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Apropos Toilette: Wie viel Privatsphäre braucht ihr?

Wie haltet ihr es damit? Wenn ihr auf der Kloschüssel sitzt, lasst ihr dann die Tür auf oder schließt ihr ab? Wenn ihr Single seid, klar, dann könnt ihr das natürlich machen, wie ihr wollt. Und wenn ihr eine Wohnung mit separater Toilette habt, dann auch. Aber als Teil eines Paares? Mit dem WC im Badezimmer? Die einen stört es ja nicht, wenn sie sich die Zähne putzen, während der oder die Liebste sich 50 Zentimeter im großen Geschäft erleichtert. Andere schließen lieber gleich die Tür ab. Ich erinnere mich dabei immer an eine Situation aus dem Urlaub. Wir wollten später ausgehen und machten uns gerade dafür fertig. Meine Freundin saß auf der Toilette, als ich den Wein einschenkte. Während ich es für zuvorkommend hielt, ihr das Glas zu reichen und die Badezimmertür freudestrahlend aufriss, wäre sie vor Scham in Grund und Boden versunken, hätte sie nicht die Klobrille davon abgehalten. Danach musste ich erst einmal über meine eigene Einstellung zu dem Thema nachdenken…. Ist es ein Vertrauensbeweis, in derartig intimen Momenten Gemeinsamkeit zuzulassen? Ist es manchen Leuten nur schlichtweg egal? Oder dürfen wir die Tür auch ganz bewusst ab- und den anderen von diesem Teil unseres Lebens ausschließen? Und was macht es mit unserer Lust?

Wie wollen wir uns zeigen?

Zahnseide, Tampons, Pickel, Körperhaare – wollen wir uns wirklich so zeigen? Ach nee, lieber nicht, denken wir jetzt. Zuerst macht man das auch lieber nicht. Wir wollen uns ja nur von unserer besten Seite zeigen. So manche*r greift dann noch nach dem Aufwachen blitzartig zur Zahnbürste. Bloß kein Morgenmund… Mir erzählte eine Frau, dass sie sich jeden Morgen vor dem Aufwachen ihres Partners frisierte, schminkte und dann wieder ins Bett legte. Hm. Aber normalerweise bröckelt diese Mauer der Vortrefflichkeit irgendwann. Stück für Stück verlieren wir die Scham voreinander. Das ist auch gut so, denn damit kommen wir uns auch näher. Eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die darauf basiert, sich immer nur von der besten Seite zu zeigen, würde niemals wirklich intim werden. Oder? Und was ist mit dem Badezimmer? Wie weit darf die Intimität gehen, ohne dass uns der Appetit vergeht? Was macht es mit uns, wenn wir unserer Liebsten beim Bartzupfen oder unserem Liebsten beim Pickel ausdrücken zusehen? Oder beim Geschäfte erledigen? Naja, alle Ideale haben ihre Macken. So sind wir eben. Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, weil wir eben nur ein Badezimmer haben und die Zeit morgens knapp ist.

Eigenen Grenzen erkennen und anerkennen

Unsere Schamgrenzen sind ganz unterschiedlich gestaltet. Den einen macht es nichts aus, alles von sich zu zeigen. Die anderen möchten ihre hygienischen Geheimnisse lieber für sich behalten. Die einen können gut über ihre Bedürfnisse sprechen und die anderen haben Hemmungen, weil sie keine falschen Signale aussenden möchten. „Vielleicht hält er/sie mich ja für verklemmt, wenn ich die Tür abschließe?“ Kann sein, dass er oder sie das tut. Was ist wichtiger? Die eigenen Grenzen achten oder bloß kein Ungemach verursachen? Nur, wo liegen die besagten Grenzen bei den einzelnen Partner*innen? Es lohnt sich wirklich, in der Hinsicht einmal über sich nachzudenken. Und auch mit dem oder der Partner*in darüber zu sprechen. „Was ist für dich ok? Was ist für mich ok?“ Und dabei sollten wir auch ehrlich sein. Es bringt nichts, sich zu verbiegen. Wenn ihr möchtet, dass die Tür zu ist, damit ihr euch ungestört eurer Körperpflege widmen könnt, dann ist das genauso auch ok. Wenn ihr dem oder der anderen bei allem zusehen wollt, auch. Solange es für den oder die andere genauso ok ist. Das Wichtigste ist, dass beide damit leben können.

Lustkiller oder Aphrodisiakum?

