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Die kleine Orgasmus-Schule

Mich gibt es mehrmals, würde der weibliche Orgasmus sagen, könnte er sprechen. Zum Glück kann er das ja nicht. Oder leider nicht? Denn manchmal versteckt er sich und lässt sich so gar nicht hervorlocken. Aber manchmal zeigt er sich auch an den unerwartesten Stellen oder in den unglaublichsten Momenten. Habt ihr gewusst, dass Frauen bei der Geburt einen Orgasmus bekommen können? Oder dass es Frauen gibt, die allein durch Kraft ihrer Gedanken kommen können? Warum das so ist, weiß kein Mensch. Trotz aller Forschung. Wir wissen ja nicht einmal, warum Frauen überhaupt einen Orgasmus bekommen. Denn zur Fortpflanzung brauchen wir ihn nicht. Das können jene Frauen bezeugen, die ihre Kinder ohne Höhepunkt empfangen haben. Vielleicht sollten wir es einfach hinnehmen, dass unsere Körper alle unterschiedlich reagieren? Die einen kommen hier, die anderen kommen da. Hauptsache ist doch, dass wir kommen! Genießen wir doch den Orgasmus, egal wie und egal wo.

Schon einmal beim Sport gekommen? Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, schließlich sind wir Frauen ein wahres Wunderwerk der Lust. Nicht nur sind die erogenen Zonen über unseren ganzen Körper verteilt (dies ist beim Mann entgegen des gängigen Klischees natürlich genauso), auch der Genitalbereich selber ist höchst interessant, wenn es um den sexuellen Genuss geht. Beim Orgasmus steht die Klitoris an erster Stelle. Aber auch bei den Frauen, die eher das Gefühl haben, im Inneren ihrer Vagina zu kommen, spielt sie mit ihrer erstaunlichen Ausdehnung nach dem heutigen sexualwissenschaftlichen Forschungsstand immer noch die Hauptrolle. Umso erstaunlicher ist es daher, dass es noch einige ganz andere und teilweise sehr unkonventionelle Arten gibt, jenseits der direkten oder indirekten Klitoris-Stimulation beste Orgasmen zu erleben. Meine Aufzählung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Wer noch weitere Möglichkeiten kennt, möge sie mir bitte zusenden!

  • Nippelgasmus

Bei einigen Frauen sind die Brustwarzen derart empfindlich, dass schon die Berührung durch die Kleidung hindurch für unerwartete, aber nicht unbedingt immer willkommene Höhepunkte sorgt. Man stelle sich nur vor, beim ersten Date streift der attraktive Kerl aus Versehen mit seinem Unterarm die Brüste und schon ginge es los: Uuuuh….aaaahhhhh….. Nein, das braucht kein Mensch. Aber unsere Brustwarzen sind sein Wunderwerk der Natur. Während sie im Alltag eher ein Schattendasein führen, erwachen sie bei erotischer Betätigung, sei es in der Fantasie oder in der Realität, zum Leben. Dann kann uns die Berührung zu ekstatischen Höhenflügen antreiben. Die Brustwarzen ziehen sich zusammen und erigieren zu kleinen Lustkugeln. Die dabei entstehenden Gefühle schießen direkt in den Unterleib hinunter. Und das kann schon mal zu einem herrlichen Orgasmus führen! Wichtigste Voraussetzung: Erregung. Ohne die geht hier gar nichts.

  • Yogasmus

Beim Yoga kommen? Ja, das ist tatsächlich möglich und ist noch so eine Form des nicht immer gewollten Höhepunktes. Auch so manche Bankdrückerin kann wahrscheinlich ein Lied davon singen. Diese braucht die starke Anspannung in Bauch und Beckenboden, um die Gewichte zu stemmen. Und beim Yoga und Pilates steht die Körpermitte ohnehin im Vordergrund. Und wer jetzt gleich einmal die eigenen Beckenbodenmuskeln anspannt (tut einfach so, als müsset ihr den Urinstrahl aufhalten), sollte umgehend ein leichtes Lustgefühl im Unterleib wahrnehmen. Manche kennen das auch noch aus der Kindheit vom Baum- oder Seilklettern. Jaja, ich weiß, der Sportunterricht hielt so manche Überrschung parat… Je stärker diese Muskeln ausgebildet sind, desto intensiver sind übrigens auch alle anderen Orgasmen. Und so kann das starke Anspannen ohne weitere Stimulation zu einem gewollten oder ungewollten Höhepunkt führen. Auf zum Sport!

