Penis-Superlative – Ist größer immer besser?

Wir leben in einer Welt der Superlative – je größer, je teurer, je schneller, desto besser. Bei so manchem stoßen wir an unsere Grenzen, bei anderem hat sich der Trend wieder gewendet. Bei Brüsten zum Beispiel. Ich bin wirklich froh, wenn ich in meiner momentanen Lieblingsserie Californication nackte Frauenkörper mit kleinen Naturbrüsten sehe. Dafür habe ich dort anderes zu meckern. Zwar erhält die Klitoris bereits in der allerersten Szene dieser sexuell aufgeladenen Produktion einen Ehrenplatz als Hüterin des weiblichen Orgasmus. Trotzdem kommen die Frauen reihenweise, sobald der Hauptdarsteller Hank Moody seinen Penis in sie hinein steckt. Da ist dann nichts mehr davon zu sehen, wie sich irgendjemand auch nur im Entferntesten um die kleine Lustperle kümmert. Hat Hank einen so großen Penis, dass das einfach nicht nötig ist? Ist ein großer Penis überhaupt die Lösung? Und gibt es auch zu große Penisse? Oder vielmehr Penes – wie der korrekte Plural lautet. Allerdings versteht mich dann keiner, also bleibe ich bei der unkorrekten Form. Penisse.

Ein Penis allein macht auch nicht glücklich

Der Penis steht seit jeher im Mittelpunkt des männlichen Interesses und ich möchte behaupten, die meisten Männer hätten lieber ein paar Zentimeter mehr als weniger. Schon in der Renaissance haben sich die Männer eine sichtbare Schamkapsel über ihren Penis gestülpt und damit mehr Größe und scheinbar dauerhafte Erektionen vorgetäuscht. Zeiten, in denen besonders kleine Penisse angesagt waren, sind mir allerdings nicht bekannt. Immer wieder werde ich gefragt, ob diese oder jene Größe ausreiche, um eine Frau zu befriedigen. Als würde uns ein Penis allein glücklich machen. Als käme es nicht genauso auf Hände, Zungen und vor allem Worte an. Erst das alles zusammen macht einen guten Liebhaber aus! Und das wichtigste Lustzentrum liegt nun einmal außerhalb der Vagina. Ich kann es auch ganz ehrlich nicht nachvollziehen, wenn eine Frau einen Mann nur deshalb nicht will, weil ihr der Penis nicht gefällt. Sex besteht nicht nur aus Reinstecken und Liebe schon gar nicht.

Aber es gibt tatsächlich Männer, die so gut bestückt sind, dass sie uns nicht nur Lust sondern auch Schmerz bereiten. Ab welcher Länge oder welchem Durchmesser das genau der Fall ist, kann ich leider nicht definieren. Denn das hängt auch immer von der Frau ab. Manche sind nicht zimperlich und mögen kräftig durchgestoßen werden. Andere stehen eher auf die sanfte Tour. Und unsere Vaginas sind ja nun auch unterschiedlich lang. Eine Frau, die WIRKLICH erregt ist und deren Vulva und Vagina kräftig durchblutet, angeschwollen und richtig schön feucht sind, empfindet das Rein-Raus auch noch einmal ganz anders als eine Frau, die sich vor Angst schon von allein verkrampft. Wenn ich jetzt aber schreibe: Bei großen Penissen bitte darauf achten, dass die Liebste ausreichend erregt ist, könnte man meinen, bei den kleineren Exemplaren sei das nicht so wichtig. Das ist natürlich Quatsch, denn das ist immer wichtig, wird aber leider häufig vernachlässigt. Und wenn der Geschlechtsverkehr dann nicht so toll ist, sollte sich keiner wundern und das nicht auf die Penisgröße allein schieben.

Was ich Liebhabern mit Extra-Größe rate

Ist eine Frau nicht erregt und nicht ausreichend feucht, können das Einführen und die Reibung – besonders bei großen Geschossen – tatsächlich schmerzhaft sein und es kann sogar zu kleinen Fissuren in der empfindlichen Schleimhaut kommen. Die großzügige Verwendung von Gleitmitteln kann da Abhilfe schaffen. Und man muss ja auch nicht immer sofort komplett eintauchen. Sex ist ein Spiel und mit einem Penis kann man ganz wunderbar spielen. Ein bisschen rein, ein bisschen raus, ein bisschen Liebkosung an der Klitoris, ein wenig mehr rein und wieder raus. In der Ruhe liegt die Kraft. Die Hündchenstellung, bei der der passive Partner auf allen Vieren kniet, würde ich nicht empfehlen. Denn hier verschwindet der Penis bei ungestümem Verhalten tatsächlich bis zum Anschlag. Das könnte für den empfindlichen Muttermund sehr unangenehm werden. Im Liegen allerdings federn die Pobacken etwas Länge ab. Wenn die Frau auf ihrem Partner sitzt, kann sie selber entscheiden, wie weit sie gehen mag. Das gleiche gilt für den Blow Job. Schön, wenn der Penis bis zum Anschlag im Mund verschwindet. Aber wenn das nicht geht, muss man doch nicht gleich auf das ganze Vergnügen verzichten. Es ist doch toll, wenn die Eichel geleckt und liebkost wird. Und schließlich haben wir ja auch noch zwei Hände, mit denen wir den Schaft umschließen können.

Kleiner Penis? Wunderbar! Wir haben ja noch eine weitere Körperöffnung und da höre ich eindeutig von mehr Experimentierfreudigkeit, wenn das eindringende Gemächt gefälligere Ausmaße hat. Was die Vagina betrifft: Wie oben schon erwähnt, schwillt sie bei Erregung an, wird dadurch enger und umschließt den Penis mit dieser sogenannten orgastischen Manschette noch etwas fester. Dazu eher kreisende Bewegungen und schon wird der empfindliche Scheideneingang bestens stimuliert.

Ankündigen oder überraschen?

Größer ist also nicht besser und kleiner auch kein Drama. Sollte ein Mann seinen über- oder unterdurchschnittlichen Penis ansprechen? Ja, meiner Meinung nach sollte er das. Sicherlich nicht gleich beim ersten Date – das würde dann doch zu weit gehen. Aber später, wenn es zur Sache gehen soll. Und zwar auf eine Weise, die deutlich macht, dass er damit umzugehen weiß. Damit kann man einem Problem durchaus vorgreifen, egal, ob der Penis nun besonders groß oder klein ist. Denn nichts ist enttäuschender, als wenn da plötzlich nichts zu sehen ist oder eine Lanze solchen Ausmaßes hervorragt, dass einem bei dem Anblick das Blut in den Adern gefriert. Wer es schafft, das auch noch mit einer Prise Humor zu verbinden, hat sein Gegenüber mit Sicherheit überzeugt.

