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Herzlich Willkommen in den Wechseljahren!

Vor einiger Zeit war Angelina Jolie mit der vorsorglichen Entfernung ihrer Brüste ganz groß in der Presse: Statt des lauernden Brustkrebsrisikos lieber gleich die Prophylaxe, hatte sie sich gedacht. Ein wichtiges Thema für alle Frauen, die sich ebenfalls mit der Vererbbarkeit dieser immer noch viel zu oft tödlichen verlaufenden Krankheit. Um ihr nächstes Thema war es zwar etwas weniger laut. Dafür betraf das tatsächlich alle Frauen. Denn Jolie liebt ihre Menopause und machte daraus auch öffentlich keinen Hehl. Ich muss zugeben, dass mir diese Schlagzeile sehr gelegen kam. Wechseljahre, Menopause, Klimakterium, wie auch immer wir es nennen, es scheint wie das Damoklesschwert über unseren Köpfen zu schweben. Auch über meinem. Wir können es nicht verhindern. Früher oder später trifft es uns alle. Unsere Hormone spielen wie in der Pubertät verrückt. Aber statt uns zu überfluten, ziehen sie sich jetzt zurück. Das wirklich Einschneidende daran ist wohl, dass wir unsere Fruchtbarkeit verlieren. Und damit unterscheidet sich diese Lebensphase ganz eindeutig von den so oft beschworenen und heiß umstrittenen Wechseljahren des Mannes. Aber verbirgt sich hinter den Wechseljahren nicht auch die Chance auf eine neue Lebenserfahrung?

Eindeutige Anzeichen gibt es kaum

Wann geht das Ganze eigentlich los und woran merkt man es? Durch die Entfernung ihrer Eierstöcke, die für die Östrogenproduktion verantwortlich sind, hat sich Angelina Jolies 40-jähriger Körper vorzeitig in die Wechseljahre begeben. Aber womöglich ist das auch gar nicht vorzeitig. Denn bei manchen Frauen beginnt die Hormonumstellung unbemerkt tatsächlich schon mit Ende 30. Dann könnte das bei mir erst recht jeden Tag losgehen. Ich beobachte das übrigens sehr genau. Noch scheint alles ganz normal zu sein. Wobei mir gerade auffällt, dass ich keine Gewichtsschwankungen mehr habe. Zumindest nicht nach unten. Könnten das die Wechseljahre sein? Oder liegt das nur an dem guten Essen, das mir heute wichtiger ist als früher das Tanzen? Die Pille verhindert unregelmäßige Blutungen. Wer sie nimmt, findet hier also auch keinen eindeutigen Indikator. Auch für meine Gelenkschmerzen hat sich eine andere Erklärung gefunden. Hm. Neulich hatte ich unvermutet plötzlich einen Schweißausbruch. Ah, dachte ich, seit heute 13:20 Uhr bin ich in den Wechseljahren. Denn nur Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind tatsächlich eindeutige Anzeichen für das Klimakterium, alles andere hat eben oft ganz andere Ursachen. Naja, für meinen Schweißausbruch waren vermutlich der Klimawandel und mein viel zu dicker Wintermantel verantwortlich, denn ein weiterer erfolgte bisher nicht. Ich drehe die Uhr daher wieder auf Null und warte auf das nächste Anzeichen. Es kann tatsächlich auch sein, dass ich bis Mitte 50 warten muss, ehe es losgeht. So unterschiedlich ist das nämlich.

Sind die Wechseljahre in Wirklichkeit ein Mythos?