  • Braingasmus

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Es geht sogar ganz ohne Berührung und Anspannung, allein durch die Kraft eurer Gedanken! Einen Orgasmus herbeizufantasieren ist zwar nicht einfach, aber möglich. Und so gibt es Frauen, die sich tatsächlich in einen Orgasmus hineindenken können. Schließlich ist das Gehirn unsere größte erogene Zone. Das würde ich allerdings als Königsklasse des Orgasmus bezeichnen und es sind sicher auch nur einige wenige Frauen, denen dieses Talent geschenkt wurde. Ich habe es bisher jedenfalls noch nicht geschafft. Was die eine oder andere jedoch kennen wird, sind die intensiven Höhepunkte, die uns unsere Träume schenken. Schon mal mitten im Kribbeln aufgewacht und dabei festgestellt, dass die Hände unter dem Kopfkissen liegen? Wenn das mal kein Orgasmus in Gedanken ist! Also wenn ich den bewusst hervorrufen könnte, würde ich vermutlich viel mehr Zeit mit Schlafen verbringen 🙂

  • Pogasmus

Kommen wir zum intensiven Körperkontakt. Es wird gemunkelt und hinter vorgehaltener Hand gefragt, ob es wohl tatsächlich möglich sei, beim Analsex einen Orgasmus zu erleben. Ja, das ist möglich! Und auch gar nicht so ungewöhnlich. Der Anus ist eine hocherogene Zone und durch Muskeln und Nerven mit dem Vaginalbereich verbunden. Voraussetzung ist Lust. Dazu sollte frau aber erst einmal überhaupt Lust auf diese Art der sexuellen Vergnügung haben. Denn das Kopfkino spielt hier eine ganz große Rolle. Und so sind Erregung, Lust und Entspannung oberste Voraussetzungen für diese besonders sinnliche Erfahrung. Wenn ihr verkrampft seid, nur mitmacht und womöglich gar keine Lust empfindet, werdet ihr diese Erfahrung vermutlich eher als schmerzhaft verbuchen. Deshalb solltet ihr euch auch niemals überreden lassen. Geht es lieber mit viel Ruhe und Geduld an. Und seid vor allem verschwenderisch mit Gleitmitteln!

  • G-Gasmus

Rund um die Harnröhre herum befindet sich eine schwammartige Ansammlung von Drüsen, bestehend aus Prostata-ähnlichem Gewebe. Voilà, hier haben wir den G-Punkt bzw. die G-Zone. Die Bezeichnungen sind unterschiedlich, führen aber alle auf dasselbe hinaus. Der G-Punkt wird auch als die weibliche Prostata bezeichnet. Und umgekehrt. Und was die Prostata kann, kann unser G-Punkt schon lange: Ejakulieren mit und ohne Orgasmus. Dazu muss dieser Bereich ausreichend stimuliert werden. Das am Besten, wenn ihr bereits Lustgefühle spürt. Ansonsten kann sich die Berührung eher nach einem plötzlichen Harndrang anfühlen. Ob hier nun klitorales Gewebe mit im Spiel ist oder der Beckennerv, der mit dem Rückenmark verbunden ist, bleibt in der Sexualwissenschaft umstritten. Genießen wir daher einfach, was uns die Natur geschenkt hat!