Und was macht es mit unserer Erotik, mit unserem Begehren, wenn wir wirklich alles vom anderen sehen? Was macht es mit MEINER Lust? Denn so richtig sexy ist das nicht. Aber das muss tatsächlich jede/r für sich selbst entscheiden. Intimität ist eine der Grundlagen einer Beziehung. Und wie viel Intimität können wir zulassen, ohne den anderen nicht mehr zu begehren? In jedem von uns steckt ein kleiner Exhibitionist oder eine kleine Exhibitionistin. Wir müssen es nur zulassen. Wir wackeln mit den Brüsten, stellen uns breitbeinig hin und lassen die Glocken klingen und brechen dabei in schallendes Gelächter aus. Aber das ist eine andere Form der Intimität als das offene Badezimmer. Es zeigt zwar einerseits Vertrauen, wenn wir uns vor unserem oder unserer Liebsten auch in dieser Hinsicht nicht genieren. Vertrauen kann Lust fördern. Es kann aber auch ein Mirdochegal sein. Und vielleicht fördert es auch das Gefühl, den anderen ganz zu haben, sich des anderen ganz sicher zu sein. Nur leider begehren wir immer das, was wir (noch) nicht haben oder dessen wir uns eben nicht so ganz sicher sind.

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Liebt euch – Küsst euch!

„Küssen kann man nicht alleine“ singt Max Raabe und damit hat er ja auch tatsächlich Recht. Alle erotischen Spielereien können wir mehr oder weniger erfolgreich mit uns selber veranstalten. Aber küssen? Hierfür brauchen wir immer und unbedingt ein Gegenüber. Für den erotischen Kuss einen Liebespartner, für alle anderen Küsse kann es auch ein Familienmitglied, ein Freund oder das geliebte Haustier sein. Mit einem Kuss drücken wir Liebe und Zuneigung aus. Prostituierte sind zu allem bereit, nur nicht dazu. Denn ein Zungenkuss ist so unglaublich intim und persönlich. Das teilen auch diese Frauen nur mit ihrem Liebsten oder ihrer Liebsten. Ein Kuss kann ganz zart sein oder auch einen Sturm der Leidenschaft entfachen. Ich schlage vor, Küssen ganz oben auf die Liste unserer guten Vorsätze zu stellen. Zeigen wir unserer Liebsten oder unserem Liebsten auf diese Weise, wie sehr wir sie oder ihn lieben – und küssen, was das Zeug hält!

Stolperfalle Zungenkuss

Erinnert Ihr Euch noch an euren ersten Zungenkuss? Meiner erster kam etwas unerwartet beim Flaschendrehen als Teenager auf meiner eigenen Geburtstagsparty. „Auf wen die Flasche zeigt, ….“ Ups. Ihr kennt das. Ich weiß gar nicht mehr, wer der Glückliche war. Aber ich kann mich noch genau an die heiße Diskussion unter uns Mädchen im Anschluss  erinnern.

„Hast du deine Zunge bewegt?“

„Ja, macht man das nicht so? Habe ich zumindest gehört.“

„Oh nein, ich habe meine ganz still gehalten!“

„Hm, ich frage mal meine ältere Freundin. Die weiß das, die hat schon mal geküsst.“

Verwirrung in Zeiten der Bravo-Aufklärung. Auch ein guter Zungenkuss ist nicht naturgegeben, wie so mancher denken mag. Und was man alles falsch machen kann! Zu nass, zu hart, zu schlaff, zu zögerlich. So etwas hat wohl jede/r von uns schon einmal erlebt. Dabei ist gerade ein guter Zungenkuss wie eine Visitenkarte auf dem Weg zur Glückseligkeit. Und dieser kann so vielseitig sein. Die Zungenspitze kann spielerisch an den Lippen, der Zunge und den Zähnen des anderen entlanggleiten, sie kann aber auch herrisch die Mundhöhle erobern, gleichsam vorstoßen und Besitz ergreifen. Mit einem Kuss kann man den anderen förmlich zu sich hinüber ziehen, oder auch nur zart an der Unterlippe saugen und knabbern. Mit einem Kuss können wir Schüchternheit oder Selbstbewusstsein ausdrücken.

Ein Kuss erfordert Einfühlungsvermögen. Wir brauchen schon den passenden Moment dafür. Ein schreiendes Baby im Nebenzimmer oder der Hund, der dringend raus muss, sind Gründe, den richtigen Zeitpunkt noch einmal zu überdenken. Und wenn sich das Gegenüber in den Armen versteift, den Kopf zurückzieht oder anfängt zu röcheln, sollte man schleunigst die Marschrichtung wechseln, bevor sich der andere ganz entzieht. Mundhygiene ist auch so ein Thema in Sachen Küssen. Direkt nach dem Genuss von frischen Zwiebeln darf man sich nicht wundern, wenn der Wunsch nach Zungenkontakt nicht so gut ankommt. Gepflegte Zähne und weiche Lippen sind ebenfalls gute Wegbereiter. Man könnte jetzt denken, dass das wohl klar ist. Ist es aber nicht. Und so erwähne ich es deshalb an dieser Stelle noch einmal.

