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Rette mich – Das große No-Go in der Beziehung

„Wenn ich erst einmal eine neue Freundin habe, dann wird sie mir helfen, dass es mir wieder besser geht.“ Das war die Aussage eines Mannes, der eine schlimme Scheidung hinter sich hatte und gerade ziemlich dem Alkohol zusprach. Puh, was für eine Last für eine neue Beziehung! Diesem Anspruch kann eine neue Partnerin oder ein neuer Partner ja gar nicht gerecht werden. Und auch bestehende Beziehungen leiden, wenn ein Partner den anderen als seine Lebensstütze betrachtet. Leider kommt das gar nicht so selten vor und wenn dann die Beziehung auseinander bricht, ist das Erstaunen groß. Wie kann sie nur? Wie kann er nur? Mich allein lassen mit all meinen Problemen! Da wird dann zuweilen sogar mit Selbstmord gedroht, um den Partner am Weggehen zu hindern. Eine schwierige Situation.

Ich bin für mich selbst verantwortlich

Es ist schön, wenn ein Partner da ist, mit dem man reden kann und der auch zuhört. Ein Partner, der einen in den Arm nimmt, wenn es nicht so gut läuft. Einer, auf den man sich verlassen kann und der zu einem steht. Trotzdem ist doch jeder für sich selbst verantwortlich. Mein Partner kann mich auf meinem Weg unterstützen und mir den Rücken stärken, den Weg gehen kann ich aber nur allein. Für den Mann aus dem Beispiel bedeutet das, dass er sich in seiner Situation professionelle Hilfe suchen sollte. Einen Therapeuten für seine Depression, eine Selbsthilfegruppe für das Problem mit dem Alkohol. Wenn er dann wieder etwas Stabilität in sein Leben und in seine Gefühle gebracht und vor allem wieder etwas Vertrauen zu sich selber gefasst hat, kann er auch eine Beziehung zulassen, in der beide Partner gleichwertig und gleichberechtigt sind.

Sicherlich gibt es Situationen im Leben, die uns überfordern und in denen wir unseren Partner ganz besonders brauchen. Dann ist es auch ganz wichtig, darüber zu sprechen. Dabei sollte man aber darauf achten, den Partner nicht zu belasten und vor allem nicht gleich alles infrage zu stellen. „Wenn du mir nicht helfen kannst, macht diese Beziehung keinen Sinn“ ist so ein No-Go. Denn wie soll ein Partner für den anderen beispielsweise einen neuen Job finden, wenn es im alten nicht so klappt? „Mich belastet die Situation im Job sehr. Danke, dass du mit mir Lösungswege suchst“ ist da schon viel besser.

Was bedeutet das im Sexuellen?

Diese Art der Übertragung von Verantwortung findet sich auch im sexuellen Bereich wieder. Nicht mein Partner ist für die Erfüllung meiner Wünsche und Sehnsüchte verantwortlich, sondern ganz allein ich. Wenn ich nicht weiß oder sage, was ich mag und was ich will, ist es für den anderen ganz schwierig, sich entsprechend zu verhalten. Frauen denken häufiger gern, der Mann müsse doch wissen, was er zu tun habe. Aber jede Frau ist anders. Jede Frau empfindet anders. Woher soll er das dann von allein wissen? Diese Situation ist eine große Belastung für den „führenden“ Partner. Immer darauf zu achten, dass es dem anderen gut geht, ohne eigentlich zu wissen, was der andere will. Entspannen kann sich bei diesem Leistungsdruck letztlich keiner. Das schürt die Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Heraus kommen langweiliger Sex ohne Experimente, das Vortäuschen von Orgasmen und am Ende die große Lustlosigkeit oder Erektionsprobleme.

Wollen wir das? Nein! Was tun wir? Uns ein Herz nehmen und über unsere Wünsche sprechen. Sagen, was uns gefällt und vor allem auch, was nicht. Und das bitte in Ich-Botschaften: „Ich wünsche mir, dass du mich mal so richtig verwöhnst“. Und ganz genau beschreiben, worin das Verwöhnen bestehen soll. Langsam kann man sich dann weiter vortasten und abwechselnd immer ein Stückchen mehr von sich preisgeben. Dann kann man den Partner vielleicht auch einmal überraschen und sich einfach nehmen, was man haben möchte.

 

Copyright by ORION, veröffentlicht auf https://www.orion.de/blog/rette-mich-das-grosse-no-go-der-beziehung/

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Der weibliche Orgasmus auf Knopfdruck – Das Patentrezept

Ha, ich habe es gewusst, bei dieser Überschrift werden alle neugierig, die Klicks steigen rasant in die Höhe, gleich bricht die Website zusammen! Ein Orgasmus auf Knopfdruck, damit wären auf einen Schlag alle Probleme mit der weiblichen Lust gelöst. Ein Schlaraffenland des sexuellen Genusses, ohne langes Reden, ohne langes Herausfinden, was frau anmacht. Ach, wäre das schön, wenn das ginge. Ein Patentrezept für den weiblichen Orgasmus. Damit würde ich reich und berühmt. Wie außerordentlich schade, dass es das nicht gibt. Nicht einmal etwas Ähnliches.