  • Gebärmutterhalsgasmus

Der Gebärmutterhals ragt in die Scheide hinein. Durch ihn gelangen die Spermien in den inneren Teil der Gebärmutter. Dieser Orgasmus ist höchst umstritten. Die einen empfinden die direkte Berührung beim Koitus durch tiefe Stöße als sehr erregend und berichten von starken emotionalen Orgasmen. Die anderen empfinden haargenau die gleichen Berührungen als schmerzhaft und unangenehm. Und so ist für die einen ein langer Penis von Vorteil und für die anderen gerade nicht. Ich maße mir nicht an, darüber zu urteilen, was nun wahr ist und was nicht. Eher gehe ich davon aus, dass alle recht haben. Denn wenn eine Frau diesen Orgasmus erlebt, dann ist das genau so und nicht anders, egal, welche Erklärung von wissenschaftlicher Seite dahinter steckt.

  • Geburtsgasmus

Im Allgemeinen wird das Gebären eher mit Schmerzen denn mit Lust verbunden. Es ist jedoch möglich, dass eine Geburt einen Orgasmus hervorrufen kann. Wenn auch wenig bekannt. Jede 330. Frau soll ihn erleben. Das sind tatsächlich nicht allzu viele. Und so würde ich von einer Schwangerschaft nur für diesen Zweck dringend abraten. Jedoch hat es etwas tröstliches, wenn man sich während der Mühsal des Geburtsvorgangs an die Hoffnung klammert, mit einem fulminanten Orgasmus ein neues Leben auf die Welt zu bringen!Wunderbar wäre es, wenn sich Frauen finden, die uns hier von ihren Erlebnissen berichten. Denn wie immer gilt, wer nicht fragt, der nicht gewinnt. Und wer fragt schon eine Frau im Kreissaal, ob sie vielleicht gerade einen Orgasmus erlebt habe?!

  • Zehgasmus

Den habe ich tatsächlich vom Hörensagen und nehme ihn hier auch mit auf: Bei der professionellen Fußreflexzonenmassage durchfuhr es plötzlich den Unterleib der Erzählenden. Ist mir noch nicht ppassiert. Leider. Und auch der Zehenlutscher des Liebhabers blieb bei dieser Frau nicht ohne zuckende Folgen. Die Stimulation von Nerven und Meridianen, die direkt mit dem Unterleib verbunden sind, gepaart mit dem Kopfkino, kann offensichtlich Orgasmen hervorrufen. Machen wir doch gleich einen Termin zur Reflexzonenmassage!

 

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Freud und der Mythos vom vaginalen Orgasmus

Dass die Erde keine Scheibe ist, wissen wir schon lange. Damals war es allerdings sehr schwer, die Menschen von diesem neuen Weltbild zu überzeugen. Und ich habe irgendwo gelesen, dass es auch heute noch Menschen gäbe, die das immer noch nicht wissen. Schwer vorstellbar, ich weiß. Aber wenn einem Menschen Bildung und auch der Zugang zu modernen Medien fehlt und er nie aus seiner Welt herauskommt, sieht die Erde vielleicht tatsächlich wie eine Scheibe aus. Auch in der Sexualität gibt es Mythen, die wir einfach übernehmen. Und wenn wir diese nicht hinterfragen, kann es sein, dass wir dabei einer scheinbaren Realität hinterherhecheln, deren Ideale wir nie erreichen werden. Wie beim Mythos vom vaginalen Orgasmus. Woher kommt der eigentlich und ist da überhaupt etwas dran?