Küssen ohne Forderungen zu stellen

In längeren Beziehungen ist es oft so, dass am Anfang leidenschaftlich gern geküsst wird, diese Aktivität aber mit der Zeit immer mehr abflaut. Und irgendwann wird aus dem intensiven und erregenden Zungenkuss ein freundschaftlicher Wangenkuss. Nehmen wir uns doch mehr Zeit für diese lustvolle Variante von Nähe! Ein paar ruhige Minuten, eine liebevolle Umarmung, das Gesicht mit den Händen umfassend, den Körper eng an den anderen geschmiegt – das schafft Geborgenheit und fühlt sich gut an. Wir laden kurz die Liebesbatterien auf und gehen beschwingt durch den Tag. „Kurz“ ist übrigens auch ein Zauberwort. Denn wenn ein Kuss nur für sich steht und nicht als Aufforderung zum Sex gesehen wird, ist viel häufiger der richtige Zeitpunkt dafür da!

 

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Polyamory: Die Möglichkeit, mehr als nur einen Menschen zu lieben

Allerorten wird heute über Polyamorie geschrieben, gefühlt vor allem in den Medien der jüngeren Generation. Gleichzeitig wird immer wieder die Frage gestellt, ob dies nun das Liebesmodell der Zukunft sei: Nicht nur einen Partner oder eine Partnerin lieben zu dürfen sondern mehrere. Diejenigen unter uns, die sich schon einmal bei bestehender Partnerschaft zu einem anderen Menschen hingezogen gefühlt haben, werden jetzt vermutlich aufatmen: Diese zusätzliche Liebe ganz offen ausleben zu dürfen, wäre eine unglaubliche Erleichterung für das Gewissen. Denn in der Polyamory gilt Offenheit. Vorbei mit der Geheimniskrämerei. Vorbei mit den Eifersüchteleien. Immer jemanden für die jeweiligen Bedürfnisse zur Verfügung zu haben, erscheint ebenfalls verlockend. Gerade wenn es um Sexualität geht. Will der oder die eine nicht, was ich will, so ist vielleicht der oder die andere dazu bereit. Auch der Partner klammert dann nicht so. Schließlich hat er oder sie ebenfalls eine potentielle kleine Auswahl an Liebespartnern. Bedeutet das nicht auch weniger Verpflichtung? Oder eher mehr?

Gleichberechtigung und Offenheit sind das Fundament

Gleichberechtigte Liebesbeziehungen zu mehreren Menschen – ist das in unserer Gesellschaft möglich? Seitensprünge und Außenbeziehung sind ja erst einmal nichts Neues. Der Unterschied zur Polyamory besteht nun vor allem in der Offenheit, mit der diese dem Partner oder der Partnerin gegenüber gelebt werden dürfen. Und es bedeutet eben auch, dass beide Partner das gleiche Recht dazu haben. Die übliche Doppelmoral – Männer dürfen, Frauen nicht – entfällt. Das ist gut. Demgegenüber stehen die Besitzansprüche, die wir in der traditionellen Beziehungsform haben. Mein Mann, meine Frau. Damit verbunden sind häufig Eifersucht und Misstrauen, wenn sich einer der Partner mit einem anderen Menschen intensiv austauscht, Zeit verbringt oder sich eben auch sexuell einlässt. In der Monogamie darf das nicht sein. Du gehörst mir, ich gehöre dir. Der Partner oder die Partnerin ist für die Erfüllung aller Bedürfnisse zuständig, egal ob in emotionaler, finanzieller, kultureller oder körperlicher Hinsicht. Dass wir damit nur allzu häufig an unsere Grenzen stoßen, wissen wir alle. Ist Polyamory hier die Lösung? Einer für alle, alle für einen?

Die Regeln in der Mehrfach-Liebe sind klar formuliert: „Polyamory ist ein Beziehungskonzept, das es ermöglicht, sexuelle und/oder Liebesbeziehungen mit mehreren PartnerInnen gleichzeitig einzugehen. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten um den nicht-monogamen Charakter der Beziehungen wissen und diesen befürworten. Offenheit, Kommunikation und Konsensfindung sind zentrale Werte dieser Beziehungsphilosophie und begründen ihren ethischen Anspruch […..].“ Soweit die Definition von Dr. Christian Klesse von der Manchester Metropolitan University. Wenn man das liest, hört sich Polyamory nach Großzügigkeit, gegenseitigem Respekt und Achtung an. Wahre Intimität scheint auch mit mehreren Partnern möglich zu sein, sei es nun in sexueller oder emotionaler Hinsicht. Die totale Erfüllung. Kommunikation ist eine der Grundregeln. Man redet miteinander und findet gemeinsam Lösungen.

Theorie und Wirklichkeit sind ja häufig zwei Paar Schuhe. Und in der Praxis wissen wir, dass schon in der Beziehung zu einem einzigen Partner Probleme auftauchen (können). Wie schwierig ist es, eine Basis in der Kommunikation zu finden. Wie viele Paare reden nicht wirklich miteinander? Und entfallen Eifersucht und Besitzansprüche in der Polyamory tatsächlich? Aus Angst, den Partner zu verlieren, sagt der eine oder die andere vielleicht Ja zu diesem Liebesmodell. Was passiert, wenn nur ein Partner andere Menschen liebt? Was ist mit diesem Ungleichgewicht? Da ist schon ein gutes Selbstvertrauen nötig, um das auszuhalten. Es ist auch eine große Verantwortung, der man sich in der Polyamory stellen muss. Wie offen ist man wirklich? Und was ist mit Safer Sex?