Wenn Frauen früher in die Menopause kamen, wurden ihnen ohne Umschweife Hormonpräparate verschrieben. Allen möglichen Beschwerden sollte der Garaus bereitet werden: Schlafstörungen, die erwähnten Hitzewallungen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwächen, sexuelle Lustlosigkeit. Ob andere Ursachen wie pubertierende Kinder, anstrengende Ehemänner oder Stress im Job dahinterstecken könnten, wurde überhaupt nicht gefragt. Es wäre ja auch so schön, wenn wir unsere Probleme in dieser Lebensphase ganz einfach auf den Hormonwechsel schieben könnten. „Du hast habe schlechte Laune? Ach, das sind wohl die Wechseljahre! Da kannst Du doch gar nichts dafür!“ So einfach ist das aber nicht. Wenn ich heute mit Frauen spreche, finden wir für die Probleme oft eine ganz einleuchtende Erklärung aus dem aktuellen Lebensumfeld. Die Auffassung von den Wechseljahren als Krankheit hat sich zum Glück auch in der Medizin geändert. Heute können sich Frauen bei ausgeprägten Beschwerden zwar Hormone in der geringstmöglichen Dosis für die Dauer von bis zu zwei Jahren verschreiben lassen. Aber nur ein Drittel aller Frauen hat überhaupt solche ernsthaften Beschwerden! Ein Drittel merkt gar nichts und ein weiteres Drittel hat nur leichte Beschwerden. Ich habe beschlossen, dass ich zu dem Drittel ohne Beschwerden gehören werde. Oder schon gehöre, wer weiß. Vielleicht merke ich ja einfach nur nichts.

Die Psychologin Kerstin Weidner von der Universität Dresden hat 1400 Frauen in allen Altersgruppen befragt. Und siehe da, bis auf Hitzewallungen und Schweißausbrüche kamen alle anderen der normalerweise mit den Wechseljahren in Verbindung gebrachten Beschwerden in allen anderen Altersgruppen genauso vor. „Wir haben festgestellt, dass die körperlichen Beschwerden mit dem Lebensalter allmählich zunehmen, aber keinen Höhepunkt in den Wechseljahren haben“, so das Statement. Und so gebe es auch keine psychischen Symptome der Wechseljahre. Ich denke aber, dass es für Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch sehr schwer ist, dieser neuen Lebensphase freudig entgegenzublicken. Und da kann Frau Jolie sich mit ihren sechs Kindern nun wirklich nicht beschweren. Der Grund für diese Trauer sind aber nicht Wechseljahrsbeschwerden, sondern Trauer um eine sich dem Ende zuneigende Lebensphase. Endgültig vorbei ist es mit der Fruchtbarkeit aber erst, wenn die Periode ein Jahr lang ausgeblieben ist. Wer dann nicht schwanger war, wird es auch nicht mehr. Im Schnitt ist dieser Zeitpunkt erst mit 52 Jahren erreicht. Bis dahin ist es theoretisch noch möglich, ein Kind zu bekommen.

Wir selbst bestimmen, wer wir in und nach der Menopause sind

Früher wurde eine Frau mit Mitte vierzig für alt erklärt. Kinder waren genauso Lebensaufgabe wie einen Ehemann glücklich zu machen. Frauen hatten den Haushalt zu führen und Sex war etwas für die Jugend. Puh, gottseidank ist das heute anders. Zumindest in meiner Welt. Wir können fast alles machen, was wir wollen, wir können allein leben, wir können noch heiraten, wir können sogar noch Kinder bekommen, wenn es klappt. Wir sind viel selbstbewusster und wissen, was wir wollen. Auch in sexueller Hinsicht. So manche Frau bricht aus alten Bahnen aus und entdeckt jetzt erst ihre Sexualität. Frauen in den Wechseljahren sind heute attraktiv und interessant, siehe Jolie, auch wenn die nun besonders früh damit angefangen hat. Die Sorge um unerwünschte Schwangerschaften fällt weg. Und juhu, endlich keine Regel mehr! Darauf freue ich mich besonders.

 

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Der Verhütungsschalter für den Mann