Veröffentlicht auf http://www.idee-fuer-mich.de/penis-superlative-ist-groesser-immer-besser-1608.html

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Wenn ältere Menschen die Lust neu entdecken

Die Frau auf dem Bild ist meine Großmutter mütterlicherseits. Wer der Mann neben ihr ist, kann ich nicht sagen. Er ist jedenfalls nicht ihr Ehemann, denn der war damals schon verstorben. Ihr Liebhaber? Wer weiß? Aber das glaube ich nicht wirklich. Das Bild muss Anfang der 1960er Jahre aufgenommen worden sein. Meine Mutter hatte flott ihren Führerschein gemacht und  sich von ihrem ersten Gehalt diesen Käfer gekauft. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders und der Adenauer-Ära, die auch als erotische Eiszeit in die Geschichte eingegangen ist. Alle Kraft wurde in den Wiederaufbau gesteckt, für amouröse Abenteuer oder eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Lust war nach dem Krieg keine Zeit. Die Erziehung der Generation meiner Eltern war dementsprechend lustfeindlich geprägt. Mein Vater erzählte von dem Dorfpolizisten, der sich nachts auf die Suche nach an Fenstern angelehnte Leitern machte. Es war die Zeit, in der der Kuppeleiparagraf verbot, unverheirateten Paaren ein Dach über dem Kopf zu bieten. Abtreibung war verboten, Sex galt als etwas Schmutziges. Aufklärung gab es nicht, noch nicht einmal durch die Bravo. Es ist die Zeit, in der meine Eltern aufgewachsen sind. Wie soll man ein lustvolles Verhältnis zum eigenen Körper aufbauen, wenn der doch tabu war? Ein Liebhaber für meine Großmutter? Unvorstellbar, schon gar nicht in ihrem Alter. Das gehörte sich nicht. Sie war Witwe und das blieb sie auch bis zu ihrem frühen Tod. Aber dann kamen die sechziger Jahre und die sexuelle Revolution riss zumindest einen Teil der jungen Generation mit. Aber eben nur einen Teil. Die anderen blieben verklemmt und gehemmt mit ihren Wünschen und Sehnsüchten zurück. Sie sind diejenigen, die heute siebzig Jahre und älter sind. Mit Glück hat sich ihre Einstellung zur Sexualität in den vergangenen Jahrzehnten geändert. Aber es ist nicht einfach, das, was man in jungen Jahren lernt, über Bord zu werfen, nur weil die Zeiten sich ändern.

Was bedeutet Sexualität für uns ganz persönlich?

Lange Zeit galt das Dampfkesselmodell von Sigmund Freud. Es stellte den Mann als eine Art Sammelbecken für sexuelle Energie dar. Und die musste in Form einer Ejakulation regelmäßig abgelassen werden. Keine besonders lustvolle Vorstellung. Heute wissen wir, dass es überhaupt keinen Samenstau gibt. Was sich durch sexuelle Erregung ansammelt, wird vom Körper einfach wieder abgebaut, wenn es nicht hinauskommt. Vor allem für die Frauen, die in der oben beschriebenen sexuell sehr restriktiven Zeit aufgewachsen sind, war Sex jedoch oft eine reine Pflichterfüllung, die wenig mit Spaß zu tun hatte. Den hatten die Männer häufig in ihren Außenbeziehungen, aber nicht mit ihren Ehefrauen. Sex war Koitus. Punkt, Ende, aus. Weiblicher Orgasmus? Fehlanzeige. Der wurde ja überhaupt erst in den Siebzigern dank der Sexualforscherin Shere Hite bekannt.

Ganz einfach übersetzt steht Sexualität im biologischen Sinne für Geschlechtlichkeit, das Zeugen von Kindern. Darüber sind wir lange hinaus. Wir brauchen Sex nicht mehr zwingend, um uns fortzupflanzen. Immerhin entsteht heute schon jedes fünfte Kind im Labor. Sexualität ist vielmehr eine Form der sozialen Interaktion. Wir kommunizieren über unsere Körper, drücken Zuneigung und Akzeptanz aus, fühlen uns geborgen und wertgeschätzt. Aber was bedeutet Sexualität für den Einzelnen? Genau darüber spreche ich regelmäßig und bekomme dabei ganz unterschiedliche Antworten. Die einen verstehen darunter den körperlichen Ausdruck von Liebe mit Geschlechtsverkehr und Orgasmus als Zentrum. Und die anderen sehen eher eine spirituelle Energie, für die der Orgasmus völlig unerheblich ist. Die einen sehen nur den Koitus, die anderen Oralverkehr, Rollenspiele, erotische Massagen, Analsex, Zärtlichkeit oder wilde Geilheit.

Sexualität ist nicht einfach da. Es gibt auch keine natürliche Sexualität. Wir alle werden von dem geprägt, was wir von unseren Eltern und der uns umgebenden Gesellschaft mitbekommen. Deshalb lohnt es sich, einmal ganz genau hinzuschauen, was wir ganz persönlich erlebt haben. Wie sind wir erzogen worden? Wie war die Einstellung unserer Eltern gegenüber Sexualität? Wie sind sie damit umgegangen? Wie offen waren sie oder wie verklemmt? Konnten wir Gefühle von Lust und Freude zulassen? Wurden unsere Bedürfnisse nach Nähe und Zärtlichkeit befriedigt? Was wissen wir eigentlich über Sexualität? Welche Möglichkeiten haben wir, uns zu informieren?

Natürlich gibt es erhebliche Unterschiede im Erleben und nicht alle sind damals so restriktiv erzogen worden. Natürlich haben viele auch schon im Laufe ihres Lebens die Lust entdeckt. Schließlich haben wir jede Menge rüstiger Ü-Siebzigjähriger unter uns. Und es werden immer mehr. Aber es gibt darunter eben auch die, die ich ermuntern möchte, neue Wege zu gehen. Manchmal ist es eine neue Liebe, die die sexuelle Energie wieder entfacht. Und dann ist das toll! Vor allem, weil es heute möglich ist, sich auch spät noch einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu suchen. Heute wäre das somit auch für meine Großmutter eine Möglichkeit gewesen. Aber auch unter den jüngeren Menschen gibt es viele, die das große sexuelle Erwachen noch vor sich haben. Spannend ist übrigens auch, dass jede Generationen ja wieder ganz anders geprägt ist. Je weiter wir voranschreiten, desto liberaler wird die Auffassung von Sexualität. Allerdings scheinen sich die Vorzeichen umzukehren. Auf das, was damals verboten war, hat demnächst schon keiner mehr Lust. Vom Verbot zum Gebot bis hin zur Lustlosigkeit. Wenn ich irgendwann die Siebzig erreicht habe, stehen mir vermutlich alle Möglichkeiten offen. Und dann habe ich vielleicht gar keine Lust 😉