Eine Möglichkeit unter vielen

Polyamory passt zum derzeitigen gesellschaftlichen Wandel: Immer verfügbar sein zu müssen, alles können zu müssen, immer Lust haben zu wollen. Anderseits wünschen wir uns in der heutigen Zeit auch Konstanz gerade in der Beziehung. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen stehen, in denen über eine Kürzung von Hartz IV bei Alleinerziehenden diskutiert wird, sehnen sich die Menschen nach etwas Beständigkeit in ihrem Leben. Die Familie als Rückzugsort und emotionaler Puffer. Und es ist die junge Generation, die sich heute wieder früh fest bindet und von der großen Liebe träumt. Polyamory als Liebeskonzept der Zukunft? Nein, keinesfalls. Zumindest nicht für alle. Sie ist eine von vielen Möglichkeiten, die uns heute offen stehen. Wenn wir es wollen.

 

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Partnerschaft: Wohin führt uns der Weg?

Obwohl wir wissen, das die Menschheit im Verhältnis zur Lebenszeit des Universums erst einen Wimpernschlag auf der Erde verweilt, neigen wir gern zu der Aussage: „Das war doch schon immer so!“ Schon immer gab es die Prostitution, schon immer waren die Menschen Jäger und Sammler, schon immer hat Hamburg rot gewählt. Schon immer? Manchmal stimmt das ja auch. Aber manchmal eben auch nicht. Kindheit als Lebensphase des Lernens und der Erziehung beispielsweise ist eine Erfindung des Bürgertums. Vorher waren Kinder billige Arbeitskräfte und mussten arbeiten, sobald sie in ganzen Sätzen sprechen konnten. Aha, da sieht man schon, das war nicht nur nicht immer so, es ist auch heute in vielen Teilen der Welt nicht so. Mit der Liebe und Beziehungen ist es auch so eine Sache. Die waren nämlich auch nicht schon immer so. Und sie sind beileibe nicht überall auf der Welt so wie bei uns. Und hier hat sich auch schon viel verändert. Die Frage ist, wohin uns der Weg führt und wie sich Beziehungen an gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen anpassen.

Ein Blick zurück in die Geschichte

Wenn wir uns ansehen, wie sich der Weg zu unserem heutigen Verständnis von Ehe und Liebe entwickelte, können wir uns besser vorstellen, dass es da tatsächlich weiterhin Veränderungsmöglichkeiten gibt. Die Vorläufer unseren heutigen Vorstellungen von der Ehe stammen aus der Zeit des Bürgertums des 19. Jahrhunderts. Bis dahin arbeiteten, lebten und schliefen alle zusammen im „Ganzen Haus“: Eheleute, Kinder, Gesinde. Für uns heute kaum vorstellbar, wuchsen die Kinder zu dieser Zeit übrigens eher beiläufig auf. Eine große emotionale Bindung gab es nicht. Dies trug laut des Sexualforschers Gunter Schmidt auch zu der hohen Kindersterblichkeit bei. Dann bildete sich mit den Umwälzungen der Industrialisierung die Kleinfamilie heraus. Arbeiten und Wohnen wurden getrennt. Unter einem Dach gab es nur noch zwei Erwachsene, die einen Haushalt führten. Und damit erst entwickelte sich die emotionale Bindung nicht nur zum Ehepartner sondern auch zu den Kindern. Waren es bis dahin vor allem wirtschaftliche Gründe, die die Menschen aneinander banden, wurden im Laufe der Zeit Gefühle als Basis einer Ehe immer wichtiger. Der Partner wurde einzigartig und gewann immens an Bedeutung. Es entwickelte sich langsam das Ideal der tiefen, aber auch „vernünftigen“ Liebe zu diesem einen Menschen. Und damit entwickelte sich auch erst das Ideal von Sexualität als Ausdruck von Nähe, Intimität und Leidenschaft. Dass Liebe und Leidenschaft die alleinige Basis einer Partnerschaft bilden, ist jedoch eine Entwicklung unserer modernen Zeit. Und das Problem damit kennen wir (fast) alle.

…bis dass der Tod euch scheidet?