Der vaginale Orgasmus ist das uralte Schreckgespenst der Sexualität

Es ist jetzt wirklich schon verdammt lang her, dass der Psychoanalytiker Sigmund Freud behauptete, nur der vaginale Orgasmus sei ein wahrer Orgasmus. Der klitorale, also der durch die manuelle oder orale Stimulation des sichtbaren Teils der Klitoris hervorgerufene, sei ein unreifer Orgasmus, einer erwachsenen und verheirateten Frau nicht würdig. Vielleicht hat er das ja nur behauptet, um den Mann bei der Suche nach unserer kleinen Lustperle zu entlasten. Denn möchte man einen „klitoralen“ Orgasmus hervorrufen, muss man die Klitoris ja erst einmal finden und wissen, was man mit ihr machen soll. Mit beidem tut sich so mancher Mann bis heute schwer. Da mag es aus Freuds Sicht natürlich umso einfacher erschienen sein, alles auf die Frau zu schieben. Wenn die nicht kommt, ist es ganz einfach ihre Schuld. Der Mann gibt bei der Penetration schließlich sein Bestes, also kann es an ihm ja nicht liegen. Außerdem wäre es doch toll, müsste er sich nicht zusätzlich anstrengen, um seiner Partnerin Lustschreie zu entlocken. Gut, Freud ist schon lange tot. Und eigentlich war er sogar recht fortschrittlich, denn er hat den weiblichen Orgasmus immerhin als solchen erkannt. Den gab es nämlich bis dahin offiziell gar nicht. Trotzdem hat sich diese Sicht der Dinge ganz ohne böse Absicht leider in so manchem Kopf bis heute verfestigt und sorgt dort für allerlei Ungemach.

Eine hohe Erwartungshaltung sorgt für viel Druck

Mittlerweile hat sich einiges geändert. Der Orgasmus der Frau hat einen festen Stellenwert in der gemeinschaftlichen Sexualität. Und immerhin sollte heute auch allgemein bekannt sein, dass die Klitoris dabei im Mittelpunkt steht und in den allermeisten Fällen besondere Beachtung beim Liebesspiel verdient. Sollte. Ist es aber nicht. Die Erwartungshaltung des Mannes an die Partnerin und die der Frau an sich selbst ist deshalb oft hoch. Und noch immer verzweifeln Paare an der Aufgabe, durch das reine Rein und Raus zum Höhepunkt zu kommen – im besten Falle auch noch gleichzeitig. Zugegeben, zuweilen klappt das ja auch und dann ist das großartig. Aber weil diese Form des Höhepunktes auch heute noch viel zu oft als die einzig wahre angesehen wird, lassen alle Paare, denen dies nicht gelingt, traurig den Kopf hängen. So manche Frau bemerkt nicht einmal, dass sie voll orgasmusfähig ist, weil sie denkt, sie müsse sich dabei doch etwas in ihre Vagina einführen. Das kennen wir ja schließlich so auch aus dem Porno. Da wird immer etwas eingeführt und Frauen wie Männer kommen immer zum Orgasmus. Mehrfach und gern auch gleichzeitig. Ganz ohne Klitoris.

Das Problem mit dem vaginalen Orgasmus ist eines der meistgenannten in der Sexualberatung. Beide Partner denken, an ihnen sei etwas falsch. Frauen setzen sich unter Druck, weil sie ihrem Partner zeigen möchten, wie gut er es ihnen besorgt. Auf der anderen Seite werden sie von ihren Partnern bewusst oder unbewusst unter Druck gesetzt. „Du liebst mich doch, warum kommst du dann nicht?“ „Du bist gar nicht richtig bei der Sache, sonst müsste es doch klappen. „Du lässt Dich gar nicht richtig auf mich ein.“ Und natürlich setzen sich Männer auch selber unter Druck und glauben nicht selten, es mangele ihnen an Penisgröße oder –dicke. Letztendlich sind beide mit der Situation unglücklich. Dabei könnte alles so schön sein! Und jede Voraussetzung dafür ist gegeben, wäre da nicht dieser eigene Anspruch.

Die Erde ist eine Kugel und die Klitoris der Mittelpunkt des weiblichen Orgasmus

Was fehlt? Aufklärung!!! Ich bin sicher, wir werden das auch in diesem Fall irgendwann schaffen. Der vaginale Orgasmus ist ein Mythos und ein Ideal, mit dem wir uns selber Steine in den Weg legen. Es gibt Frauen, die können durch die Penetration zum Orgasmus gelangen und vielen Frauen gefällt es auch, wenn sie selber etwas in ihre Vagina einführen. Aber verantwortlich für jeden Orgasmus ist die Klitoris. Die zieht sich zwar mit ihren beiden Schenkeln in die Vagina hinein und umschließt auch den Scheideneingang. In den allermeisten Fällen brauchen Frauen aber eine direkte oder indirekte Stimulation der hochempfindlichen Klitoriseichel. Hier befindet sich mit 8000 Nervenenden der absolute Höhepunkt der sexuellen Empfindsamkeit. Und es lohnt sich wirklich, dort einmal genau hinzuschauen und herauszufinden, welche Berührungen die richtigen sind.