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Auch in der Welt der Verhütungsmittel. Da hat doch tatsächlich ein Mann eine komplett neue Methode erfunden! Und die ist doch tatsächlich für Männer! Da hat sich jemand Gedanken gemacht! Ja! Nicht zu fassen! Und das Interessante daran ist, dass das kein Arzt oder ein großes Pharma-Unternehmen ist. Nein, ein Tischler. Ein Tischler? Was hat der denn mit Verhütung zu tun, fragt Ihr Euch jetzt sicherlich. Das habe ich mich auch. Und die Frage ist durchaus berechtigt. Tischler sind nun nicht gerade prädestiniert für die Entwicklung von medizinischen Innovationen, geschweige denn Verhütungsmitteln. Aber dieser hatte eine Idee und sich dann jahrelang in das Thema eingefuchst. Und nun ist er da und bereit zur Erprobung: Der Ein-Aus-Schalter für den Mann, direkt implantiert in den Samenleiter. Jeder kann entscheiden, wann da Spermien durch dürfen und wann nicht. Das findet Ihr utopisch? Komisch? Ein Implantat? Warum denn nicht? Frauen lassen sich immerhin auch kleine Stäbchen unter die Haut implantieren.

Die Last der Verhütung liegt auf den Schultern der Frauen

Schon lange reite ich darauf herum, dass viel zu wenig an neuen und vor allem an Verhütungsmitteln für den Mann geforscht wird. Wir Frauen tragen fast die gesamte Last auf unseren Schultern. Wir schlucken täglich Pillen, kleben uns Pflaster an den Körper, lassen uns Metall in die Gebärmutter einsetzen, führen uns Kappen aus Latex oder Silikon ein, lassen uns die erwähnten Stäbchen implantieren, hantieren mit chemischen Cremes, führen akribisch Kalender über Temperatur und Zervixschleim. Ihr wisst nicht, was Zervixschleim ist? Dann wäre es an der Zeit, sich damit einmal zu beschäftigen. Und ich habe noch mehr: Insbesondere die hormonellen Mittel haben Nebenwirkungen, als da wären Übelkeit, Schwindel, Zwischenblutungen, Lustlosigkeit, lebensgefährliche Thrombosen und noch so einiges anderes. Wir dürfen die Pille um Himmels Willen nicht vergessen, sitzen in Wartezimmern herum, müssen darauf achten, dass Spiralen und Kappen nicht verrutschen. Aber das Schlimmste ist wohl, dass wir bei manchen hormonellen Methoden unsere Fruchtbarkeit für einige Monate auch noch nach dem Absetzen einbüßen. Wer schwanger werden will, muss sich also unter Umständen eine ganze Zeitlang gedulden. Ich weiß nicht, ob das allen Liebhabern so klar ist. Denn die meisten Frauen schlucken, schieben, lassen einsetzen und was auch immer es da noch so gibt, ohne sich groß zu beklagen. Und sie bezahlen das oftmals auch aus eigener Tasche.

Für den Mann gibt es bisher nur zwei Möglichkeiten: Kondom oder Sterilisation. Kondome können abrutschen oder reißen und außerdem seien sie nicht gefühlsecht. Letzteres habe ich schon oft als Argument gegen die Benutzung von Kondomen gehört. Das macht mich wirklich sauer, wenn wir einmal überlegen, was Frauen so alles auf sich nehmen. Die Sterilisation wiederum ist endgültig. Dass ein Mann, der noch Kinder haben möchte, die nicht vornehmen lässt, kann ich nun sehr gut nachvollziehen. Insgesamt betrachtet ist das alles also ziemlich ungerecht verteilt, wie ich finde. Und deswegen verstehe ich auch nicht, warum sich da nichts ändert.

Ein Tischler wird zum Erfinder

Aber vielleicht hat sich da ja tatsächlich etwas Bahnbrechendes getan. Denn nun kommt also dieser Tischler daher und erfindet etwas ganz Neues. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Anstoß zu den großen geben. Clemens Bimek sah vor Jahren im Fernsehen eine Doku über Verhütung und hatte dazu eine Idee. Die Spermien werden in den Hoden gebildet, fließen anschließend durch die Nebenhoden und die beiden Samenleiter in Richtung Harnröhre und vermischen sich mit dem Ejakulat aus der Prostata, bevor sie in hohem Bogen herausspritzen. Unser Tischler hat sich überlegt, dass man doch die Spermien auf ihrem Weg einfach aufhalten könne. Und zwar nicht durch eine unwiderrufliche Vasektomie sondern durch ein Implantat mit einem Schalter, den der Träger sogar selber umlegen kann. Ein-Aus. Unfruchtbar-fruchtbar. Bimek hat sich jahrelang informiert, sich mit Medizintechnik beschäftigt und nicht aufgegeben. Ein Patent ist angemeldet, der Prototyp befindet sich bereits in seinen Samenleitern. Das Material für sein Ventil wird schon länger in der Implantationsmedizin verwendet.