Niemand, der heute heiratet, geht davon aus, dass diese Ehe nur ein paar Jahre halten wird. Wozu sonst wäre der ganze Aufwand wert? Ideal wäre doch eine Liebe, die so lange hält, bis einer der beiden zu Grabe getragen wird. Zwar gibt es Paare, die vor allem aus steuerlichen Gründen heiraten. Die meisten anderen jedoch suchen diesen einen Ort, an dem sie sich zuhause und sicher fühlen können. Angekommen sein, wo man für den Rest des Lebens bleiben möchte. Gerade steigt die Zahl der Heiratswilligen auch wieder an. Wenn sich nur nicht die äußeren Bedingungen immer wieder ändern würden und Liebe nicht so ein enorm fragiles Gefühl wäre. Und so sprechen die Zahlen gegen die Liebe auf ewig. Laut statistischem Bundesamt werden 35% aller in einem Jahr geschlossenen Ehen innerhalb der nächsten 25 Jahre geschieden. Nun gut, könnte man meinen, 25 Jahre sind ja auch schon eine lange Zeit. Da kann man Häuser bauen und Kinder großziehen. Es scheint allerdings das sechste Jahr zu sein, an dem die meisten Ehen scheitern. MHD sechs Jahre? Monatelange Vorbereitungen, Kosten in Höhe eines mehr oder weniger großen Kleinwagens und dann so schnell der Stress einer Scheidung? So ganz glauben die meisten auch nicht mehr an die lebenslange Ehe. Das sieht man auch daran, dass der Satz „…bis dass der Tod euch scheidet“ still und heimlich aus den Treueschwüren vor dem Altar verschwindet. Liebe und Leidenschaft reichen als Basis für ein jahrzehntelanges Zusammenbleiben leider nur in den seltensten Fällen aus.

Scheidung ist ein Privileg der Neuzeit

Heute brauchen wir keinen Trauschein mehr für das Zusammenleben. Dass das allerdings auch große rechtliche Nachteile haben kann, merkt so mancher erst, wenn der Partner oder die Partnerin vorzeitig stirbt und man dann eben formal nicht zur Familie gehört. Auf der anderen Seite können heute Homosexuelle heiraten. Die Sache mit den gleichen Rechten für alle schaffen wir auch noch. Da bin ich zuversichtlich. Dass wir uns heute trennen und scheiden lassen können, halte ich für ein Privileg, das die Generationen vor uns nicht hatten. Ich muss da gerade an Heinrich den VIII. denken, der gleich ganz England aus der katholischen Kirche riss, nur um seine neue Liebste heiraten zu dürfen. Heute ist eine Scheidung eine persönliche Tragödie, die frischgebackene Alleinerziehende häufig in den Bezug von Hartz IV treibt. Aber es ist möglich und wird gemacht. Wir sind nicht mehr unter allen Umständen an den einen Partner gebunden. Trotzdem wird diese Zweier-Konstellation weiterhin von allen Seiten promoted. Partnerbörsen, Soaps, Liebesfilme. Modelle wie die Polyamory bleiben eine Randerscheinung. Wir wollen schließlich nur den einen Partner lieben und von ihm oder ihr geliebt werden. Wir wollen eine Sicherheit, die es de facto nicht gibt.

Ehe auf Zeit

Das klassische Modell hat also seine Macken. Vielleicht brauchen wir etwas Neues. Was es nicht geben kann, ist die EINE ultimative Beziehungsform, die für alle Menschen die Beste wäre. Wie auch? Aber ich habe da eine Idee: Wie wäre es mit der Ehe auf Zeit? Man legt sich bei der Hochzeit auf eine bestimmte Dauer fest. Zwei Jahre, fünf Jahre, zehn Jahre. Und dann schaut man vor dem Ablauf der Zeit gemeinsam, ob man verlängern möchte oder nicht. Das könnte man direkt mit einem Coaching verbinden. Was lief gut, was weniger, was wollen beide Partner für die Zukunft? Gibt es eine weitere Basis? Allein das Wissen, dass der Partner oder die Partnerin nicht für ewig da ist und womöglich eine eigene Entscheidung treffen wird, könnte die Sache spannend werden lassen. Denn wir wollen ja immer gerade das haben, was uns nicht gehört. Nur dann können wir dauerhaft begehren. Und dauerhaftes Begehren ist die Basis unserer heutigen Beziehungen. Was meint Ihr? Völliger Blödsinn? Oder könnte man darüber nachdenken?

 

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Kleine Umarmungen für den Hunger zwischendurch – So halten wir die Liebe am Leben

Wann hast du Deinen Partner oder deine Partnerin das letzte Mal so richtig in den Arm genommen? Heute Morgen? Gestern Abend? Letzte Woche? Du erinnerst dich nicht? Naja, es kommt ja auch immer etwas dazwischen, das Telefon klingelt, die Kinder schreien nach Aufmerksamkeit, du musst zur Arbeit, zum Sport, zur Kosmetikerin, zum Geschäftsessen. Ach was soll’s, am Wochenende ist Zeit genug. Nee, doch nicht, die Tage sind schon durchgeplant, Freunde kommen zum Essen, alles muss vorbereitet werden. Aber der nächste Urlaub kommt ja bald und da ist WIRKLICH genügend Zeit für ein ausschweifendes Liebesleben. Wenn denn nicht gerade die Kinder am Rockzipfel hängen oder womöglich sogar mit im selben Zimmer schlafen. Und dann ist es endlich soweit, der Urlaub ist da, die Erwartungen sind groß, jetzt soll alles nachgeholt werden – und nichts passiert. Von Null auf Hundert, das ist auch so eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Aber wo liegt das Problem?