 

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Die Orgasmuslüge – Höhepunkt vortäuschen oder nicht?

Schon mal vorgetäuscht? Uuuuh, aaaah, jaaaa, ich komme!!!! Das kann echt sein und von großer Lust zeugen. Kann aber auch nur täuschend echt klingen und gar nicht lustig sein. Hej Du da, nicht weggucken, ich meine hier nicht nur die Mädels! Ertappt, ich weiß nämlich genau, dass das keine Frauen-Domäne ist. Auch Männer greifen zu dieser kleinen Notlüge. So mancher meint jetzt zwar, das ginge doch gar nicht und zugegeben, für uns Mädels ist das eindeutig einfacher. Aber wer schaut im Eifer des Gefechts schon nach, ob da auch WIRKLICH Sperma im Kondom oder in der Bettwäsche gelandet ist? So weit geht es mit der Orgasmus-Kontrolle dann ja doch nicht. Normalerweise zumindest nicht. Ich traf einmal auf einen Mann, der behauptete, ganz genau zu erkennen, ob seine Frau einen Orgasmus hat oder nicht. Und tatsächlich kontrollierte er auch jedes Mal, ob sie WIRKLICH gekommen ist. Das würde ihm schließlich zeigen, dass er gut im Bett sei. Wow, dachte ich, das muss ja ein Spaß sein mit so einem Mann. Nicht auszudenken, was für ein Druck dabei entsteht! Ihr Orgasmus zur Bestätigung seiner Fähigkeiten als Liebhaber. Allein bei dem Gedanken daran zieht sich doch jeder Orgasmus in sich selbst zurück und betritt gar nicht erst den Schauplatz des Geschehens.

Der Orgasmus: Das Maß aller Dinge

Leider ist das ja kein Einzelfall, nur sind die meisten anderen nicht ganz so verbissen dabei. Der Orgasmus ist und bleibt das ultimative Ziel beim Sex. Vorspiel – Penetration – mit Glück noch ein Nachspiel, so sieht die heterosexuelle Normalität aus. Blöd nur, dass so viele Frauen allein durch das Rein und Raus nicht zum Orgasmus kommen. Blöd auch, dass Männer keine störanfälligen Maschinen sind. Beides hat sich schon weitgehend herumgesprochen. Nur fehlt so vielen eine Idee, wie man damit umgehen solle. Und anstatt darüber zu sprechen oder sich womöglich sogar zu trauen, dem anderen zu zeigen, wie sie oder er es besser machen kann, wird zur schnellen Notlüge gegriffen. Bei einem One Night Stand ist das sicherlich kein Drama. Anderseits ist es doch schade, wenn eine Situation, in der gerade der heiße Sex im Mittelpunkt steht, nicht für beide befriedigend ist. Erstaunlicherweise sind wir hier aber viel offener, können viel besser unsere Bedürfnisse mitteilen und ausleben. Aber das ist ja auch gerade der Reiz an der Sache. Es gibt nichts zu verlieren und man sieht den anderen wahrscheinlich sogar nie wieder.