Bei Männern scheint das ja so einfach zu sein. Hand anlegen, ein paar stoßende Bewegungen in der Liebsten, fertig. Aber auch Männer sind störanfälliger, als man das gemeinhin glauben möchte. Probleme mit der Erektion, Probleme mit der Ejakulation. Und als I-Tüpfelchen dann noch die Suche nach dem Knopfdruck bei der Freundin. Dabei wissen ja viele Frauen selber nicht einmal genau, was passieren muss, damit sie den Höhepunkt der Lust erklimmen.

Für jede Frau einzigartig

Jede Frau ist so unglaublich besonders. Da gibt es zum Beispiel Frauen, die einen Orgasmus allein durch das Zusammenpressen der Beine und gleichzeitiges Anspannen der Beckenbodenmuskulatur bekommen. Das hört sich im ersten Moment super an – ist gewollt auch sicherlich beneidenswert – kann beim Sport allerdings schon mal etwas unpassend sein. Man stelle sich das nur einmal beim Bankdrücken zwischen all den Schwergewichten oder in der Stille eines Yoga-Kurses vor. Ich persönlich würde beim Aerial Yoga im Handstand von der Decke herabhängend nur sehr ungern in ungewollte Zuckungen verfallen, mal ganz abgesehen von der nicht Yoga-konformen Atmung. Es lohnt sich allerdings allemal, die Beckenbodenmuskulatur zu trainieren. Denn je stärker diese ist, desto intensiver können Orgasmen sein, da sich genau diese Muskeln in kurzen Abständen an-und entspannen und damit zu dem allseits bekannten intensiven Gefühl führen. Das gilt übrigens auch für Männer.

Manche Frauen kommen mehrmals hintereinander. Oder ein einziges Mal mit einem großen Knall. Manchmal ist es auch nur der Hauch eines Zitterns im Unterleib. Manchmal kommt der Orgasmus in Sekundenschnelle und dann wieder gar nicht. Manche Frauen können bei der Penetration kommen, andere stimulieren ihre Klitoris währenddessen oder lassen sich von ihrem Partner verwöhnen. Oralverkehr bringt die eine um den Verstand, die andere hingegen kann dem vielleicht gar nichts abgewinnen. Der eine Orgasmus scheint durch die Klitoris zu kommen, der andere tief durch den Unterleib. Der eine Orgasmus bleibt im Becken, der andere zieht sich bis hoch ins Gehirn. Erschwerend kommt dann auch noch hinzu, dass es vielleicht bei dem einen Partner geklappt hat, aber bei dem nächsten sich gar nichts tut.

Auch wissenschaftlich ist ihm nicht beizukommen. Die Sexologen Masters und Johnson haben in den 70ern Messungen vorgenommen, um herauszufinden, was sich wann und wo genau abspielt. Es ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Gefühlen und körperlichen Reaktionen. So ein Orgasmus spielt sich ja nicht nur in den Genitalien ab sondern auch im Kopf. Das kennen die Frauen, die nachts heiße Träume und ohne Anfassen Orgasmen von ungeheurer Intensität haben.

Lerne dich selbst kennen

Am Ende hilft es auch nicht weiter, genau zu wissen, ob ein Orgasmus nun in der Klitoris, der Vagina oder im Kopf stattfindet und welche Hormone dabei eine Rolle spielen. Wichtig ist nur zu wissen, wie man ihn erreichen kann. Viele Frauen finden durch Selbstbefriedigung heraus, welche Berührungen und Positionen am besten sind. Andere überlassen es dem Partner, dies herauszufinden. Und da fängt das Problem an. Wenn ich selber nicht weiß, wie ich zum Orgasmus komme, wie soll es dann mein Partner wissen? Auch erfahrene Männer haben in dem Fall eine große Aufgabe vor sich. Da würde nicht einmal Gedankenlesen helfen. Es muss eine deutlichere Sprache her.

Sexuell aufgeschlossene Frauen können ihrem Partner ganz einfach zeigen, wie sie es am Liebsten haben, indem sie vor ihm masturbieren. Nicht nur, dass ein Mann dabei lernt, es macht ihn auch verrückt, ihr dabei zuzusehen. Wer sich das nicht traut, sollte zumindest durch Handzeichen und Geräusche deutlich machen, wo und welche Berührungen gut sind. Und was gar nicht geht, ist Druck. Weder für ihn noch für sie. Druck nimmt den Spaß und die Leichtigkeit, lässt uns auf den anderen achten und nicht mehr auf uns selbst. Mein Lieblingsspruch in Sachen Sex ist „Der Weg ist das Ziel.“ Und sollte dieser Weg im Orgasmus enden, umso besser. Wenn nicht, kann man den Weg endlos ausdehnen und auch dabei viel Spaß haben.

 

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