Zu hohe Erwartungen bremsen uns manchmal so richtig aus

Eine zärtliche Berührung, eine liebevolle Umarmung zwischendurch, das scheint gar nicht so wichtig zu sein. Schließlich dreht sich ja immer alles um Sex. Wie oft ist normal? Zweimal, dreimal in der Woche? Im Monat? Im Jahr? Oder jeden Tag? Darum geht es andauernd, darum machen sich so viele Menschen Gedanken. Sex ist schließlich DAS verbindende Element. Sex unterscheidet das Liebespaar von einer rein freundschaftlichen Beziehung. Und der Sex muss natürlich richtig gut sein, damit beide Lust darauf haben. Spontan natürlich auch, was denn sonst. So war es ja schließlich auch am Anfang. Spontane immerwährende Lust. Jedes Mal das ganz große Gefühl, ein Feuerwerk nach dem anderen. Dass das nach einer gewissen Beziehungsdauer doch aus unterschiedlichsten Gründen etwas mehr Planung erfordert, davon möchte niemand etwas hören. Die Messlatte liegt hoch, und bevor es langweiliger Sex wird, lässt man es lieber bleiben. Wird schon ohne gehen. Und wie oft bleibt da dann auch jede andere Zärtlichkeit auf der Strecke?! Wenn dann aber erst einmal eine gewisse Zeit ins Land zieht, kann es gut passieren, dass sich der eine oder andere Partner vernachlässigt fühlt und sich zurückzieht. Man entfremdet sich körperlich. Und dann wird es richtig schwierig, sich wieder anzunähern. Da kann dann auch ein Urlaub nichts mehr richten.

Umarmen, umarmen, umarmen

Das Rezept dagegen ist eigentlich ganz einfach und erfordert keinen großen Zeitaufwand: Es geht um regelmäßige Umarmungen. Es geht dabei nicht um Sex und man muss dafür auch nicht nackt sein. Einfach mal so zwischendurch, am Besten zweimal am Tag. Ankuscheln, die Arme ganz eng um den Partner legen, mit dem ganzen Körper Kontakt aufnehmen. Sich wirklich aneinander festhalten. Die Augen schließen, sich dem Moment und dem Partner hingeben. Sich gegenseitig den Rücken streicheln. Die Wärme des anderen spüren, seinen oder ihren Geruch wahrnehmen. Volle Aufmerksamkeit füreinander und auf Dich selbst. Dadurch trittst Du mit Deinem Partner in direkten Kontakt und schaffst eine intensive Nähe. Eine durchschnittliche Umarmung dauert vier bis fünf Sekunden. Aber damit geben wir uns hier nicht zufrieden. Nein, wir halten uns für mindestens 20 Sekunden fest! Oh, das fühlt sich gut an! Je länger man die Nähe des anderen genießt, desto mehr Oxytocin wird ausgeschüttet. Das ist das Bindungshormon, von dem alle Welt spricht, auch Kuschelhormon genannt. Oxytocin beruhigt, erzeugt Wohlgefühl und stärkt die Bindung. Probiere es aus, wie geborgen und angenommen fühlst Du Dich? Ich bin mir ganz sicher, dass es nicht lange dauert und diese Umarmungen werden fest in Euren Tagesablauf integriert sein. Weil es sich einfach so gut anfühlt. Und weil mit wenig Aufwand eine große Wirkung erzeugt wird.

Achtung: Angeblich macht eine höhere Oxytocin-Konzentration den Liebsten nahezu blind für die Reize anderen Damen. Noch ein Grund für regelmäßige Umarmungen! Das ist doch gar nicht so schwierig, oder?

 

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Rettet Fremdgehen die Beziehung?

Mein Bruder ist ein feiner Kerl. Ehrlich, freundlich und weitestgehend vorurteilsfrei. Und weil ich seinen gesunden Menschenverstand so schätze, habe ich ihn neulich gefragt, was er denn vom Fremdgehen hält. Ohne nachzudenken sagte er geradeheraus: „Nein, damit könnte ich nicht leben. Ich könnte meiner Frau nie wieder in die Augen blicken.“ Das ist doch einmal eine klare Ansage. Kein „Naja, wenn es nur ein einziges Mal wäre“ oder „Wenn sie mich immer wieder abweist, hole ich mir das eben woanders“, kein „Abwechslung muss sein“, „Gelegenheit macht Diebe“ oder ähnliches, womit so mancher sein Verhalten erklärt. Für meinen Bruder ist es ganz klar eine Frage des Gewissens und nicht der Lust. Aber was ist es nur, das Treue für die einen zur Ehrensache und für die anderen zur Last macht?