Mit einem einfachen Schalter Verantwortung übernehmen

Es gibt Fürsprecher. Und natürlich gibt es Kritiker. Allem Neuen gegenüber ist man erst einmal skeptisch eingestellt. Vor allem offenbar, wenn es um die heilige Fruchtbarkeit des Mannes geht. Die der Frauen wird offenbar weniger wertgeschätzt, denn hier ist man wie eingangs beschrieben, wesentlich experimentierfreudiger. Die Kosten für das Ventil liegen derzeit bei 3000 Euro. Das ist eine ganz schöne Stange Geld, entspricht aber exakt den Kosten der Pille über 25 Jahre bei einem Preis von 10 Euro pro Monat. Dabei hat das Ventil keine Nebenwirkungen und soll lebenslang halten. Ginge das Produkt in Serienfertigung, würden die Kosten rasant fallen. Die Leiterin eines Prüflabors für Medizinprodukte sagt zu dem Ventil: „Für dieses Produkt müsste der Nutzen nun sehr groß und das Risiko sehr klein sein, da Verhütung ja keine lebensbedrohliche Erkrankung ist und es alternative Methoden gibt, die keine Operation erfordern.“ Alternative Methoden? Also schieben wir doch wieder alles auf die Frauen? Wollen wir es nicht wenigstens einmal anders versuchen? So mancher Mann hat schon die ungeplante Schwangerschaft der Partnerin als einen Versuch, ihm ein Kind unterzuschieben, betrachtet. Warum nicht selber die Verantwortung übernehmen statt sie abzuschieben?

 

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Reproduktionsmedizin – Wie privat ist das Private?

Was ist heute eigentlich noch privat? Verlieben? Liebe machen? Ein Kind auf die Welt bringen? Sich trennen? Haben wir alles schon im Fernsehen gesehen. Dank unzähliger Reality Shows weiß ich, wie es bei anderen zuhause aussieht, was sie kochen, wie sie ihre Kinder erziehen und wie sie sich anstellen, wenn sie sich durch ekliges Getier wühlen müssen. Ich sehe Menschen voller Hoffnung einen Fremden heiraten und ich sehe dabei zu, wie sie sich von einem Mann in eine Frau und umgekehrt verwandeln. Wann ist es voyeuristisch und wann ist es informativ? Wo soll man da noch eine Grenze setzen? Beim Schweizer Sender SRF 1 durfte ich nun einem Paar bei einer künstlichen Befruchtung zusehen. Ist der Akt der Zeugung zu intim für das Fernsehen? Oder hilft es den Paaren, die sich so sehnlich ein Kind wünschen?

Der lange Weg zum Wunschkind

Diese Reportage ist nicht voyeuristisch aufgezogen. Dafür ist sie viel zu sachlich, viel zu unspektakulär für den Sensationsgucker. Und ehrlich gesagt auch etwas schwer verständlich für den deutschen Zuschauer, der des schwyzerdütsch nicht mächtig ist. Wie ich zum Beispiel. Stattdessen gibt sie Einblicke in die Reproduktionsmedizin und erzählt von den Hoffnungen und Ängsten der Betroffenen. Und davon gibt es viele. In Deutschland sind 10 bis 20% der Paare im gebärfähigen Alter von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Störungen der Ovarialfunktion bis hin zur sexuellen Funktionsstörung. Sie liegen zu je 40% beim Mann bzw. der Frau und in 15% der Fälle bei beiden Partnern. Bei 5% ist gar keine Ursache erkennbar. Und je älter ein Paar bei der Zeugung ist, desto schwieriger wird es, da mit zunehmendem Alter Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit sinken. Was im Klartext heißt, dass in unserer Gesellschaft mit stetig steigenden Spätgeburten immer mehr Menschen von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen sein werden.