Wenn der Orgasmus der Bestätigung dient

Anders ist es in einer Partnerschaft. Sich dem anderen zu offenbaren, erfordert ungleich mehr Mut. Vielleicht stoßen die eigenen Vorlieben auf Unverständnis, vielleicht hat man schon einmal die Erfahrung gemacht, dass der andere sich zurückzieht. Hat man aber erst einmal mit dem Lügen angefangen, ist es schwer, aus der Situation wieder herauszukommen. Niemand will seinen Partner ernsthaft verletzen. Ganz im Gegenteil möchte man ja gerade gern die Erwartungen des anderen erfüllen, möchte ihm oder ihr zeigen, wie schön der gemeinsame Sex ist. Mit dem Vortäuschen von Lust wollen wir Diskussionen aus dem Weg gehen und auch der Konfrontation mit den eigenen Ängsten, vielleicht nicht gut genug zu sein. Wir wollen nicht als Versager dastehen, dem anderen nicht das Gefühl geben, nicht attraktiv genug zu sein. Es ist aber verletzend und zerstört Vertrauen, wenn dieses Spiel über einen längeren oder sogar sehr langen Zeitraum betrieben wird. Glücklich wird dabei keiner von beiden. Wie auch. Wer dauerhaft Lust vortäuscht, steckt auch dauerhaft die eigenen Bedürfnisse zurück. Wie kann es dann wundern, wenn der Sex langweilig ist, keinen Kick mehr hat und sogar Abwehrreaktionen bis hin zur totalen Aversion gegen Sex entstehen? Das ist der Stoff, aus dem sexuelle Probleme gemacht werden. Hausgemacht sozusagen.

Und immer wieder das gute alte Reden

Zu erwarten, dass der andere schon selber darauf kommt, was man sich wünscht, hilft nur selten weiter. Ist man erst einmal in die Falle geraten, sollte man das Gespräch auf keinen Fall mit Vorwürfen beginnen. „Du machst nie, was ich möchte“ ist ein denkbar kontraproduktiver Satz. Damit kann der andere gar nichts anfangen und wird sich mit Sicherheit auch nicht einsichtig zeigen. Gut sind Ich-Botschaften mit klaren Ansagen: „Mir gefällt es, wenn du deine Zunge um meine Klitoris kreisen lässt“ oder „Ich wünsche mir, dass wir uns vor dem Sex zärtlich küssen.“ Nicht immer muss man reden: zeigen und die Hand des anderen führen geht auch. Also, vortäuschen oder lieber die Wahrheit sagen? Die Entscheidung muss jeder für sich selber treffen. Wer aber auf Vertrauen baut und sich eine erfüllende Sexualität wünscht, wird nicht umhin kommen, die eigenen Bedürfnisse zu erforschen und diese dann auch mit dem Partner zu teilen.

 

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Der weibliche Orgasmus auf Knopfdruck – Das Patentrezept

Ha, ich habe es gewusst, bei dieser Überschrift werden alle neugierig, die Klicks steigen rasant in die Höhe, gleich bricht die Website zusammen! Ein Orgasmus auf Knopfdruck, damit wären auf einen Schlag alle Probleme mit der weiblichen Lust gelöst. Ein Schlaraffenland des sexuellen Genusses, ohne langes Reden, ohne langes Herausfinden, was frau anmacht. Ach, wäre das schön, wenn das ginge. Ein Patentrezept für den weiblichen Orgasmus. Damit würde ich reich und berühmt. Wie außerordentlich schade, dass es das nicht gibt. Nicht einmal etwas Ähnliches.

Bei Männern scheint das ja so einfach zu sein. Hand anlegen, ein paar stoßende Bewegungen in der Liebsten, fertig. Aber auch Männer sind störanfälliger, als man das gemeinhin glauben möchte. Probleme mit der Erektion, Probleme mit der Ejakulation. Und als I-Tüpfelchen dann noch die Suche nach dem Knopfdruck bei der Freundin. Dabei wissen ja viele Frauen selber nicht einmal genau, was passieren muss, damit sie den Höhepunkt der Lust erklimmen.