Zum Lernen ist es nie zu spät

Und jetzt komme ich endlich zum Punkt: Zum Lernen ist man nie zu alt. Heute gibt es eine ganze Reihe an Aufklärungsliteratur speziell für ältere Menschen. Ganz genau wird erklärt, was Sexualität ist, wie sie lustvoll gelebt werden kann und wie Liebende mit den Unwägbarkeiten des Alterns umgehen können. Auch im höheren Alter lässt sich noch durchaus die Lust am Sex und vor allem auch am eigenen Körper entdecken. Wir müssen es nur wollen und uns weiterentwickeln. Das Bild vom Mann als Dampfkessel herrscht noch in so manchem Kopf vor. Weg damit! Weg vom Koitus als einzigem Ausdruck von Sex. Her mit all den anderen wunderbaren Möglichkeiten! Das würde auch den Druck auf die allzeit verfügbare Erektion mildern. Denn die brauchen wir gar nicht, um lustvoll Sexualität genießen zu können. Aber nur zwei Drittel der heute über Fünfzigjährigen nehmen ihre Hände zur Stimulation der Genitalien zur Hilfe. Das können wir ändern! Sex ist also so viel mehr als Geschlechtsverkehr und guter Sex geht sogar ganz ohne. Das ist doch wunderbar, oder?!

Nach dem Sex einschlafen: Hop oder Top?

Schon mal erlebt? Ein inniges, heißes oder akrobatisches Liebesspiel liegt hinter euch. Er ist gekommen – sie hoffentlich auch, da dreht er sich um und schläft ein. Einfach so, mir nichts, dir nichts. Und sie liegt da und hätte doch so gern noch ein wenig in seinem Arm gelegen, gekuschelt und geredet. Denn Frauen sind nach dem Sex oftmals eher munter als schläfrig und außerdem so was von bereit für ein paar Streicheleinheiten. Aber er ist weg, da ist nichts zu machen. Womöglich fängt er sogar direkt noch an, Wälder umzusägen. Das Einschlafen kann man nun persönlich nehmen und sich grämen. Oder wissen, was es damit auf sich hat und gleich ein bisschen entspannter damit umgehen. Denn was soll ich sagen, ihr seid nicht allein. Für diesen Zustand gibt es sogar einen Ausdruck: Postkoitale Müdigkeit! Manchmal hilft es, wenn man weiß, was hinter einem bestimmten Verhalten steckt. Vor allem hilft es, wenn man weiß, dass das vielleicht sogar nur ein Vorurteil ist.

Sex baut Stress ab und macht müde

Natürlich ist das wenig schmeichelhaft, wenn sich der Liebste nach getaner Arbeit geistig und emotional so einfach aus dem Staub macht. Und so richtig sexy ist das auch nicht. Doch es geht sogar noch schlimmer. Nämlich ein Mann, der mittendrin einschläft! Dafür sind allerdings auch Frauen prädestiniert. Die Szene dazu stelle ich mir folgendermaßen vor: Nach einer durchzechten Nacht fallen zwei übereinander her und versuchen sich beim Liebesspiel. Mit Ach und Krach finden sich die richtigen Andockpunkte. Aber dann überkommt einen oder gar beide eine bleierne Müdigkeit, sie fallen auseinander und wissen am nächsten Morgen nicht einmal mehr, ob überhaupt etwas vorgefallen ist. „Haben wir…?“ Ok, das ist worst case.

Also zurück zum einfachen Umdreh-Einschlaf-Sex. Warum werden Männer denn nun so müde? Ein Erklärungsansatz ist der beim Sex abfallende Adrenalin- und Noradrenalinspiegel. Diese Stresshormone regen das Herz-Kreislauf-System an. Bei Frauen steige der Spiegel, deshalb werden sie eher wacher, bei Männern falle er, dadurch entsteht Müdigkeit. Dieser Anstieg und Abfall wurde nach mehrmaligen Blutuntersuchungen während der Koitusaktivitäten festgestellt und 2003 im britischen „The Journal of endocrinology“ veröffentlicht. Dazu kommt noch Prolaktin, das dafür sorgt, dass Männer sorgenfrei und zufrieden einschliefen, während Frauen durch die Ausschüttung von Oxytocin eher anschmiegsam und kuschelbedürftig werden. Und es ist ja tatsächlich so, dass durch Sex Stress abgebaut wird. So manches Liebesspiel und so manche sexuelle Selbstbetätigung hat sogar nur dieses eine Ziel. Da ist die anschließende Entspannung vorprogrammiert.

Aber sind es nun tatsächlich nur die Hormone, die zum Einschlafen führen? Dann wären wir ja fein raus aus der Verantwortung. Denn wer kann sich dagegen schon wehren? Naja, so einfach ist das wohl nicht und wir sind immer noch Herren und Herrinnen über unsere Sinne, unseren Körper und unseren Geist. Schauen wir mal, was es noch so an Erklärungsansätzen gibt. Einleuchtender finde ich die Idee, dass Männer schlichtweg erschöpft seien. Immerhin kann Sex für Männer auch ein ganz schöner Kraftakt sein. Denn sie sind es vornehmlich, die durch das Vor- und Zurück ihrer Hüfte aktiv in die Frau eindringen und sozusagen wie ein Hammer auf den Amboss treffen – wobei das nicht die Art von Sex ist, die Frauen sich nun unbedingt immer herbeisehnen. Dies trifft besonders auf die beliebten Positionen Missionarsstellung oder Doggy Style zu, denn hier hat er den Hauptanteil am Geschehen. Sitzt die Frau erst einmal oben, ist es für sie ebenso schweißtreibend. Wer beim Sex ans Abnehmen denkt, sollte sich also tunlichst nach oben schwingen und das Zepter in die Hand nehmen. Auch beim Vorspiel sind Männer manchmal ausdauernder. Das liegt wohl vor allem daran, dass wir Frauen eben länger brauchen, bis wir so richtig auf Touren sind. Und hat es sich ein Mann zum Ziel gesetzt, seine Liebste mit den Händen oder der Zunge zum Höhepunkt zu bringen, braucht er Durchhaltevermögen und einen starken Zungenmuskel. Natürlich ist das nicht bei allen so, ich weiß. Und nicht jeder Sex ist derartig aufreibend. Aber es schlafen ja auch nicht alle Männer jedes Mal direkt nach dem Sex ein.

Sind es denn wirklich nur die Männer?

Die Frage ist nur, ob es tatsächlich immer die Männer sind, die einschlafen oder ob sich das nur so anfühlt. Denn es gibt eine Studie der Universität Michigan, die belegt, dass es keinen geschlechtstypischen Unterschied gibt. Vielleicht ist es einfach so, dass uns Frauen das männliche Einschlafen einfach mehr auffällt, weil wir nach dem Sex eben gern noch kuscheln und uns das Nachspiel deshalb so wichtig ist. Wir brauchen noch einen Augenblick der emotionalen Intimität, sonst fühlen wir uns schnell eher als Sexobjekt denn als Geliebte. Wenn andersherum eine Frau nach dem Sex einschläft, freut sich der Partner vielleicht sogar und denkt „Wow, ich muss wirklich gut gewesen sein, wenn sie so entspannt ist!“ Außerdem ist Sex für Männer ihre Art, Liebe auszudrücken und sie haben uns doch nun schweißtreibend genug gezeigt, wie sehr sie uns lieben. Warum dann noch kuscheln? Ein Ansatz wäre es, dem Liebsten verständlich zu erklären, warum uns ein auch noch so kurzes in den Arm genommen und liebevoll geküsst werden so wichtig ist. Und Sex muss auch nicht immer körperlich so anstrengend sein, dass er oder sie erschöpft wie nach einem Marathon in den Tiefschlaf fällt.