1978 kam das erste im Reagenzglas gezeugte Baby auf die Welt. Ich kann mich noch gut an den Aufruhr erinnern. Das war futuristisch und machte vielen Menschen deshalb auch Angst. Klonen war das große Stichwort. Wenn künstliche Befruchtung möglich ist, wie lange würde es dauern, bis die ersten Menschen geklont würden? Mit diesem Thema setzt sich die kanadische Science-Fiction-Serie „Orphan Black“ auseinander. Seit damals ist die gesellschaftliche Akzeptanz für die Reproduktionsmedizin jedoch stark gestiegen. Hoffnung statt Zukunftsangst. Trotzdem ist das kein Thema, über das beim Essen mit Freunden gesprochen wird. Zu groß ist der emotionale Stress, unter dem die Paare stehen. Davon wird in der Reportage nicht gesprochen. Bis zu dem ersten von drei Versuchen, den die Krankenkassen in Deutschland verheirateten Paaren zahlen, muss erst ein Jahr vergehen – in Großbritannien sogar zwei-, in dem trotz regelmäßigen ungeschützten Verkehrs keine Schwangerschaft entsteht.

Der Druck ist enorm. Zuerst wird aus der Lust Sex nach Fahrplan, immer schön um die fruchtbaren Tage herum. Eisprung, ab ins Bett. Da gibt es auch schon einmal Anrufe im Kommandoton: Mann, komm sofort nach Hause, du musst ran, ich habe meinen Eisprung! Die Betroffenen haben das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Und mit jeder Regelblutung steigt der Stress. Dazu kommen häufig Kommentare aus dem Umfeld, die aufmunternd wirken sollen, aber das Gegenteil bewirken: „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt“, „Nehmt es doch nicht so schwer, ein Leben ohne Kinder ist auch möglich.“ Das stimmt zwar, steht aber gerade nicht zur Diskussion. Also redet man lieber nicht darüber. Hier muss die gesellschaftliche Akzeptanz auch ansetzen. Mitgefühl und Verständnis, zusätzlich zur medizinischen Komponente psychosoziale Unterstützung.

Die andere Seite der Reproduktionmedizin

Aber auch aus einer anderen Richtung rückt die künstliche Befruchtung in den Fokus der Öffentlichkeit. Leider nicht zu ihrem Vorteil, befürchte ich. Denn es ist nicht so, dass sich nur Paare der Prozedur unterziehen, bei denen eine Unfruchtbarkeit nachgewiesen ist. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, greift schon mal aus reiner Bequemlichkeit darauf zurück. Prominentestes Beispiel ist Angelina Jolie, die sich Medienberichten zufolge nicht dem Stress der natürlichen Zeugung aussetzen wollte und auf diese Weise Zwillinge gebar. Vielleicht steckte aber auch ihre Angst vor dem diagnostizierten Eierstockkrebs-Risikos dahinter. Immerhin hatte sich Jolie 2013 wegen ihres hohen Brustkrebs-Risikos beide Brüste abnehmen lassen. Apropos Zwillinge. Das ist ja auch so eine Sache. Zwillinge, Drillinge bis hin zu Achtlingen hat die Reproduktionsmedizin schon geschaffen. Immer wieder ein gefundenes Fressen für die Medien.

Zudem sorgen Unternehmen wie Apple und Facebook für Aufsehen, weil sie ihren Mitarbeiterinnen anbieten, die Kosten für das Einfrieren von Eizellen zu übernehmen. Das soll den Frauen die Möglichkeit bieten, sich zumindest im Moment noch nicht für ein Kind entscheiden zu müssen. Sichergestellt werden soll damit natürlich, dass die Mitarbeiterinnen ihre ganze Energie auf ihren Job richten und nicht auf ein Baby. Auf den ersten Blick ist es ein Angebot, auf den zweiten Blick ist es ein Dilemma. Denn was ist mit den Frauen, die jetzt sofort ein Kind möchten? Hat sich das Einfrieren erst einmal etabliert, könnte das als ein Zeichen von Illoyalität gewertet werden. Und was, wenn es mit der Befruchtung später nicht mehr klappt? Wo bleibt das Private, wenn sich der Arbeitgeber in die Zeugung einmischt? Ein prima Thema für die nächste Science Fiction-Serie und ein Thema, das uns noch viel beschäftigen wird.