Für jede Frau einzigartig

Jede Frau ist so unglaublich besonders. Da gibt es zum Beispiel Frauen, die einen Orgasmus allein durch das Zusammenpressen der Beine und gleichzeitiges Anspannen der Beckenbodenmuskulatur bekommen. Das hört sich im ersten Moment super an – ist gewollt auch sicherlich beneidenswert – kann beim Sport allerdings schon mal etwas unpassend sein. Man stelle sich das nur einmal beim Bankdrücken zwischen all den Schwergewichten oder in der Stille eines Yoga-Kurses vor. Ich persönlich würde beim Aerial Yoga im Handstand von der Decke herabhängend nur sehr ungern in ungewollte Zuckungen verfallen, mal ganz abgesehen von der nicht Yoga-konformen Atmung. Es lohnt sich allerdings allemal, die Beckenbodenmuskulatur zu trainieren. Denn je stärker diese ist, desto intensiver können Orgasmen sein, da sich genau diese Muskeln in kurzen Abständen an-und entspannen und damit zu dem allseits bekannten intensiven Gefühl führen. Das gilt übrigens auch für Männer.

Manche Frauen kommen mehrmals hintereinander. Oder ein einziges Mal mit einem großen Knall. Manchmal ist es auch nur der Hauch eines Zitterns im Unterleib. Manchmal kommt der Orgasmus in Sekundenschnelle und dann wieder gar nicht. Manche Frauen können bei der Penetration kommen, andere stimulieren ihre Klitoris währenddessen oder lassen sich von ihrem Partner verwöhnen. Oralverkehr bringt die eine um den Verstand, die andere hingegen kann dem vielleicht gar nichts abgewinnen. Der eine Orgasmus scheint durch die Klitoris zu kommen, der andere tief durch den Unterleib. Der eine Orgasmus bleibt im Becken, der andere zieht sich bis hoch ins Gehirn. Erschwerend kommt dann auch noch hinzu, dass es vielleicht bei dem einen Partner geklappt hat, aber bei dem nächsten sich gar nichts tut.

Auch wissenschaftlich ist ihm nicht beizukommen. Die Sexologen Masters und Johnson haben in den 70ern Messungen vorgenommen, um herauszufinden, was sich wann und wo genau abspielt. Es ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Gefühlen und körperlichen Reaktionen. So ein Orgasmus spielt sich ja nicht nur in den Genitalien ab sondern auch im Kopf. Das kennen die Frauen, die nachts heiße Träume und ohne Anfassen Orgasmen von ungeheurer Intensität haben.

Lerne dich selbst kennen

Am Ende hilft es auch nicht weiter, genau zu wissen, ob ein Orgasmus nun in der Klitoris, der Vagina oder im Kopf stattfindet und welche Hormone dabei eine Rolle spielen. Wichtig ist nur zu wissen, wie man ihn erreichen kann. Viele Frauen finden durch Selbstbefriedigung heraus, welche Berührungen und Positionen am besten sind. Andere überlassen es dem Partner, dies herauszufinden. Und da fängt das Problem an. Wenn ich selber nicht weiß, wie ich zum Orgasmus komme, wie soll es dann mein Partner wissen? Auch erfahrene Männer haben in dem Fall eine große Aufgabe vor sich. Da würde nicht einmal Gedankenlesen helfen. Es muss eine deutlichere Sprache her.

Sexuell aufgeschlossene Frauen können ihrem Partner ganz einfach zeigen, wie sie es am Liebsten haben, indem sie vor ihm masturbieren. Nicht nur, dass ein Mann dabei lernt, es macht ihn auch verrückt, ihr dabei zuzusehen. Wer sich das nicht traut, sollte zumindest durch Handzeichen und Geräusche deutlich machen, wo und welche Berührungen gut sind. Und was gar nicht geht, ist Druck. Weder für ihn noch für sie. Druck nimmt den Spaß und die Leichtigkeit, lässt uns auf den anderen achten und nicht mehr auf uns selbst. Mein Lieblingsspruch in Sachen Sex ist „Der Weg ist das Ziel.“ Und sollte dieser Weg im Orgasmus enden, umso besser. Wenn nicht, kann man den Weg endlos ausdehnen und auch dabei viel Spaß haben.

 

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