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Das Kunstobjekt Vulva

Kunst ist subjektiv. Kunst ist individuell. Kunst ist Ansichtssache. „Das hätte ich auch gekonnt. So ein paar Pinselstriche auf der Leinwand!“ Wer hat das nicht schon einmal selbst beim Anblick moderner Kunst gedacht. Nun ja, Kunst ist eben das, was wir dazu machen. Auch der Wert eines Kunstwerks bemisst sich nur selten am tatsächlichen materiellen Aufwand. Es ist vielmehr eine Sache von Angebot und Nachfrage. Der Drang des Menschen, sich kreativ zu betätigen, scheint schon den ersten Menschen in die Wiege gelegt worden zu sein. So sehen Forscher bereits in den steinzeitlichen Höhlenmalereien ein künstlerisches Treiben. Der menschliche Körper steht dabei seit jeher im Mittelpunkt des Interesses. Ganz besonders der nackte Körper. Phallussymbole sind überliefert aus der Frühzeit, zusammen mit äußerst weiblich geformten Figuren, die als Fruchtbarkeitssymbole betrachtet werden und den ersten Kulturen der Menschheit entstammen. Knackige griechische Jünglinge in Marmor, barbusige Rubensdamen auf Leinwand. Ach, was sage ich, barbusig. Nackt bis auf das Häubchen zieren sie heute die Wände des Louvre in Paris und in all den anderen Kunsttempeln der Welt. Nacktheit allerorten. Die weibliche Scham sehen wir behaart, unbehaart oder mit Hilfe von drei Strichen als unverkennbares Zeichen der Weiblichkeit stilisiert. Dabei aber immer geschlossen. Und so fehlt etwas ganz Wichtiges: Die Abbildung der Vulva. Doch die Kunst durchdringt nun auch dieses Geheimnis.

Warum dürfen Männer, Frauen aber nicht?

Alles begann mit Jamie McCartney. Der „Vagina-Künstler“ schuf ein Kunstwerk aus 400 Vulvas. Noch einmal kurz zur Info: Als Vulva wird der äußere Bereich des weiblichen Geschlechts bezeichnet, also der Teil mit den äußeren und inneren Lippen, der Klitoris und dem Vaginaleingang. Strenggenommen trägt nur der innere Bereich den Namen Vagina. Die Sexologin Ann-Merlen Henning hat für beides zusammen den zauberhaften Begriff Vulvina geprägt. Aber zurück zum Thema. Es ist großartig, dass sich Künstler und Künstlerinnen heute ganz explizit der Vulva widmen. Denn während wir Penis samt Hodensack schon von den erwähnten Statuen der Antike kennen, herrscht in dieser Hinsicht bisher doch eher künstlerisches Niemandsland. So freizügig wir auch sind, der Anblick geöffneter Frauenschenkel scheint immer etwas Pornografisches an sich zu haben. Etwas Unaussprechliches. Nicht nur in Filmen oder auf Bildern. Auch in anderen Bereichen. Nehmen wir einmal die Sauna. Männer lassen ihre Kronjuwelen locker zwischen den Beinen baumeln und scheuen sich auch nicht, beim Bücken deren Rückansicht zu zeigen. Das Vergnügen hatte ich gerade erst wieder. Frauen hingegen haben züchtig die Beine geschlossen zu halten. Anderseits könnte man schon fast von der Erregung eines öffentlichen Ärgernisses ausgehen.

Die Entmystifizierung des weiblichen Körpers

Aber warum darf ALLES gezeigt werden, nur nicht die Vulva? Steckt da immer noch eine unbewusste gesellschaftliche Zensur dahinter? Lange genug wurde die Sexualität der Frau als gefährlich, alles verschlingend angesehen. Das zeigt Auswirkungen bis heute. Frauen haben viel mehr Hemmungen, ihre eigene Lust wahrzunehmen und anzuerkennen. Und es geht so weit, dass Frauen ihre Vulva selber als hässlich erleben. Sie haben keine emotionale Verbindung zu einem wichtigen Teil ihres Körpers. Das hemmt natürlich auch in der Sexualität. Zudem fehlt schlichtweg der Vergleich. So wenig wie Männer die Erektionen ihrer natürlichen Geschlechtsgenossen kennen, sehen Frauen andere Vulvas. Vergleiche kommen zumeist aus dem Porno und dass dies nicht die Realität widerspiegelt, wissen wir alle. Die Bilder verstärken noch den Eindruck, alles andere, das nicht glatt und gerade ist, sei unnormal. Dabei übersehen wir jedoch, dass jede Vulva so individuell aussieht wie ihre stolze Besitzerin. Es gibt eine unglaubliche Variabilität, wenn es um Form, Farbe und Größe der einzelnen so wunderbaren Komponenten geht. Jede Vulva ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Vulvas in der Kunst als Gemälde, Fotografie oder auch Gipsabdruck zeigen genau diese Vielfalt. Und sie besänftigen unseren inneren Widerstand gegen diesen Teil unserer Weiblichkeit, indem wir ihn zum Kunstobjekt erheben, zu etwas, auf das wir mit Recht stolz sein können. Deshalb sage ich „Daumen hoch“ für die Vagina-Kunst! Zeigt her Eure Vulvas, zeigt her Eure Weiblichkeit! Und schaut Euch diese Kunstwerke an. (Wie z.B. im Video von Vagina-Künstler Mirko Hecht.) Sie zeigen Euch, wie schön Frauen sind.

 

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Fehlendes Selbstbewusstsein: Ist täglicher Sex die Lösung?

