich dieser Spruch in mein Gedächtnis eingegraben.

Und wenngleich sich mir bis heute nicht der Sinn erschließt, fällt er mir immer und sofort ein, wenn der Begriff Syphilis fällt. Oder Sumatra. Leider konnte ich mich davon auch nicht losmachen, als 2004 der verheerende Tsunami Sumatra verwüstete und die indonesische Insel damit erstmals real in mein Blickfeld rutschte. Völlig pietätlos und absolut unpassend war er sofort wieder da, „Sumatra ist eine Insel….“. Manche Sachen wird man einfach nicht los.

Die Krankheit, die aus dem Dunkeln kam

Pest, Cholera, Lepra – kennen wir aus dem Geschichtsunterricht oder aus großen Kinofilmen wie „In Zeiten der Cholera“. Aber wer weiß schon, dass im ausgehenden Mittelalter durch Syphilis mehr Menschen den Tod fanden als durch Lepra? Explosionsartig breitete sich die Infektionskrankheit ab 1495 als Mitbringsel der Entdecker der Neuen Welt von Europa bis Japan aus. Und jedes Land schob die Schuld dem jeweiligen Erzfeind zu. So litten die Deutschen an der Franzosen-Krankheit, die Holländer an den spanischen Pocken und die Japaner an der Kanton-Krankheit. Wie Syphilis wohl heute hieße – nordkoreanische Diktatoren-Pocken vielleicht? Aber ich will an dieser Stelle lieber nicht politisch werden.

Wie kam es zu dieser Ausbreitung? Die Renaissance läutete im späten 14. Jahrhundert das Ende des dunklen und antisexuellen Mittelalters ein. Endlich konnte wieder nach Herzenslust gevögelt werden. Verführen und Verführt werden hieß die Devise. Badehäuser waren die Swinger-Clubs des Mittelalters. Ganze Hochzeitsgesellschaften zogen hier ein, um beim gemeinsamen Bad zu feiern. Männer trugen lange Futterale über ihrem besten Stück und die Größe eines Penis’ konnte über den gesellschaftlichen Aufstieg entscheiden. Es war ein wildes Treiben, das auch vor der Kirche nicht Halt machte.

Und so verbreitete sich die Syphilis quer durch die kopulationsfreudige Bevölkerung und über alle Landesgrenzen hinaus. Heinrich der VIII, Iwan der Schreckliche, Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Goethe sind nur ein paar der prominenten Opfer dieser Lustseuche, die immer tödlich endete. Eine neue Prüderie und schließlich die Entdeckung des Penicillins Anfang des 20. Jahrhunderts erst dämmten die Krankheit ein.

Auch HIV hat sich in einer Zeit der neuen sexuellen Freizügigkeit ausgebreitet. Nach den prüden 1950ern kam Ende der 1960er vergleichbar mit der Renaissance die große Wende, nicht nur in Deutschland. Die Wiederentdeckung der Lust fiel zusammen mit der Entwicklung der Antibabypille und ließ den Mythos der wilden 68er entstehen. Und wieder ahnte zunächst niemand etwas von der drohenden Gefahr einer sich ausbreitenden tödlichen Geschlechtskrankheit. Im Gegensatz zur Syphilis aber – damals kannte man weder Viren noch Bakterien – konnte man jetzt einen Erreger dingfest machen.

Safer Sex und eine neue Aufklärungskampagne gegen Syphilis

Genug Geschichte, auch wenn mir der Ausflug so gut gefällt. Ich möchte auf etwas Bestimmtes hinaus. Durch Forschung und Aufklärung wissen wir heute, wie wir uns vor HIV schützen können. Es gibt mittlerweile Medikamente, mit denen sich die Krankheit behandeln lässt. Die Angst vor einer Ansteckung ist dadurch kleiner geworden. Das führt leider auch dazu, dass sich die Menschen wieder weniger schützen und allen anderen Geschlechtskrankheiten ebenfalls Tor und Tür geöffnet werden. Die starke Fokussierung auf HIV ließ Syphilis zudem völlig in den Hintergrund treten. Kaum jemand nimmt die Gefahr ernst und so stecken sich heute wieder mehr Menschen mit dieser gefährlichen Krankheit an. Laut Robert-Koch-Institut gab es 2012 im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Neuinfektionen um 20%. Und der Trend scheint sich fortzusetzen. Betroffen sind übrigens zu vier Fünfteln Männer.

Was also tun? Wir müssen rechtzeitig die Notbremse ziehen und unbedingt wieder mehr auf unsere Sicherheit achten. Safer Sex ist und bleibt nun einmal der beste Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Aufklärung muss auch alle anderen sexuell übertragbaren Infektionen beinhalten und darf sich nicht nur auf HIV beschränken. Das hat auch die BzgA erkannt und eine neue Kampagne gestartet, diesmal gegen Syphilis.

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/die-rueckkehr-der-syphilis/