Zahlen, Daten Fakten

Verlässliche Zahlen gibt es tatsächlich keine. Wie auch, ist doch Fremdgehen für jeden etwas anderes. Für die einen beginnt es beim Küssen oder beim Fummeln und bei anderen erst beim Geschlechtsverkehr. Oder beim Besuch im Swingerclub, wenn der Partner nichts davon weiß. Und so mancher flippt aus, wenn er merkt, dass da jemand anders für intime Gespräche zuständig ist. Das tut weh und verletzt. Wenn man sich die Medien ansieht, scheint Fremdgehen jedoch populär zu sein. Je nach Umfrage haben bis zu 60% Prozent ihren Partner schon einmal betrogen. Das hört sich dramatisch an. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass gern danach gefragt wird, ob man schon jemals betrogen hat. Je älter der Befragte, desto eher die Wahrscheinlichkeit, auf ein Ja zu stoßen. Dagegen steht, dass 90% der in einer Studie der Uni Hamburg Befragten sich Treue wünschten. Die Jüngeren waren in dieser Hinsicht übrigens besonders streng. Im statistischen Mittel haben fest liierte Großstädter am Ende alle 13 Jahre eine meist kurzfristige Affäre. Das hört sich doch schon viel weniger dramatisch an. Statistiken haben es eben an sich, dass Zahlen so oder so interpretiert werden können, je nachdem, wie man fragt und welche Botschaft man transportieren möchte.

Auf der Suche nach den Ursachen

Darf man fremdgehen? Zerstört es die Beziehung oder rettet es sie gar? Darüber zerbrechen sich die Gelehrten die Köpfe. Evolutionsforscher gehen der Frage auf den Grund, indem sie herauszufinden versuchen, was denn der Rest der Tierwelt macht. Tja, da gibt es Tiere wie die niedlichen Schimpansen, die notorisch fremdgehen und Tiere wie Gibbons und die meisten Vogelarten, die notorisch treu sind. Hilft nicht wirklich weiter. „Früher waren die Menschen Sammler und Jäger“ ist eine andere Herangehensweise. Ich möchte aber mal behaupten, dass wir mehr sind als die Summe unserer Gene und im Gegensatz zum Tierreich auch mit einem Gewissen ausgestattet sind. Es gibt ganz einfach kein Fremdgeh-Gen, das erklärt, warum manche Menschen ihre Partner betrügen und andere treu bleiben. Und selbst wenn es eines gäbe, wäre diese Existenz keine Rechtfertigung, denn Gene haben nun einmal die Eigenschaft, auf Umwelteinflüsse zu reagieren und sich an- oder auszuschalten.

Es gibt ganz klar gesellschaftliche, kulturelle und psychologische Einflüsse, die sich auf das Sexualverhalten auswirken. Wenn ich sowieso schon immer denke, dass ich zu kurz komme, ist die Wahrscheinlichkeit, mir das zu holen, was mir zuzustehen scheint, mit Sicherheit größer. Wenn ich in einem Umfeld aufwachse, wo es mit Treue und Ehrlichkeit nicht so genau genommen wird, scheint mir das Betrügen vielleicht gar nicht so schlimm zu sein. Wenn es in der Gesellschaft, in der ich lebe, dazu gehört, Liebhaber oder Liebhaberinnen zu haben, ist es ganz normal, wenn ich das auch mache. Und wer seine Impulse ohnehin nicht gut unter Kontrolle hat, wird nur schwer Nein sagen können, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ethnologen behaupten, dass es in ganz Afrika keine Ethnie gibt, bei der monogam gelebt wird. So mancher sagt, ohne Sex könne er oder sie nicht leben. Auch da sind wir alle ganz unterschiedlich. Das erinnert mich an ein Gespräch mit einem Berliner Taxifahrer. Der erzählte mir, dass seine Frau schon als junges Mädchen zwangsverheiratet und von ihrem viel älteren Mann aufs Schlimmste vergewaltigt worden sei. Sex sei deshalb bis heute nicht möglich. Auf meine Frage, ob er sie trotzdem liebe und zu ihr stehe, bekam der Mann glänzende Augen und sagte „Oh ja!“. Das Gespräch hat mich sehr beeindruckt. Ich glaube nicht, dass er seine Bedürfnisse woanders auslebt.