Langjährige Beziehungspartner*innen kennen das: Zuerst fallen wir ständig übereinander her und irgendwann stellt wir fest, dass das letzte Mal schon verdammt lang her ist. Statistiken darüber, wie oft wir es in welchem Lebensalter und nach soundsovielen Jahren Beziehung treiben, gibt es viele. Ich könnte an dieser Stelle einige zitieren. Aber wie hilft uns das weiter? Denn wie heißt es so schön: „Traue nie einer Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Schauen wir uns die Statistiken genauer an, stellen wir fest, dass sie auch jede Menge Fragen aufwerfen. Ein Beispiel soll hier zur Verdeutlichung aufgeführt werden. Eine Studie der Universität Landau trifft die Aussage, dass die Deutschen nur einmal im Monat Sex haben. Welche Deutschen? Alte? Junge? Singles? Paare? Paare mit Kindern? Paare mit vielen Kindern? Womöglich denkt Ihr jetzt „Wow, wenn ich doch wenigstens ein einziges Mal im Monat Sex hätte!“ Oder Ihr gehört zu denjenigen, die tatsächlich gerade ständig miteinander oder mit wechselnden Partner*innen im Bett landen. Generelle Aussagen oder womöglich Vorhersagen können wir also nicht treffen. Es gibt nur Tendenzen. Und die sagen, dass es ganz normal ist, wenn der Sex weniger wird. Oder sogar ganz einschläft. Die Frage ist also vielmehr, ob wir damit zufrieden sind – dann ist alles gut -, oder ob wir es nicht sind. Dann sollten wir etwas dagegen unternehmen. Und genau das hat die Bloggerin Brittany Gibbons getan. Sie hatte sich dazu entschlossen, ein Jahr lang jeden Tag mit ihrem Mann Sex zu haben. Sex nach Programm, funktioniert das?

Die lieben körperlichen Unzulänglichkeiten

Als ein TV-Sender vor ein paar Jahren das Format „7 Tage Sex“ ins Leben rief, war ich regelrecht erbost und stemmte die Arme in die Seiten. Die vorgestellten Paare sollten eine Woche lang jeden Tag Sex haben. Wie soll denn das eine Beziehung retten? Schließlich hatte ich gleich den Worst case vor Augen (das geht mir häufiger so…). Und wenn ein Paar in ernsthaften Schwierigkeiten steckt, ist das meiner Meinung nach tatsächlich eher kontraproduktiv. Da sollten erst einmal die Differenzen geklärt werden, bevor es in die Kiste geht. Aber das war in diesem Format gar nicht das Problem. Eigentlich sollte nur das Liebesleben angekurbelt werden. Dafür hatte man sich vermutlich keine Problempaare ins Haus geholt. Bleibt trotzdem die Frage, ob das hilft. Denn der Sex schläft ja nicht ohne Grund ein. Stress, Kinder, Krankheiten, Beziehungslangeweile, Lustlosigkeit, sexuelle Probleme. Wer nicht über seine oder ihre Bedürfnisse redet, hat irgendwann keine Lust mehr. Wer erst einmal keinen hochbekommen hat, vermeidet Sex aus Angst vor Wiederholungen. Da hilft auch diese Sexverordnung nicht.

Auch wer sich in seinem oder ihrem Körper nicht wohlfühlt, legt ein ebensolches Vermeidungsverhalten an den Tag. Ich kannte einmal eine Frau, die hat vor dem Spiegel ausprobiert, wie sie beim Sex in verschiedenen Stellungen aussieht. Sie hatte einen fantastischen Körper. Nur fehlte ihr das nötige Selbstbewusstsein. Und ich vermute stark, das war kein Einzelfall. Auch Blanche von den Golden Girls sagt in einer Folge, dass Frauen lieber auf dem Rücken liegen sollten. Denn dann schlägt das Gesicht keine Falten. Und irgendetwas ist noch mit dem Busen, das habe ich vergessen. Wir sind so sehr mit unseren vermeintlichen körperlichen Defiziten beschäftigt, dass wir ganz vergessen, wie viel Spaß Sex machen kann und wie gut er uns tut. Und an dieser Stelle hat sich Brittany Gibbons die Sexkur verordnet. Nach der Geburt ihres dritten Kindes konnte sie sich nicht mehr im Spiegel sehen. Und sie zeigte sich auch ihrem Mann nicht mehr nackt. Der Sex wurde zur Seltenheit und wenn dann auch nur im fast Dunkeln. Der fehlende Sex hatte also weniger mit der Beziehung, dem Stress oder sexuellen Probleme zu tun. Es ging vor allem um sie und um ihr Selbstvertrauen. Anstatt sich nun herunter zu hungern, kam Brittany auf eine andere und auch viel bessere Idee: Sie wollte ein Jahr lang jeden Tag Sex mit ihrem Mann haben. Und das Paar hat das tatsächlich durchgezogen. Brittany sagte anschließend, dass das natürlich auch anstrengend gewesen sei. Doch dies sei die einzige Möglichkeit gewesen, um sich ihrer fehlenden Selbstliebe zu stellen und ihre Selbstzweifel zu überwinden.

Am Ende geht es wieder einmal um Kommunikation

Hilft das nun, ein Jahr lang jeden Tag Sex zu haben? Ja. Nein. Keine Ahnung. Bei Brittany Gibbons hat es geholfen. Nicht zuletzt deswegen, weil sich die beiden irgendwann von ihren Wünschen, Fantasien und Sehnsüchten erzählt haben. Wer solch ein Vorhaben startet, braucht zwangsläufig neue Ideen, um nicht beim Sex vor Langeweile einzuschlafen. Sich dem Partner oder der Partnerin zu offenbaren, erfordert Mut. Wir müssen für uns selber einstehen. Das ist nicht bedürftig sondern eben mutig. Und Mut stärkt schon einmal unser Selbstvertrauen. Denn nicht immer wissen wir, wie der andere oder die andere darauf reagieren wird. Es erfordert auch erst einmal, sich überhaupt mit der eigenen Sexualität auseinanderzusetzen. Zu wissen, was wir wollen und genau das einzufordern, stärkt ebenfalls unser Selbstvertrauen. Viel zu oft erwarten gerade Frauen, dass Männer selber herausfinden müssten, was ihnen gefällt. Und Männer haben womöglich Angst, mit ihren Wünschen zu übermächtig zu wirken und Frauen damit zu verschrecken. So geht das aber nicht, dazu ist unsere Sexualität zu komplex. Am Ende vom Partner das zu bekommen, was wir uns wirklich wünschen, ist toll. Und es schweißt uns zusammen. Dann sind die vielen kleinen Unzulänglichkeiten endlich nicht mehr wichtig. Denn darum geht es gar nicht. Ein Jahr lang jeden Tag Sex zu haben, war in diesem Fall sozusagen eine Desensibilisierungskur. Solltet Ihr Euch in einer ähnlichen Situation befinden, dann nur zu! Aber nicht gleich aufgeben nach ein paar Tagen! Für alle, die meinen, Sex als sportliche Betätigung betrachten zu können: Brittany hat kein Gramm abgenommen, arbeitet dafür jetzt aber als Plussize-Model.