 

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Einfrieren, auftauen – Wie Unternehmen über die Fruchtbarkeit ihrer Mitarbeiterinnen bestimmen wollen

So, Leute, ich verabschiede mich. Ich gehe nach Kalifornien, genauer gesagt zu Apple. Oder zu Facebook. Das muss ich mir noch überlegen. Da ich mehr Apple- als Facebook-Fan bin, aber vielleicht doch lieber zu Apple. Die brauchen mich dort jetzt nämlich dringend. Wenn es nicht schon vorher andere Zeichen gegeben hätte, würde ich sagen, diese beiden Unternehmen haben uns jetzt gerade endgültig in die Zukunft katapultiert. In eine Zukunft, in der Sex nur noch der puren Lust dient und sich endgültig von Fortpflanzung und Beziehung löst. Traumhaft! Langweilig. Gefährlich. Denn es ist auch eine Zukunft, in der Funktionieren und Aufopfern im Job noch mehr vor dem persönlichen Glück stehen und sich sogar die Natur diesem Prinzip beugen muss.

Applebooks, die Babys der Zukunft

Wenn ich dann für eins der Unternehmen arbeite, kann ich meine Eizellen auch gleich einfrieren lassen. Vermutlich ist das sogar die Voraussetzung. Denn genau das ist es, das diese beiden Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen vorschlagen. Wir frieren deine Eizellen ein und du stehst uns dafür rund um die Uhr und solange, bis du umfällst, zur Verfügung und machst deshalb eine tolle Karriere bei uns. Da ich vermute, dass bei so einer tollen Karriere keine Zeit für die Partnersuche geschweige denn für eine Beziehung bleibt, kann Facebook einen Algorithmus einbauen, der dann nach dem Umfallen den passenden Samenspender äh Beziehungspartner aussucht. Das mit dem perfekten Sperma könnte ja die Apple Watch erledigen. Partner über Facebook finden, mit der Apple Watch Kompatibilität überprüfen, Eizellen und Sperma (das gleich mit eingefroren werden sollte, da es mit zunehmendem Lebensalter des Spenders an Qualität verliert) auftauen lassen und los geht’s. Das gibt dann tolle Babys. Applebooks könnten wir sie nennen.

Wo werden die Grenzen gesetzt?

Was aber passiert, wenn eine Mitarbeiterin ihre Eizellen hat einfrieren lassen – was mit bis zu 20.000 Dollar gefördert wird – dann aber trotzdem schwanger wird? Gibt es eine Vereinbarung, die sie zum Abbruch zwingt? Muss sie den Zuschuss zurückzahlen? Was, wenn eine Mitarbeiterin ihren Traumpartner findet, der aber ganz andere Ansichten zur Geburtenkontrolle hat und nicht warten möchte, bis sie die Karriereleiter bis ganz oben erklommen hat? Was ist mit der Mitarbeiterin, die ihre Eizellen nicht entnehmen lassen möchte? Heißt das, dass sie nicht loyal ist? Dass sie keine Karriere machen möchte? Was ist mit der Mitarbeiterin, bei der es später Komplikationen gibt und die dann plötzlich nicht mehr schwanger werden kann? Was ist mit der Mitarbeiterin, die nun endlich soweit ist, die Eizelle befruchten zu lassen, deren Ehemann aber längst weg ist, weil sie nur Zeit für ihre Karriere hatte?

Wo soll das enden?

Ich finde es ehrlich gesagt gruselig, in welche Richtung sich hier die Reproduktionsmedizin entwickelt. Was ursprünglich kinderlosen Paaren helfen sollte und ohnehin schon zu einem Markt jenseits der Legalität wurde, wird jetzt auch noch aus Profitgier von Wirtschaftsunternehmen zweckentfremdet. Da wird es jede Menge Probleme geben. Deswegen sollte ich nach Kalifornien gehen. Ich bleibe aber lieber hier.