Es gibt keine einfache Ja/Nein-Lösung

Natürlich gibt es Menschen, die sich ihrer selbst und der Beziehung so sicher sind, dass Außenbeziehungen erlaubt sind. Dann ist das auch kein Betrügen. Aber ganz ehrlich, die meisten von uns sind doch nicht so souverän. Viel zu schnell sind da Eifersucht und die Unsicherheit, ob der Partner auch tatsächlich wieder nach Hause kommt. Fremdgehen rettet nicht die Beziehung. Für die allermeisten Menschen ist und bleibt es ein Vertrauensbruch. Auch wenn wir mit steigender Lebenserfahrung Selbstvertrauen gewinnen und besser damit umgehen können. Ich halte nichts davon, über das Smartphone herauszufinden, wo sich der Partner oft aufhält. Das schürt nur das offensichtlich sowieso schon vorhandene Misstrauen und führt schnell zu Missverständnissen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass Sex nicht die Basis einer Beziehung bildet. Wenn man sich trennt, mag fehlender oder schlechter Sex eine Ausrede sein. Am Ende steckt aber meist viel mehr dahinter.

 

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Der letzte Gigolo – Die charmante Welt der Illusion

Was macht man, wenn man wohlhabend an Jahren und an Geld ist und ein bisschen Spaß haben will? Jawohl, man spielt Golf. Das ist ja das gängige Klischee. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, das Geld mit Vergnügen unter die Leute zu bringen. Man bucht eine Kreuzfahrt. Und damit sich allein reisende Damen auch an männlicher Gesellschaft erfreuen können, bietet so manche Reederei ihren Gästen sogenannte Gentleman Hosts, auch Eintänzer genannt, an. Im Gegensatz zum ursprünglichen Gigolo, der durchaus sexuelle Affären mit älteren Damen unterhält, sind diese rein auf das Gentleman-Sein eingeschworen und beschränken sich bei ihren Diensten auf Galanterie, Komplimente und Unterhaltung. Affären sind ihnen sogar ausdrücklich verboten. Ab dem 29.01.2015 läuft ein Dokumentarfilm über diesen ganz besonderen Berufsstand in den deutschen Kinos. „Der letzte Gigolo“ zeigt auf unterhaltsame und einfühlsame Weise, wie beide Seiten mit dieser Art der Einsamkeit/Zweisamkeit umgehen.

Wie der schwule beste Freund, den jede Frau gern hätte

Vertraglich verbotener Sex. Schade eigentlich. So manche Dame würde sich sicherlich auch etwas mehr wünschen, träumt von der intimen Begegnung, von einer heißen Umarmung, von einer wunderbaren Liebesnacht. Aber nur mit dem öffentlichen Verbot kann das Ganze funktionieren. Denn so weiß jeder auf dem Schiff Bescheid, dass da definitiv nichts läuft. Nur so können die Damen sich dem Vergnügen hingeben. Keine Furcht um den guten Ruf. Nur ein Tänzchen, ein anregendes Gespräch, eine Begleitung zum Landausflug. Ein Mann, der vertraulich ist, der das Selbstbewusstsein stärkt, einer Frau das Gefühl gibt, begehrenswert zu sein. Wie der schwule beste Freund, den viele Frauen so sehr an ihrer Seite lieben. Ein Mann, mit dem man lachen und manchmal auch flirten kann, ohne sich über weitere Konsequenzen Gedanken machen zu müssen. Der Gigolo auf dem Kreuzfahrtschiff ist für den Moment der perfekte Mann, bleibt aber am Ende eine Illusion. Nur was sollte falsch daran sein? Warum sollen sich die Damen nicht so wunderbar begehrenswert und attraktiv fühlen? Geben wir uns nicht alle von Zeit zu Zeit einer Illusion hin?

Die Macht der Illusion

Nehmen wir einmal die Flirtapp Tinder. Wie viele User sie genau hat, gibt das Unternehmen nicht preis. Aber man trifft ja kaum noch jemanden, der nicht weiß, wie sie funktioniert. Und wer sie hat, guckt im Schnitt 11x am Tag nach, ob es jemand Neues in der Nähe gibt. Wenn zwei User sich gegenseitig ein Okay geben, gibt es ein Match. Und jedes Match steigert das Selbstbewusstsein. Immerhin ist da jemand, dem man zu gefallen scheint. Guckt man etwas genauer hin, stellt man fest, dass trotz Match oft keine Antwort auf die Kontaktanfrage kommt. Egal. Das nächste Match kommt bestimmt. Ich kenne Leute, die sich fast nie treffen, zu groß ist die Gefahr, der andere könnte sich als Enttäuschung erweisen. Lieber schreiben und immer neue Matches suchen. Das ist der Kick. Und eine Illusion, die das Gefühl hinterlässt, attraktiv und interessant zu sein.

Wenn der Schein besser ist als die Realität

Der Sex ist hier wie da nicht das Wesentliche. Ganz im Gegenteil könnte der One Night Stand sogar sehr ernüchternd sein und dann ist es aus mit der Romantik und den schönen Gefühlen. Mir gefällt die Idee mit den engagierten Gigolos. Noch bin ich zu jung für diese Art der Reise. Meine Verabredung fürs Kino steht jedenfalls. Und wenn ich das nächste Mal der Queen Mary beim Ein- oder Auslaufen im Hamburger Hafen zuwinke, denke ich an die glücklichen Single-Damen mit ihren Eintänzern.

 

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