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Aufklärung, Verhütung, Abtreibung: Polen ist kein Einzelfall

Gerade noch einmal Glück gehabt. Seit Monaten mehrten sich in Polen die Proteste gegen den Gesetzentwurf der Volksinitiative „Stoppt die Abtreibung“. Abtreibung sollte per se verboten werden. Und natürlich mischt die katholische Kirche da ordentlich mit. Was für eine Vorstellung! Damit wäre es Frauen auch nach einer Vergewaltigung oder Inzest nicht erlaubt gewesen, die Schwangerschaft abzubrechen. Und auch dann nicht, wenn das Leben der Mutter gefährdet wäre. Mal ganz abgesehen von all den anderen Gründen, die Frauen dazu bringen, diesen Entschluss zu fassen. Die landesweiten Proteste in Polen als auch in anderen europäischen Städten scheinen dazu geführt zu haben, dass die Regierung noch einmal in sich ging und der Volksinitiative einen Korb gab. Zu dieser Entscheidung hat sicherlich auch beigetragen, dass nicht nur Frauen im gebärfähigen Alter auf die Straßen gegangen sind sondern ebenso alle anderen. Und nicht nur Frauen, auch Männer fanden sich unter den Protestierenden. Als werdende Väter und Partner sind sie schließlich auch betroffen, wenn Gesetze die Rechte der Bürger*innen derart beschneiden. Aber Glück ist relativ. Denn Polen hat ohnehin das strengste Abtreibungsgesetz Europas.

Wenn Gesetze nur auf dem Papier existieren

Schon 1992 sollte ein vollständiges Verbot durchgesetzt werden. Auch damals gingen die Menschen auf die Barrikaden. Das Gesetz wurde nicht verabschiedet. Stattdessen wurden Schwangerschaftsabbrüche in drei Fällen erlaubt: Wenn die Gesundheit der Mutter gefährdet ist, wenn die Schwangerschaft als Folge einer Straftat eintritt und bei unheilbaren Erkrankungen oder schweren Fehlbildungen des Fötus. Zu dem 1993 eingeführten Gesetz gehören auch besondere Schutzmaßnahmen für schwangere Frauen und ein besser Zugang zu Verhütungsmitteln sowie Sexualerziehung an den Schulen. Tja, so steht es auf dem Papier. Die Realität sieht anders aus. Bis heute gibt es keinen geregelten Sexualkundeunterricht. Verhütungsmittel sind teuer und für viele unerschwinglich. Das darf man nicht vergessen, wenn man gegen Abtreibungen wettert. Zudem gibt es eine Gewissensklausel, nach der Ärzte sich weigern können, Verhütungsmittel überhaupt zu verschreiben bzw. einen Abbruch auch nach legalen Maßstäben durchzuführen. Keine Aufklärung, keine Verhütungsmittel. Das wären ja zwei äußerst geeignete Mittel, unerwünschten Schwangerschaften vorzubeugen. Stattdessen ein zusätzlich erschwerter Weg zum Schwangerschaftsabbruch. Selbstbestimmung sieht anders aus.

Polen steht mit dieser repressiven Sexualpolitik nicht allein da. In vielen afrikanischen Ländern wird der Zugang zu Aufklärung und Verhütungsmittel teilweise von staatlicher Seite verboten. Die Zahl der Teenagerschwangerschaften ist südlich der Sahara mit 120 Geburten pro 1000 Mädchen die weltweit höchste. Aus ganz anderen Gründen kommt es in Venezuela gerade zu Problemen. Verhütungsmittel werden im Land nicht hergestellt und Kondome importiert. Nur herrscht gerade eine Wirtschaftskrise. Kein Geld, keine Importe, keine Kondome. Und übrigens auch keine Aufklärung. Blöd, nicht? Was passiert? Ungewollte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Infektionen (STI) breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus. In China dürfen verheiratete Paare seit 2015 unter bestimmten Bedingungen zwei Kinder bekommen. Jedes weitere Kind wird mit einer Strafe belegt. Da würde man ja vermuten, dass in Aufklärung und Verhütungsmittel investiert wird. Nö. Fehlanzeige. Auch hier verzeichnen wir einen Anstieg bei Abtreibungen und Teenagerschwangerschaften. Übrigens wollen die meisten Chinesen aus wirtschaftlichen Gründen gar keine weiteren Kinder. Ich bin gespannt, wie sich das dort weiter entwickelt. Staatlich verordnete Zweit– und Drittkinder?

Schwedens liberaler Umgang mit Sexualität

Doch nicht alle Staaten sind so repressiv, wenn es um diese Themen geht. Ein anderes europäisches Land sorgt in dieser Hinsicht gerade ebenfalls für Schlagzeilen. Nur umgekehrt sozusagen. Schweden hat sich etwas Besonderes zum Weltverhütungstag ausgedacht. Dieser sollte in diesem Jahr am 26.09.2016 das Weltaugenmerk darauf richten, dass Sex nicht nur etwas für Menschen mit bestehendem Kinderwunsch ist (gilt gern für katholische Länder) und dass Frauen selber entscheiden dürfen, ob sie überhaupt Kinder haben möchten und wenn ja, wie viele (gilt für ziemlich viele Länder dieser Erde). Die schwedische Assoziation für Sexualaufklärung (RFSU) schickte also im Rahmen dieses Tages einen Werbespot über Youtube los. Sie bittet darin die NASA, Kondome ins All zu schießen. Wir hätten potentiellen Besuchern nun schon so viel über uns mitgeteilt, nur nichts über unser vorbildliches Verhütungsverhalten. Und wer wisse schon, wie Außerirdische in Punkto Familienplanung ausgestattet seien. Das Video soll Aufmerksamkeit erregen und auf den Sinn und Nutzen von Kondomen hinweisen. Und das tut es auch.

Tja, Schweden ist eben bekannt für seinen liberalen Umgang mit dem Sexuellen. So heißt es zumindest. Dass dieses Image seinen Ursprung in Filmen aus den 1950ern hat, weiß heute schon kaum jemand mehr. Was die meisten auch nicht wissen, ist die Tatsache, dass Schweden als erstes Land überhaupt Sexualkundeunterricht an den Schulen eingeführt hat und die Antibabypille auf Staatskosten verschreibt. Schwedinnen dürfen bis zur 18. Woche abtreiben. In Dänemark und Deutschland ist dies nur bis zur 12. Woche erlaubt. In Schweden ist es auch möglich, einen Abbruch vornehmen zu lassen, wenn die Eltern mit dem Geschlecht des Kindes nicht einverstanden sind. Beides zusammen führt zu einem Abtreibungstourismus aus Dänemark und Norwegen. Das geht nun wieder einigen Schweden zu weit und so sollen gegen diese Praxis Maßnahmen ergriffen werden.

Deutschland, das Land der ewigen Mitte

Kommen wir zu Deutschland. Auch hier wird teilweise von Seiten aufgebrachter Eltern gegen Aufklärung gewettert. Es geht dabei im speziellen um die „Sexualpädagogik der Vielfalt“. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, über andere Lebens- und Liebesformen als nur die heterosexuelle aufzuklären. Ich weiß nicht, inwieweit Eltern in den Schulen in diese Thematik miteinbezogen werden. Ich weiß aber aus meiner eigenen sexualpädagogischen Arbeit, dass Eltern sehr oft nicht wissen, was ihre Kinder schon so alles wissen und dann denken, die Sexualpädagog*innen hätten das verbockt. Aufklärung ist heute kein Fremdwort mehr. Allerdings haben auch wir noch großen Verbesserungsbedarf. Es geht ja nicht nur darum, über körperliche Funktionen und Methoden der Kontrazeption aufzuklären. Denn Werkzeugkunde allein ist nicht ausreichend für die richtige Anwendung. Wenn Schulen dafür nicht ausgerüstet sind, können sie bei Pro Familia speziell geschulte Sexualpädagog*innen anfordern. Dort gibt es vor Ort Beratungsangebote für Jugendliche und Erwachsene. Wir haben damit die Möglichkeit, uns auch außerhalb des Internets für wenig Geld die Informationen zu holen, die wir brauchen. Für Jugendliche ist das Angebot kostenlos, Erwachsene bezahlen ca. 35 Euro für eine Stunde.

Unser Zugang zu Verhütungsmitteln ist recht gut geregelt. Mädchen können sich ohne Einwilligung der Eltern die Pille verschreiben lassen, sobald sie vierzehn Jahre alt sind. Darüber, ob das gesundheitlich nun so gut ist, lässt sich streiten. Gerade hat eine dänische Studie einen Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und Depressionen hergestellt, der besonders Jugendliche betrifft. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten auch für andere hormonelle Verhütungsmittel bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres. Wer Sozialleistungen bezieht, hat in einigen Kommunen die Möglichkeit, Sonderfonds anzuzapfen. Kondome sind war nicht umsonst, was wohl noch einmal eine Maßnahme wäre. Wir können sie aber unbegrenzt in Drogerien, Supermärkten, Apotheken, Erotikfachgeschäften oder im Internet erwerben. Im § 218 des Strafgesetzbuch ist geregelt, wann und unter welchen Umständen ein Schwangerschaftsabbruch legal und möglich ist. In bestimmten Fällen werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Aber natürlich gibt es hier auch viele Ungerechtigkeiten. Frauen bleiben viel zu häufig auf den Kosten für Verhütungsmittel wie auch Schwangerschaftsabbrüchen sitzen. Überhaupt finde ich es ungeheuerlich, wie selbstverständlich die Verhütung größtenteils auf Frauen abgewälzt wird. Die Nebenwirkungen sind mittlerweile hinreichend bekannt. Gäbe es keine STI, würden weitaus weniger Kondome zum Einsatz kommen.

Bildung und Aufklärung gehören zusammen

Es kann doch nicht sein, dass Regierungen über die Fruchtbarkeit ihrer Bürger*innen bestimmen, indem sie den Zugang zu Aufklärung und Verhütung unterbinden oder einschränken. Sämtliche Mittel und Möglichkeiten für eine vernünftige Sexualpolitik haben wir schließlich. Aber es ist natürlich viel einfacher, Menschen, die permanent mit Kinderkriegen und Überleben beschäftigt sind, zu kontrollieren. Was wir brauchen, sind also keine Kondome im All, sondern Kondome gleich bei uns auf der Erde. Und Bildung für alle. Dazu gehört auch Aufklärung. Es gibt viele Initiativen und Verbände, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Und es bleibt zu hoffen, dass die Menschen weiterhin lautstark protestieren, wenn ihre Rechte so beschnitten werden sollen, wie es in Polen geplant war.

Diesen Beitrag gibt es auch als Folge im Podcast:

Warum die Schweden Kondome ins All schießen möchten

Abgeschminkt? Ungeschminkt!

Ich bin begeistert: Alicia Keys schminkt sich nicht mehr. Und dies nicht nur nicht in ihrem privaten Leben, nein, in Zukunft auch nicht mehr vor der Kamera. Gar nicht mehr und vielleicht sogar nie wieder. Und offensichtlich zieht Heidi Klum nach. Die zwar nicht immer, dafür aber immer öfter. Die beiden Frauen scheinen mit ihrem neuen Outfit die Stars- und Sternchen-Presse angefixt zu haben. Denn dort regen sich die einen hemmungslos darüber auf. Und die anderen finden es super. Mir wurde beim Augenbrauenfärben (nebenbei bemerkt ist das meine wichtigste Schönheitsveränderung) dann auch dazu mitgeteilt, dass Alicia Keys ohne Make up doch so müde aussähe. Tut sie das? Allerdings habe ich das auch schon zu hören bekommen, wenn ich irgendwo ganz unerwartet ohne Farbe im Gesicht auftauche. „Bist du krank? Du siehst so müde aus!“ Dürfen wir uns nicht so zeigen? Erschrecken wir mit unseren ungeschminkten Gesichtern alle uns Nahestehenden? Oder zeigen wir damit Selbstbewusstsein?

Kunstobjekt Frau

Es ist an sich schon bemerkenswert, dass solche Nachrichten überhaupt derartige Wellen schlagen. Immerhin dreht es sich doch nur um ein bisschen bunte Farbe im Gesicht. So könnte man meinen. Doch es ist weit mehr. Wir Frauen verstecken dahinter unser tatsächliches Aussehen. Freiwillig. Zusammen mit aufwändigen Frisuren und auffallender Kleidung werden aus den Frauen in den Medien Kunstobjekte. Keine Frau sieht WIRKLICH so aus. Aber obwohl wir das alle wissen sollten, wollen wir mindestens genauso gut aussehen, damit wir uns glücklich und zufrieden fühlen. Und schon grämen wir uns, wenn wir nach dem Aufwachen nicht Angelina Jolie oder Heidi Klum gleichen. Die wiederum in genau solchen Momenten vermutlich auch nicht anders aussehen als das, was uns da gerade aus dem Badezimmerspiegel entgegen blickt. Und so gibt es diesen Schönheitswahn eben auch in unserem ganz normalen Leben. Ungeschminkt läuft  zuweilen selbst die beste Freundin an uns vorbei. „Äh, war das nicht gerade….?“ Man könnte es auch die Burka des Westens nennen. Wenn man sich Vorher-Nachher-Bilder von Modells ansieht, könnte man vermuten, gerade auf Dr. Jekyll und Mr. Hyde getroffen zu sein. Tatsächlich habe ich eine Braut schon einmal nicht wiedererkannt. Sie hatte sich derart verändert, dass sie keinerlei Ähnlichkeit mehr mit der Frau aufwies, die ich vorher kennen gelernt hatte. Es scheint sich jedoch eine Trendwende anzubahnen. Denn mir fallen immer mehr Frauen auf, die im Naturlook durch die Welt laufen. Und das finde ich nun wirklich bemerkenswert.

Natürlich schöner

Irgendwie ist das Schminken doch eine Form der Selbstzensur. Natürlich sagen wir, dass wir das nur für uns machen. Wirklich? Nur für uns? Nicht etwa, weil wir anderen gefallen wollen und glauben, Schönheit sei doch ziemlich wichtig? Ich selber kann zumindest auf eine lange Geschichte mit Make up zurückblicken. Früher habe ich mich sogar geschminkt, wenn ich nur zum Briefkasten gegangen bin. „Man weiß ja nie, wen man trifft“, dachte ich immer. Und so war es dann auch. Eines Nachmittags ging ich ungeschminkt durch den Volkspark, als ich auf einen Exfreund und dessen neue Ehefrau traf. „Oh Gott“, dachte ich, „ausgerechnet heute!“ Es kam mir vor, als sei ich weniger wert, wenn ich so aussehe, wie ich aussehe. Meine Wimpern und Augenbrauen sind ganz hell und insgesamt zähle ich vom Typ her zu den Rotblonden. Mein halbes Leben lang dachte ich, so könne eine Frau doch nicht aussehen. Frauen brauchen schließlich Augenbrauen und Wimpern. Immerhin hatte meine Mutter immer schwarzgefärbte Striche über den Augen. Die, gefärbte Wimpern und Lippenstift gehörten zu ihrer Grundausstattung. Das prägt. Also habe ich das übernommen und ausgebaut. Die echte Haarfarbe meiner Mutter kenne ich übrigens nur von alten Fotos. Ich habe sie nie wirklich gesehen. Sie hat sie Zeit ihres Lebens blondiert, da rote Haare  oft ein Anstoß für Hänseleien waren. Davon kann mein rothaariger Bruder nun wieder ein Lied singen.

Auch meine helle Hautfarbe konnte ich erst akzeptieren, als mir irgendwann auffiel, dass die Stilikone Madonna ebenfalls hellhäutig ist und dies auch schon immer ganz selbstverständlich zur Schau stellt. Gerade erst wurde ich gefragt, ob es im Urlaub keine Sonne gegeben hätte… Pf, das prallt heute an mir ab. Lichtschutzfaktor 50, sage ich da nur. Bis ich mich an mein eigenes ungeschminktes Gesicht gewöhnen konnte, dauerte es trotzdem noch viele Jahre. Nur im Urlaub, wenn mein Blick nicht ständig in den Spiegel fiel, hat mich das nicht interessiert. Aber kaum war ich zuhause, kam sofort wieder Farbe drauf. Bis mir eine Freundin mit ebenso hellem Teint glaubhaft versicherte, dass ich in rothaarig ein ganz besonderer Typ sei. Nö, wirklich??? Ich gebe zu, der Wandel kam nicht aus mir heraus sondern von außen. Jemand anders hat mich davon überzeugte, mich zu zeigen, wie ich bin. Und was soll ich sagen, heute laufe ich zumindest im Alltag sehr oft ungeschminkt herum. Naja, bis auf den roten Lippenstift. Ganz ohne geht dann wohl doch nicht. Und was soll ich sagen, ich habe morgens viel mehr Zeit. Ich brauche nicht lange zu überlegen, welcher Lidschatten zum meinem Outfit passt und habe keine schwarzen und bunten Abdrücke mehr in meinen schönen Handtüchern. Herrlich! Trotzdem kann ich nicht so weit gehen wie Alicia Keys. Wenn wichtige Termine oder Fotos anstehen, werde ich mich wohl weiterhin schminken. Und vielleicht ist das auch ok.

Oder sind Männer benachteiligt?

Warum mögen wir Frauen uns ohne Make up nicht leiden? Warum glauben wir, uns ohne nicht zeigen zu dürfen? Warum ist unsere Selbstwahrnehmung so verzerrt? Warum schmücken wir uns mit Farben, falschen Wimpern, Permanent Make up oder falschen Haarteilen? Ist das etwa evolutionär bedingt? Ein kleiner Seitenhieb in diese Richtung… Wer sagt uns, dass wir nicht schön genug seien, wenn wir uns so zeigen, wie wir wirklich aussehen? Männer haben sich doch schließlich auch nicht so. Die zeigen sich, wie sie sind. Oder ist genau dies die wahre Ungerechtigkeit? Männer dürfen ihre Hautunreinheiten nicht hinter Make up verstecken. Sie dürfen ihre „Vorzüge“ nicht hervorheben. Denn kaum hat ein Mann mehr Pflegeartikel im Badezimmer als die spionierende Frau, gibt es schon kleine Seitenbemerkungen. Männer MÜSSEN also regelrecht so sein, wie sie sind. Kajal? Völlig absurd, es sei denn, es handelt sich um Stars wie Prince oder David Bowie. Oder Captain Jack Sparrow. Der ist heiß mit seinem Kajal und sorgt bestimmt für den einen oder anderen weiblichen feuchten Traum. Nein, für Männer gilt ein anderes Schönheitsideal. Wenn Männer so aussehen, wie sie sind, sind sie männlich. Wenn Frauen so aussehen, wie sie sind, gelten sie als ungepflegt. Männer dürfen zum Beispiel Achselhaare haben! Aber Frauen? Igitt! Männer tragen flache Schuhe zum Anzug, keine Highheels. Zumindest normalerweise. Ich weiß, was ist schon normal? Aber das ist übrigens auch etwas, das mir zunehmend auffällt. Immer weniger Frauen tragen im Alltag hohe Absätze und laufen stattdessen lieber bequem herum. Vielleicht leide ich auch nur unter selektiver Wahrnehmung.

Zeigen wir doch lieber, was wir drauf haben

Wir quetschen uns in ein Korsett aus Make up, einengender Kleidung und unbequemen Schuhe und behaupten dann, das alles mache uns gar nichts aus. Wirklich? Oder ist das vielmehr unsere Art der Selbstzensur, weil wir gefallen möchten? Denn darauf sind wir wirklich trainiert. Schon kleine Mädchen werden mit Schleifchen und hübschen Kleidern herausgeputzt. Sie strahlen über das ganze Gesichtchen, wenn die Erwachsenen in die Hände klatschen und rufen „Oh, wie süß!“ oder „Oh, wie niedlich!“. Dabei geht es nicht darum, wer dieses Mädchen ist, wie sie denkt oder was sie fühlt. Es geht nur darum, wie sie aussieht. Und so geht es später weiter. Der Druck ist immens. Mädchen hungern auf lebensgefährliche Art und Weise, um ja schlank und schön zu sein. Wir machen uns selbst zum Objekt und reduzieren uns damit auf unser Aussehen. Aber wollen wir wirklich nur danach beurteilt werden? Ich sage, nein! Denn in uns steckt so viel mehr! Und jede Frau  ist toll und auch einzigartig. Jede ist so, wie sie ist. Also seid mutig und zeigt euch, wie ihr wirklich seid. Wenigstens manchmal. Zeigt, was Ihr drauf habt und nicht nur, dass ihr hübsch aussehen könnt! Ich denke gerade an Angela Merkel. Keine schöne Frau. Aber eine Frau mit viel Macht.